Neat-Bauer sollen dank Halteprämien bis zum letzten Tag arbeiten

Wenn die Alptransit in einem Jahr den Gotthard-Basistunnel übergibt, geht vielen die Arbeit aus. Die Angestellten sollen dennoch bis zur Vollendung ihres Werks bleiben.

Bald ist im Gotthard-Basistunnel fertig kontrolliert: Ein Ingenieur während einer Sicherheitsprüfung im Teilabschnitt Sedrun (2010). Foto: Martin Rütschi (Keystone)

Bald ist im Gotthard-Basistunnel fertig kontrolliert: Ein Ingenieur während einer Sicherheitsprüfung im Teilabschnitt Sedrun (2010). Foto: Martin Rütschi (Keystone)

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Sie bauen den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Und sie sind bald am Ziel. Am 1. Juni 2016 können die Mitarbeiter der Alptransit die Eröffnung ihres gigantischen Werks feiern. Und nicht nur sie. Über 1000 Gäste aus dem In- und Ausland werden den Gotthard-Basistunnel einweihen. Die Vorfreude ist derart gross, dass Bundesrätin Doris Leuthard gestern eine Medienkonferenz unter dem Titel «Ein Jahr bis zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels» abhielt.

Etwas länger dauert der Bau des Ceneri-Tunnels, für den ebenfalls die Alptransit zuständig ist. Er erfordert aber deutlich weniger Angestellte. Und spätestens im Jahr 2020 soll auch hier Schluss sein. Dann braucht es die Alptransit nicht mehr. Ihre Angestellten hegten lange die Hoffnung, von den SBB mit einem weiteren Grossprojekt betraut zu werden. Doch diese Hoffnung hat sich inzwischen zerschlagen. Nun ist klar: Die Alptransit ist ein Unternehmen mit Verfalldatum. Verwaltungsratspräsident Werner Marti muss sich ans Abbauen der Firma machen.

Dies ist gar nicht so einfach. «Ein Unternehmen herunterzufahren, ist schwieriger, als eines heraufzufahren», sagt der ehemalige Preisüberwacher und SP-Nationalrat. Als grösste Herausforderung erweist sich dabei, das Personal bei der Stange zu halten. Denn wer weiss, dass er bald keine Arbeit mehr hat, sieht sich anderswo um. Dies kann aber nicht im Interesse der Alptransit sein.

Kein Wechsel in der 80. Minute

Toni Büchler, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung und Chef des kaufmännischen Bereichs, vergleicht die Situation mit einem Fussballspiel: «Die Spieler sollten nicht in der 80. Minute an einen Vereinswechsel denken.» Um dies zu verhindern, hat der Verwaltungsrat ein Massnahmenpaket namens Libero beschlossen. Es sieht unter anderem Halteprämien und Ruhestandsregelungen vor.

Das Programm gilt für alle Angestellten, die seit mindestens vier Jahren bei der Alptransit beschäftigt sind. Es kommt aber nicht bei allen im selben Umfang zur Anwendung. Das Ausmass der Leistungen hängt vom Risiko ab, das die Alptransit beim Abgang einer Person zu befürchten hat. Je grösser der drohende Know-how-Verlust, desto höher fällt die Halteprämie aus.

Büchler weiss von jeder Arbeitsstelle, wie lange er sie noch braucht. Zwei bis drei Jahre vor diesem Termin findet mit dem entsprechenden Mitarbeiter ein Gespräch statt. Es mündet in eine Vereinbarung, welche die Höhe der Halteprämie oder die Ruhestandsregelung festlegt.

Die frühzeitige Pensionierung steht Angestellten über 58 Jahren offen, deren Arbeit zu Ende geht. Sie können von Überbrückungsrenten und Pensionskasseneinschüssen profitieren. Ausbezahlt werden die Gelder aber nur, wenn die Mitarbeiter wie vereinbart bis zum letzten Arbeitstag bleiben. Dasselbe gilt für die Halteprämien.

