Investor bittet Chinas Botschafter um Hilfe

Ohne Zustimmung einer Bank in China droht die Sanierung zu scheitern.

Sein Arbeitsplatz ist bedroht: Ein Mitarbeiter der Produktion von Baoshida in Reconvilier.

Sein Arbeitsplatz ist bedroht: Ein Mitarbeiter der Produktion von Baoshida in Reconvilier.

(Bild: Marcel Bieri)

Die Rettung von 160 Arbeitsplätzen in den Werken von Baoshida Swissmetal in Reconvilier im Berner Jura und im solothurnischen Dornach hängt weiterhin an einem seidenen Faden. Investor André Rezzonico richtete gestern einen Appell an Chinas Botschafter: «Ich rufe den Botschafter Chinas in der Schweiz auf, die China Development Bank zur Vernunft zu bringen», sagte der Industrielle André Rezzonico, Verwaltungsratspräsident der Investorin Swiss Team.

Rezzonico, der nach eigenen Angaben auf die Unterstützung des Kantons Bern zählen darf, rief auch die Bundesbehörden auf, sich für die Übernahme einzusetzen. «Die Schweiz und China haben die Gelegenheit zu zeigen, wie es um die Qualität ihrer Beziehungen steht.»

Die Zeit drängt

Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn die Frist für eine Übernahme des sich in Nachlassstundung befindenden Unternehmens läuft am 22. Mai aus. Ohne Lösung droht danach der Konkurs des Unternehmens. Rezzonicos Swiss Team hat für das schlingernde Unternehmen 9 Millionen Franken geboten. Doch dieser Betrag liegt unter den 15 Millionen Franken, mit denen Baoshida bei der China Development Bank in der Kreide steht. Die Bank beharrt darauf, die gesamten 15 Millionen zu bekommen. Rezzonico sagte, er glaube, auf chinesischer Seite etwas Bewegung zu spüren.

Den Betrag hatte der ehemalige chinesische Verwaltungsratspräsident von Baoshida Swissmetal bei der Bank geliehen. Der Chinese ist allerdings ins Visier der bernischen Justiz geraten.

Positive Quartalszahlen

Trotz der Ungewissheit der letzten Jahre ist das Werk noch immer in Betrieb. «Die Zahlen des ersten Quartals sind positiv», sagte der Direktor von Baoshida Swissmetal, Claudio Penna, gestern vor den Medien. Das vergangene Jahr schloss das Unternehmen ausgeglichen ab.

Falls die Übernahme durch Swiss Team erfolgreich abgeschlossen werden kann, will Rezzonico das gesamte Personal übernehmen und in die Produktionsmaschinen investieren. Das ehemalige Industrieflaggschiff im Jurabogen wurde vor sechs Jahren von der chinesischen Baoshida-Gruppe erworben. In Reconvilier ist das Unternehmen noch heute als La Boillat ein Begriff, benannt nach dem Gründer Edouard Boillat.

Uhren, Munition und Draht

Ende des 19. Jahrhunderts herrschte in der Schweiz grosser Bedarf nach Buntmetallprodukten, etwa zur Herstellung von Uhren-Rohwerken, Telefondraht und Munition. Im Land entstanden mehrere Metallwerke, neben der Boillat in Reconvilier auch die Metallwerke in Dornach. In Thun gründete der aus Deutschland stammende Industrielle Gustav von Selve ebenfalls ein Metallwerk. Thun war damals schon ein bedeutender Armeestandort mit Munitionsfabrik.

In den 1980er-Jahren schlossen sich die drei Metallwerke zur USM Schweizerische Metallwerke AG zusammen. Der fortschreitende Verlust von Marktanteilen und der Einstieg des Financiers Werner K. Rey führten letztlich 1991 zur Schliessung der Thuner Selve. Die Standorte Reconvilier und Dornach blieben. Nach der Jahrtausendwende stand die Gruppe erneut kurz vor dem Aus. Ihr wurde wieder eine Schrumpfkur auferlegt, in den Werken kam es zu Streiks.

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