Ermotti legt für seine UBS das Portemonnaie ins Feuer

Der UBS-Chef hält die Grossbank für unterbewertet. Jetzt hat er eine Million Titel gekauft. Den Anlegern dürfte das nicht reichen.

Sergio Ermottis Aktienkauf dürfte die Anleger nicht gross bewegen: Der UBS-CEO an einer Pressekonferenz in Zürich.

Sergio Ermottis Aktienkauf dürfte die Anleger nicht gross bewegen: Der UBS-CEO an einer Pressekonferenz in Zürich. Bild: Keystone

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Sergio Ermotti kann nicht verstehen, weshalb der Aktienkurs der UBS, die er leitet, sich so schwach entwickelt. Seit Jahresbeginn hat der Titel 27 Prozent verloren. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gabs immerhin am letzten Donnerstag, als die Grossbank bessere Gewinnzahlen präsentiert hat, als erwartet wurden. Anfänglich stieg da die UBS-Aktie deutlich an, während die Schweizer Börse insgesamt einbrach. Doch davon blieb am Ende nichts übrig. Vor einer Woche notierte die Aktie sogar noch leicht höher als heute Dienstagmorgen.

Echte Überzeugung zeigt sich daran, wenn jemand dafür seine Hand ins Feuer legt. Die Angelsachsen sprechen von «Skin in the Game» (eigene Haut im Spiel). Der UBS-Chef legt nun seine eigene Hand ins Feuer, beziehungsweise sein Portemonnaie: 13,12 Millionen Franken ist Sergio Ermotti die Überzeugung Wert, dass die Aktie der UBS unterbewertet ist. Für diesen Betrag hat er eine Million Titel «seiner» Grossbank gekauft. Damit hat er beinahe sein letztes Jahresgehalt dafür eingesetzt – also genau genommen eine Million Franken weniger. Denn das waren 14,2 Millionen Franken.

Die Hand im Feuer hatte Ermotti aber schon vor seinem jüngsten Kauf. Laut dem Jahresbericht von 2017 besass er schon zuvor 2,09 Millionen UBS-Aktien. Hat er in der Zwischenzeit keine verkauft, besitzt er also jetzt mindestens 3 Millionen Aktien seines Hauses. Keiner im Management der Grossbank hat laut dem letztjährigen Jahresbericht mehr davon.

Auch die Konkurrentin stimmt ihm zu

Nun ist es keineswegs so, dass Ermotti der Einzige ist, der davon überzeugt ist, dass die UBS einen höheren Aktienwert verdient. Die meisten Analysten stimmen mit ihm überein. Jene der Lokalkonkurrenz Credit Suisse prognostizieren sogar, dass sie auf 22 Franken steigt. Doch vielleicht spielt hier eine Übertragung im Sinne des Psychologen Sigmund Freud mit: Also der unbewusste oder bewusste Wunsch, dass auch die eigenen Aktien etwas höher steigen. Denn wie bei jenen der UBS, kommen auch die Aktien der CS nicht vom Fleck, und auch sie notieren 27 Prozent unter dem Wert vom Jahresbeginn.

Verloren: Der UBS-Aktienkurs der letzten 12 Monate. Grafik: Google/SIX

Natürlich könnte Ermotti darauf verweisen, dass dieser Vergleich mit der CS oder mit der Branche insgesamt doch zeigt, dass die Banken generell nicht in der Gunst der Anleger stehen. Die Aktie der Deutschen Bank notiert zum Beispiel mit 46 Prozent unter dem Jahresbeginn-Kurs und steht damit noch sehr viel schlechter da als die beiden Schweizer Konkurrenten.

Doch das tut Sergio Ermotti nicht. An seiner Investorenveranstaltung in London hat er letzte Woche deutlich gemacht, dass seine Bank in ihrem Markt sehr viel besser ist als die Konkurrenz, auch als die aus dem Inland. Leider sind die Anleger davon bisher nicht überzeugt.

Kaum angetreten, stiess Frey seine Aktien ab

Dass das Spitzenpersonal der UBS mit eigenem Geld zum eigenen Haus steht, war nicht jederzeit selbstverständlich. Im Jahr 2008 hat Rainer Marc Frey, kaum wurde er zum Verwaltungsrat der Grossbank ernannt, gleich alle seine UBS-Aktien verkauft – auch das waren eine Million Titel. Gegenüber der Öffentlichkeit hat sich der einstige Hedgefonds-Manager nach dem damaligen Sturm der Entrüstung zwar für dieses zur Schau gestellte Misstrauen in die Bank entschuldigt. Mit Blick auf seine eigenen Finanzen hat sich die Aktion für Frey allerdings gelohnt, denn mit dem UBS-Papier ging es nach seinem Verkauf weiter bergab.

Bleibt die Frage, ob das Umgekehrte für Ermottis Zukauf gilt. Immerhin ist die Aktie der UBS am heutigen Tag etwas angestiegen – sogar stärker als jene der Credit Suisse. Dass das aber auf den mit 13,12 Millionen Franken unterlegten Vertrauensbeweis des Chefs zurückgeht, ist unwahrscheinlich. Die eine Million gekaufter Aktien von Ermotti machen nur gerade 0,026 Prozent der insgesamt 3,8 Milliarden Titel der Grossbank aus. Und für die Kursentwicklung zählen die Erwartungen der Anleger mehr als die Käufe ihres Chefs. Diese Erwartungen konnte er trotz all seiner Bemühungen bisher nur wenig in seinem Sinne beeinflussen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.10.2018, 19:17 Uhr

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