J. P. Morgan Chase geht bei Schweiz-Offensive über die Bücher

Berater der US-Bank gehen in der Schweiz mit heiklen Methoden auf Kundenfang. Nun will die New Yorker Zentrale mehr wissen.

Eigenartige Anfragen von J. P. Morgan Chase: Schweizer Vermögensverwalter sollten das Geld ihrer Kunden in die USA verschieben.

Eigenartige Anfragen von J. P. Morgan Chase: Schweizer Vermögensverwalter sollten das Geld ihrer Kunden in die USA verschieben. Bild: Eric Thayer/Reuters

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Bei einem Zürcher Vermögensverwalter rief in den vergangenen Wochen regelmässig ein besonders aufdringlicher Banker aus den USA an. Er wollte den Schweizer Finanzberater dazu bewegen, die Vermögen seiner Kunden in die USA zu verschieben. Dies berichtet die «SonntagsZeitung» in ihrer letzten Ausgabe.

Das Bemerkenswerte dabei: Die Gelder sollten in Konstrukten landen, die sich besonders gut eignen, um das Geld vor dem Steueramt zu verstecken. Besonders im Fokus der Banker aus den USA könnte damit unversteuertes Schwarzgeld stehen. Hinter der Offensive aus den USA steht ein hochrangiger Manager der US-Bank J. P. Morgan Chase. Eines der grössten Geldhäuser der USA. Er kündigte sogar an, für Kundengespräche im Oktober extra in die Schweiz reisen zu wollen.

US-Bank nimmt Vorwürfe unter die Lupe

Die Werbetour kommt in der Schweiz schlecht an. Denn die Schweizer Banken boten früher ähnliche Konstrukte an, bis die USA ihren Feldzug gegen den hiesigen Finanzplatz starteten. Die Schweizer Banken mussten in die USA Milliarden-Bussen überweisen, weil sie US-Kunden beim Verstecken von Geldern vor den Steuerbehörden halfen. Noch immer laufen bei mehreren Schweizer Banken US-Verfahren, die sie dereinst mit teuren Strafzahlungen abschliessen werden. Wenn nun US-Banken dieselben Methoden anwenden, um in der Schweiz auf Kundenfang zu gehen, hinterlässt das in der Branche mehr als nur einen bitteren Nachgeschmack.

Ein Sprecher der US-Bank stellt nun klar: «Wir erwarten von all unseren Mitarbeitenden, dass sie in jeder Region, in der wir tätig sind, die lokalen Gesetze einhalten.» Das Unternehmen will nun genauer wissen, was in der Schweiz exakt passiert ist. «Wir sind dabei, die Thematik zu analysieren», so der Sprecher.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma nimmt zum Vorgehen der US-Bank keine Stellung. Habe die Finma Hinweise darauf, dass aufsichtsrechtliche Vorschriften verletzt werden, so gehe sie diesen nach, so ein Sprecher. Bei Bedarf ergreife die Behörde auch aufsichtsrechtliche Massnahmen.

Ausländische Banken dürfen Kunden anwerben

Die Frage bleibt offen, ob das Vorgehen von J. P. Morgan Chase die Regeln verletzt. Es sei nicht bewilligungspflichtig, wenn Schweizer Kunden Bankgeschäfte aus dem Ausland angeboten werden, heisst es bei Branchenkennern. Das gelte zumindest dann, wenn die ausländische Bank keine Personal dauernd in der Schweiz beschäftige. Eine US-Bank darf also wohl versuchen, in der Schweiz Kunden zu gewinnen.

Die US-Bank J. P. Morgan Chase besitzt in der Schweiz keine Bankenlizenz. Sie verfügt laut ihrer Website Niederlassungen in Genf und Zürich. Dabei handelt es sich um Vertriebsniederlassungen für professionelle Kunden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2016, 12:42 Uhr

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