VW-Konzern forciert Erdgasautos

Am Gasmobil-Symposium in Thun gaben alle Referenten den Gasfahrzeugen gute Chancen. Die Verkaufszahlen sind aber noch tief, deshalb plant die VW-Importeurin Amag 2015 eine Marketingoffensive.

Mit Gas- und Bezintanks: Erdgasautos am Dienstag im Fussballstadion in Thun.

Mit Gas- und Bezintanks: Erdgasautos am Dienstag im Fussballstadion in Thun.

(Bild: Hans Galli)

Hans Galli

Die Amag ist mit einem Marktanteil von 30 Prozent die grösste Autoimporteurin der Schweiz. Ihre Hauptmarken sind VW, Audi, Skoda und Seat, pro Jahr verkauft sie rund 90'000 Fahrzeuge. Marktführerin ist sie auch bei Erdgasautos – obwohl sie im laufenden Jahr nur etwa 700 verkaufen kann. Bereits im nächsten Jahr dürften es wesentlich mehr sein, wie Amag-Direktor Bernhard Soltermann gestern am 10. Gasmobil-Symposium in Thun sagte. Die Amag-Verkäufer müssten 2015 mehr Erdgasautos verkaufen, um ihre Ziele zu erreichen, und den externen Händlern würden auf Gasautos höhere Margen gewährt. Als einzige grössere Importeurin konnte die Amag in den ersten neun Monaten mehr Erdgasautos verkaufen als im Vorjahr. Sie verfügt mittlerweile über eine breite Modellpalette, und auf der Umweltliste 2014 des VCS belegt der VW Eco Up Platz eins, und das Erdgasmodell des VW Golf liegt auf Rang fünf.

Gas aus Schweizer Solarstrom?

«Erdgas ist für den VW-Konzern und für die Amag ein wichtiger Teil der Zukunft», sagte Soltermann. Gasautos produzierten wesentlich weniger CO2 als Benzin- und Dieselfahrzeuge, deshalb spielten sie eine grosse Rolle für die Erreichung der Umweltvorschriften. Das Fernziel sei die CO2-neutrale Mobilität, indem das Gas mit erneuerbaren Energien hergestellt werde. Audi betreibt in Werlte in Norddeutschland eine Test­anlage, bei welcher aus Wasser und Strom zuerst Wasserstoff und dann unter Zuführung von CO2 aus einer Vergärungsanlage Methan hergestellt wird. Letzteres ist chemisch mit Erdgas identisch.

Urs Elber vom Paul-Scherrer-Institut bezeichnete die Produktion von Methan als grosse Chance, wenn nicht sogar als Notwendigkeit, um die Schwankungen bei den erneuerbaren Energien auszugleichen. In Deutschland könnten die bestehenden Wind- und Solarkraftwerke bei Vollbetrieb 72-mal so viel Strom produzieren wie das AKW Gösgen. Auch in der Schweiz werde laufend in Wind- und Solarkraftwerke investiert. Fotovoltaikanlagen lieferten vor allem im Sommer viel Strom – wenn er eigentlich nicht nötig wäre. Deshalb erscheine es sinnvoll, mit dem überschüssigen Solar­strom Methan zu produzieren, dieses im öffentlichen Gasnetz zu speichern und unter anderem für Erdgasautos zu verwenden. Das Gasnetz sei vorhanden, und die Speicherung sei vergleichsweise günstig, sagte Elber.

Auch das Transportgewerbe verfolgt die Entwicklung bei den Erdgasfahrzeugen interessiert. Astag-Präsident Adrian Amstutz räumte allerdings ein, er habe sich im Hinblick auf das Gasmobil-Symposium ins Thema einarbeiten müssen. Er begrüsse grundsätzlich Erdgasfahrzeuge als Alternative. Wichtig sei, dass die Politik alle Technologien gleichbehandle, sodass sich die beste durchsetzen werde. Bei kurzen Strecken seien gasbetriebene Lastwagen und Busse heute schon geeignet. Für den Langstreckenverkehr sei das Tankstellennetz noch zu weitmaschig, sagte Amstutz.

Auch die Armee will zu Testzwecken drei mit Erdgas betriebene Lastwagen und drei Busse für den Personentransport erwerben: Das kündigte Logistikchef Daniel Baumgartner an. In Othmarsingen entstehe dazu ein Testcenter mit einer eigenen Erdgas-Tankstelle. Er spreche allerdings lieber von Biogas, denn das sei eine einheimische Energiequelle. Schon heute werde dem Erdgas auch Biogas beigemischt, und die Armee habe grosses Interesse daran, dass dieser Anteil wachse, sagte Baumgartner. Wenn das Ausland den Gashahn zudrehen sollte, hätte die Armee noch das einheimische Biogas.

Benzintank als Reserve

Roman Caspar, der Captain des Handballclubs Wacker Thun, fährt bereits seit zehn Jahren ein Erdgasauto – gesponsert von Energie Thun. Anfänglich sei er von den Kollegen für seine «Erdgas-Rakete» belächelt worden, sagte er. Der erdgasbetriebene VW Golf, den er heute fahre, sei punkto Fahrleistung dem Benzin­modell ebenbürtig. Eine Tankfüllung mit Erdgas reiche für 300 Kilometer. Zusätzlich sei ein Benzintank als Reserve eingebaut. Mit dem Benzin könnten bei voller Füllung weitere 320 Kilometer zurück­gelegt werden. Deshalb bestehe keine Gefahr, dass er stecken bleibe, auch wenn bei einer längeren Fahrt im Ausland mal keine Erdgastankstelle in der Nähe sein sollte.



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