Wie hoch die Zahlungen sind, will Büchler nicht sagen. Auch über das Gesamtbudget schweigt er sich aus. Bis anhin haben rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine solche Vereinbarung unterschrieben. Nebst Halteprämien und Ruhestandsregelungen erhalten sie von der Alptransit auch Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Job. Wichtig sei das gegenseitige Vertrauen, so Büchler. Manchmal vereinbare man auch, dass ein Mitarbeiter zwar den Job wechsle, sein Wissen aber gegen Entgelt weiterhin zur Verfügung stelle. So könne man bei Problemen oder allfälligen Auseinandersetzungen mit Auftragnehmern weiterhin auf das Know-how zählen.

Von 152 auf 0 Mitarbeiter

Bei der Alptransit arbeiten vor allem Ingenieure, Juristen, Ökonomen und Kaufleute, die sich um die Projektleitung kümmern. Die eigentlichen Arbeiten vor Ort – etwa das Bohren der Tunnels sowie das Verlegen von Schienen und Kabeln – übernehmen andere Firmen im Auftragsverhältnis. Deren Mineure und Techniker ziehen von Baustelle zu Baustelle und sind nicht von der Alptransit angestellt. Dadurch kommt das Unternehmen mit relativ wenig Angestellten aus. Gegenwärtig beschäftigt es – auf Vollzeitstellen umgerechnet – 152 Mitarbeiter. Im Jahr 2017 werden es noch 122 sein, 2018 deren 98 und 2021 fast niemand mehr.

Büchler spricht von «kontrolliertem Schrumpfen», was mindestens so schwierig sei wie das Wachsen. Gut möglich, dass der heute 57-Jährige einst derjenige ist, der als Letzter das Licht löschen wird. Vielleicht 2021 oder 2022. So weit ist seine Planung noch nicht gediehen. Büchler selbst hat denn auch noch keine Halteprämie oder Ruhestandsregelung vereinbart. In den nächsten Jahren hat er ja noch genug zu tun mit dem Herunterfahren des Unternehmens.


12 Millionen Franken für das grosse Fest

Bundesrätin Doris Leuthard hat gestern in Luzern den Countdown für die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels gestartet. In einem Jahr, am 1. Juni 2016, wird der längste Bahntunnel der Welt mit einem Staatsakt eingeweiht. Die Gäste sollen an den Tunnelportalen in Erstfeld und Biasca erleben, wie zwei Züge für die Jungfernfahrt durch den Tunnel starten.

In diesen Zügen werden 1000 Personen aus der Bevölkerung sitzen – als Dank an die Schweizerinnen und Schweizer für ihr Ja an der Urne und Ihre Finanzierung der Neat. Wem die Ehre zufällt, soll im kommenden Januar das Los bestimmen.

Am Wochenende des 4. und 5. Juni 2016 kann dann auch das breite Publikum erstmals durch den neuen Gotthard-Basistunnel fahren. Der Ticketverkauf startet im April 2016 online über www.gottardo2016.ch sowie an weiteren Verkaufsstellen.

Für die Eröffnungsfeierlichkeiten stellt der Bundesrat insgesamt 12 Millionen Franken zur Verfügung. «Eine rechte Summe», so Verkehrsministerin Leuthard. Doch ein solches Werk eröffne man nur alle 100 Jahre. Dies solle gebührend gefeiert werden.

3000 Testfahrten

Bis es so weit ist, werden während 365 Tagen zwei weisse Lokomotiven mit dem Festakt-Logo «Gottardo 2016» als Vorboten durch die Schweiz rollen. Sie tragen die Namen Erstfeld und Biasca.

Derweil finden im Tunnel die letzten Arbeiten statt. Bis zum Oktober werden noch bahntechnische Komponenten eingebaut, dann beginnt der Testbetrieb. In über 3000 Testfahrten soll nachgewiesen werden, dass der Gotthard-Basistunnel einwandfrei und sicher funktioniert. Fahrplanmässig in Betrieb genommen wird der Tunnel am 11. Dezember 2016. (is./SDA)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.06.2015, 23:48 Uhr

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