Vasella ist auch mit Beraterlohn an der Spitze

Ab Herbst wird der Ex-Präsident Daniel Vasella als Berater für Novartis tätig sein. Mit einem Tagesansatz von 25'000 Dollar gehört er zu den Spitzenreitern – auch international.

Auch als Berater lässt es sich gut leben: Daniel Vasella im März 2013 auf der Fifth Avenue in Manhattan.

Auch als Berater lässt es sich gut leben: Daniel Vasella im März 2013 auf der Fifth Avenue in Manhattan.

(Bild: Stefan Falke (Laif))

Andreas Möckli@AndreasMoeckli

Die Empörung kannte kaum Grenzen. Daniel Vasella hätte nach seinem Rücktritt als Präsident als Entschädigung für ein Konkurrenzverbot von Novartis 72 Millionen Franken erhalten sollen. Nachdem der öffentliche Druck zu gross wurde, krebste Vasella zurück und verzichtete auf die gesamte Summe.

Wie sich nun zeigt, muss der ehemalige Novartis-Präsident trotz seines Verzichts nicht darben. Der Basler Pharmakonzern bezahlt ihm für den Zeitraum zwischen Ende Februar und Ende Oktober 4,9 Millionen Franken, davon 2,7 Millionen in bar und 2,2 Millionen in frei verfügbaren Aktien. Das Geld erhält er für die Unterstützung des Interimspräsidenten Ulrich Lehner und des künftigen VR-Präsidenten Jörg Reinhardt. Letzterer kann sein Amt erst im August antreten, da er bei seinem jetzigen Arbeitgeber Bayer bis dann vertraglich gebunden ist. Bis Ende Monat führt deshalb Lehner den Verwaltungsrat.

Novartis scheint also auch nach dem Abgang Vasellas nicht auf ihn verzichten zu können. Seit seinem Rücktritt erbringe Vasella «gewisse Übergangs-Dienstleistungen». Damit ist neben der Unterstützung Lehners und Reinhardts auch die Ausübung einzelner Verwaltungsratsmandate von Novartis-Tochterfirmen gemeint. «In dieser Übergangsphase auf die volle Unterstützung von Dr. Vasella zählen zu können, ist im besten Interesse von Novartis», sagt eine Sprecherin.

Reinhardt im Schatten Vasellas

Auch die Zeit nach Oktober hat Novartis vertraglich geregelt. Vasella werde «nach Wunsch und Bedarf des Unternehmens» als Berater tätig sein. Dafür erhält er pro Tag 25'000 Dollar, pro Jahr jedoch mindestens 250'000 Dollar. Die Vereinbarung dauert bis Ende 2016. Ein Konkurrenzverbot für diese Zeit erachtet Novartis mittlerweile «weder als nötig noch als angemessen». Vasella wird unter anderem als Coach für Nachwuchsführungskräfte fungieren und Vorträge halten. Auch ausserhalb von Novartis ist er als Coach tätig. Für McKinsey berät er jüngere und ältere Firmenchefs. Zudem sitzt er im Verwaltungsrat von Pepsi und American Express.

Die Summen, die Vasella bezieht, stossen auf Kritik. Thomas Minder, Ständerat und geistiger Vater der Abzockerinitiative, spricht von Bereicherung. Er sieht den Vorgang als Bestätigung für die engen Seilschaften innerhalb des Verwaltungsrats. Das Gremium halte Vasella nun 4,9 Millionen Franken durch die Hintertür zu, nachdem man die Abgangsentschädigung habe rückgängig machen müssen.

«Eindeutig übertrieben»

Ethos-Direktor Dominique Biedermann erachtet die Summe für Vasellas achtmonatige Tätigkeit als eindeutig übertrieben. Vasella sei weder angestellt noch Verwaltungsrat des Konzerns, sondern agiere lediglich als Berater in einer Übergangszeit. Zudem werde bereits Verwaltungsrat Ulrich Lehner für sein Amt als Interimspräsident zusätzlich entlöhnt. Ende April gab Novartis bekannt, dass Lehner neben seinem üblichen Honorar als gewöhnlicher Verwaltungsrat 790'000 Franken erhalten wird. Noch unverständlicher erscheine die Entlöhnung Vasellas, wenn man sich die Vergütung des neuen Präsidenten Jörg Reinhardt vor Augen halte. Dieser wird künftig 3,8 Millionen Franken pro Jahr verdienen.

Mühe hat Biedermann auch mit dem Beratungsvertrag. Das Honorar von 25'000 Dollar pro Tag sei sehr hoch. Der Ethos-Direktor zieht einen Vergleich mit der Vergütung eines Verwaltungsrats von Novartis. Im Schnitt erhalte dieser rund 550'000 Franken. Gehe man davon aus, dass ein Verwaltungsrat 40 Arbeitstage für sein Mandat einsetze, so betrage der Tagesansatz knapp 14'000 Franken. Weshalb Vasella deutlich mehr erhält, obwohl er als Berater im Gegensatz zu einem Verwaltungsrat keine Verantwortung trägt, ist Biedermann schleierhaft.

Lukrative Referate

Vasella dürfte mit 25'000 Dollar pro Beratertag auch international gesehen in der obersten Liga spielen. Solche Ansätze seien für Berater ganz klar die Ausnahme, sagt Urs Klingler, der mit seiner Firma Klingler Consultants Unternehmen in Fragen der Entlöhnung berät. Ein solcher Betrag deute auf sehr spezifische und seltene Kenntnisse und Erfahrungen hin. In der Schweiz seien eher Tageshonorare zwischen 2000 und 5000 Franken üblich. «Vergleichbare Ansätze wie jener Vasellas erhalten höchstens Spitzenberater internationaler Beratungsfirmen oder Anwaltskanzleien», sagt Klingler. Das komme aber nur sehr selten vor.

Mit Vasella messen kann sich Philipp Hildebrand, zumindest was das Halten von Vorträgen anbelangt. Der Ex-Nationalbank-Präsident erhält pro Referat bis zu 30'000 Franken. Üppig sind auch die Honorare von Spitzenanwälten. So verlangt etwa Rolf Watter von der Kanzlei Bär & Karrer, ein Experte im Bereich Übernahmen, 1000 Franken pro Stunde, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Tages-Anzeiger

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