Schweizer wollen keine Diesel mehr

Die Zahl der neu zugelassenen Dieselautos sinkt rasant. Im Gegenzug steigt die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen und Elektromobilen.

Der Dieselskandal zeigt Wirkung: In der Schweiz werden weniger Dieselfahrzeuge verkauft.

Der Dieselskandal zeigt Wirkung: In der Schweiz werden weniger Dieselfahrzeuge verkauft. Bild: Melanie Duchene/Keystone

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Der Genfer Autosalon ist der Trendmesser der Branche. Hier zeigt sich, was demnächst auf den hiesigen Strassen rollt. Schon heute ist klar, es dürften weniger Dieselfahrzeuge sein. So hat der japanische Autobauer Toyota in Genf angekündigt, künftig keine Diesel-PKW mehr in Europa zu verkaufen. Die Marke werde sich auf Hybridfahrzeuge konzentrieren, so Johan van Zyl, Präsident von Toyota Motor Europe. Bei Toyota hat sich der Anteil von verkauften Dieselautos in den vergangenen fünf Jahren halbiert. Der Dieselskandal zeigt seine Wirkung.

Auch in der Schweiz haben Dieselfahrzeuge einen schlechten Stand. Dies zeigen Daten der Branchenvereinigung Auto Schweiz. 2016 gingen die Neuzulassungen bei den Dieselfahrzeugen um rund 1 Prozent zurück. Im letzten Jahr ging der Anteil der Dieselfahrzeuge gar um mehr als 9 Prozent zurück.

Rückgang nimmt Fahrt auf

Doch damit nicht genug. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurden fast 15 Prozent weniger Dieselautos zugelassen als 2017. Der Marktanteil beträgt damit noch 33 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 7 Prozent mehr. Gleichzeitig nahm die Zahl der neu zugelassenen Hybridfahrzeuge um mehr als 30 Prozent zu, und die Zahl der Autos mit Elektromotoren wuchs ähnlich rasant.

Der Tiefpunkt ist damit wohl noch nicht erreicht. Denn die Schweizer interessieren sich nicht mehr für Dieselmotoren, dies zeigt eine Analyse des Internet-Vergleichsdienstes Comparis. Die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen, bei den Neuwagen und den Occasionen, auf dem Comparis-Automarkt ist in den letzten drei Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Im Januar 2015 entfielen noch 66 Prozent der treibstoffspezifizierten Suchabfragen auf Dieselfahrzeuge. Im Januar 2018 waren es nur noch 46 Prozent. Bei den Benzinern sind die Anfragen im gleichen Zeitraum um 50 Prozent gestiegen.

Fahrverbote in den Städten

Für die kommenden Monate geht Comparis von einem weiteren Rückgang der Nachfrage aus. Dies, weil die rechtliche Situation für Besitzer von Dieselfahrzeugen unklar sei. So drohen in Deutschland zeitliche und lokale Fahrverbote. Zudem kann es dort ab 2019 zu Einschränkungen für Dieselfahrzeuge kommen, die zwischen 2011 und 2015 produziert wurden. Ob die Regeln auch für ausländische Wagenbesitzer gelten, sei unklar. Comparis rät daher Schweizer Autokäufern, sich nur einen Diesel ab Jahrgang 2015 zu beschaffen.

Auch in der Schweiz wird bereits über Einschränkungen für Dieselfahrzeuge nachgedacht. So freute sich der Genfer Verkehrsdirektor Luc Barthassat jüngst in der «NZZ am Sonntag» über das Urteil eines deutschen Gerichts und kündigte an, temporäre Fahrverbote für besonders umweltschädliche Autos einzuführen. Davon wären wohl auch Dieselautos betroffen. (jb)

Erstellt: 06.03.2018, 18:34 Uhr

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