«Solche Preise sind eine Schweinerei»

Volg-Chef Ferdinand Hirsig über sein Rezept für Wachstum, die zunehmende Konkurrenz in der Nische durch Coop sowie Migros und die hohen Schweizer Preise.

«Wir beweisen, dass es in der Nische Platz gibt», Volg-Laden in Uhwiesen.

«Wir beweisen, dass es in der Nische Platz gibt», Volg-Laden in Uhwiesen.

(Bild: Keystone)

Matthias Pfander@MatthiasPfander

Herr Hirsig, Sie haben heute Ihre Geschäftszahlen präsentiert. Volg wächst seit Jahren stärker als der Markt. Weshalb?
Wir sind nur eine kleine Nummer. Deshalb will ich unsere Zahlen nicht zu hoch hängen. Wir sind nur ein Zehntel so gross wie Coop, und wir haben den Markt auf tiefem Niveau geschlagen.

Wem jagen Sie die Marktanteile ab?
Wenn wir 3,5 bis 4 Prozent zulegen, kratzt das die zwei Grossen nicht. Aus ihrer Optik sind das Veränderungen im Promillebereich.

Trotzdem, wie erklären Sie sich die Entwicklung?
Die Nische ist unser Erfolgsgeheimnis. Wir sind nahe bei den Kunden. Geografisch in den Dörfern und emotional. Und wir beherrschen das Geschäft auf der kleinen Verkaufsfläche.

Lädelisterben, Discount-Boom, Billig- und Edellinien, neue Konkurrenz aus Deutschland – ging das an Volg spurlos vorbei?
Nein, nicht spurlos, aber wir liessen uns nicht beirren. Auch wenn die Experten noch so oft und laut behaupteten, nur grosse oder billige Detailhändler würden überleben. Wir haben bewiesen, dass es dazwischen einen Platz gibt. Für das Dorflädeli.

Aber es wird enger in der Nische. Coop und Migros versuchen, mit kleineren Läden sich ebenfalls besser als Nahversorger zu verankern. Wie gehen Sie damit um?
Das macht uns natürlich keine Freude. Bis jetzt waren wir praktisch allein. Wir müssen nun erst recht versuchen, mit Freundlichkeit und Frische zu punkten und uns auf Ladenformate zwischen 60 und 400 Quadratmetern zu konzentrieren.

Preislich gehört Volg zu den teureren Anbietern, bei den Löhnen zum Mittelfeld – viel verlangen und wenig zahlen, halten Sie so Ihre Gewinnmarge hoch?
Nein, wir haben verhältnismässig hohe Logistikkosten. Wir fahren täglich 1000 Läden an, bis ins hinterste Tal und letzte Bergdorf. Preislich orientieren wir uns an Coop, sind aber wegen der Kosten etwas teurer.

Und die Löhne?
Wir bieten attraktive Bedingungen. Aufs Jahr gerechnet zahlen wir über 4000 Franken pro Monat. Unser Mindestlohn ist in der ganzen Schweiz gleich hoch und nicht wie bei anderen Detailhändlern je nach Region unterschiedlich.

Wie beteiligen Sie die Mitarbeitenden am Erfolg?
Wir haben auf 2015 die Löhne um 2 Prozent erhöht. Zur kommenden Lohnrunde kann ich noch nichts sagen.

Einen 13. Monatslohn zahlen Sie nach wie vor nicht flächendeckend ...
Da sind wir dran. Ab 2016 werden wir überall einen 13. Monatslohn zahlen. Statt einer Gratifikation. Dafür garantiert.

Die Expansion in die Westschweiz wollten Sie bis 2015 abschliessen. Sind Sie auf Kurs?
So schnell wie geplant kommen wir nicht vorwärts. Wir wollen 60 bis 70 Volg-Läden in der Westschweiz und dem Wallis. Bis jetzt haben wir 20 und zudem 10 Drittanbieter, die wir beliefern.

Wo sehen Sie weitere Wachstumsmöglichkeiten?
Wir führen eine Liste mit weissen Flecken. Dörfer, in denen es noch eine Metzgerei oder eine Bäckerei hat oder gar nichts. Aktuell sind darauf etwa 50 Ortschaften. Gemäss unserer Erfahrung lassen sich jeweils bei 10 von 50 Standorten Läden entwickeln. Das ist unser Ziel für dieses Jahr.

Und die Stadt, bleibt das kein Thema für eine Expansion?
Nein, Volg verfolgt ein Dorfkonzept, denkbar sind Quartierkonzepte etwa an einem Standort wie Oberwinterthur. Wenn ich mit dem Volg an den Paradeplatz ginge, würden uns alle auslachen. Das wäre, wie wenn Prada im Muotathal einen Shop eröffnen würde.

Spar ist auch mit kleinen Läden in den Städten präsent …
Ja, aber das Angebot von Spar ist urbaner. Und in der Stadt wäre für uns die Konkurrenz schlicht zu gross, deshalb lassen wir die Finger davon.

Sie bieten neu einen Heimlieferservice an. Die Kunden können die Ware wahlweise telefonisch, per Fax, vor Ort im Laden bestellen oder sie legen den ausgefüllten Bestellschein in ihren Briefkasten. Haben Sie noch nie vom Internet gehört?
(Lacht) Im Internet kann man auch Geld verlieren, das zeigen die Grossverteiler mit ihren Angeboten. Obwohl beide dieses Geschäft sehr gut betreiben, haben sie Mühe, damit Geld zu verdienen. Für uns käme ein Onlineshop überhaupt nicht infrage.

Inwieweit haben Sie den Volg-Kunden die Währungsvorteile aufgrund des starken Frankens weitergegeben?
Wir haben wie alle anderen schnell mit den Verhandlungen begonnen. Alles, was wir dabei rausholten, gaben wir auch weiter. Von 5500 Artikeln haben wir über 1000 im Preis reduziert. Auf den Waren, die wir bereits vor Aufhebung der Untergrenze an Lager hatten, konnten wir keine Preisabschläge weitergeben. Solche Aktionen können wir uns schlicht nicht leisten.

Sie haben im Vergleich mit Coop und Migros eine ungleich kleinere Einkaufsmacht – nimmt man Volg bei Preisverhandlungen überhaupt ernst?
Nicht immer. Bei Firmen wie Procter & Gamble ist es oft schwierig. In diesen Unternehmen weiss ja kaum einer, wo die Schweiz liegt. Unsere Stärke ist die Feinverteilung. An vielen Orten sind wir für die Markenanbieter die einzige Absatzmöglichkeit. Damit können wir uns Gehör verschaffen.

Coop hat einzelne ausländische Presseartikel aus dem Angebot genommen. Wären solche Massnahmen bei Volg auch denkbar?
Wir haben schon über solche Auslistungen nachgedacht. Bei uns wäre aber die Wirkung viel kleiner. Gleichzeitig wollen wir die Kunden nicht bevormunden und ihnen vorschreiben, was sie bei uns nicht mehr kaufen können. Das ändert aber nichts daran, dass überhöhte Preise in diesem Ausmass eine Schweinerei sind.

DerBund.ch/Newsnet

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