«Die Idee der global führenden Investmentbank gehört definitiv der Vergangenheit an»

Interview

Die UBS baut massiv Stellen im Investmentbanking ab. Der Bankenprofessor Manuel Ammann erklärt, was das für den Bankenplatz Schweiz bedeutet.

Manuel Ammann ist Direktor des Instituts für Banken und Finanzen an der Hochschule St. Gallen.

Manuel Ammann ist Direktor des Instituts für Banken und Finanzen an der Hochschule St. Gallen.

(Bild: zvg)

Anita Merkt@tagesanzeiger

Vollzieht die UBS mit der Verkleinerung der Investmentbank den richtigen Schritt?Die UBS zieht die Konsequenzen aus der schwierigen Situation im Investmentbanking. Wie die UBS haben auch andere Grossbanken in den Boomjahren ihre Investmentbanking-Sparten stark ausgebaut. Weil der Bereich sehr profitabel war, wollten alle dabei sein und möglichst weit vorne mitspielen. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 hat sich das Umfeld jedoch massiv verändert. Das Investmentbanking wirft viel weniger Gewinn ab als in den Boomjahren. Die Profitabilität des Eigenhandels hat stark gelitten. Zudem sind die Kunden verunsichert und handeln weniger. Ausserdem kaufen sie weniger margenträchtige Produkte. Die UBS will sich angesichts dieses schwierigen Umfelds wieder mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Könnten die Banken nicht warten, bis die Zeiten wieder besser werden, anstatt jetzt massiv Stellen abzubauen? Genau das haben die Banken getan. Der Ausbruch der Finanzkrise war vor fünf Jahren, die UBS vollzieht die massiven Einschnitte im Investmentbanking erst jetzt. Zum Entscheid beigetragen haben aber neben dem schlechteren Umfeld auch die verschärften Eigenmittelanforderungen. Einerseits wurden im Rahmen von Basel III die Eigenmittelanforderungen für Banken generell erhöht, andererseits hat die Schweiz für ihre Grossbanken aufgrund deren Systemrelevanz darüber hinausgehende Vorschriften beschlossen, um das Risiko für den Staat und die Volkswirtschaft zu limitieren. Weil nun mehr Eigenmittel benötigt werden, sind diese knapper und verlangen einen sparsameren Umgang damit. Gewisse Bereiche des Investmentbanking binden viele Eigenmittel und verlieren deshalb an Attraktivität. Ich erwarte, dass auch noch andere Grossbanken ihre Investmentbanking-Aktivitäten reduzieren werden.

Die Schweizer Grossbanken wollten im Investmentbanking ganz vorne mitspielen. Ist dieses Kapitel mit der heutigen Ankündigung der UBS beendet? Die Idee der global führenden Investmentbank gehört mit dieser Strategieänderung definitiv der Vergangenheit an. Die UBS wird das Investmentbanking aber nicht komplett aufgeben. Man wird sich auf Bereiche konzentrieren, die für die Vermögensverwaltung wichtig sind und die mit relativ wenig Eigenkapital auszustatten sind. Das Modell der Voll-Universalbank, die jedes erdenkliche Bankgeschäft aus eigener Hand anbieten möchte, ist letztlich nicht tragfähig.

Die UBS will vor allem den Bereich Fixed Income abstossen. Warum ausgerechnet hier?Die UBS hat mit diesem Bereich schlechte Erfahrungen gemacht. Dazu kommt, dass es ein tiefmargiges Geschäft ist, welches mit sehr hohen Positionen und Volumina betrieben werden muss, damit es profitabel ist. Entsprechend hoch können die Risiken sein. Für diese Risiken will die UBS kein Eigenkapital mehr einsetzen.

Ist die «Too big to fail»-Problematik mit dem Abbau des UBS-Investmentbanking gelöst?Die Schweiz ist das «Too big to fail»-Problem zügig angegangen und hat schärfere Vorschriften durchgesetzt als international üblich. Das war für die Schweiz auch gerechtfertigt, weil die hiesigen Grossbanken im Vergleich zur Grösse der Volkswirtschaft besonders gross waren. Das Problem der systemisch relevanten Bankinstitute, welche in Krisen vom Staat gerettet werden müssen, harrt jedoch international weiterhin einer Lösung.

Rechnen Sie damit, dass die Zahl der Bankarbeitsplätze in der Schweiz weiter abnehmen wird?Die Anzahl der in der Bankbranche beschäftigten Personen hat in den letzten Jahren entgegen der Wahrnehmung nicht abgenommen. Ich erwarte aber, dass jetzt eine Abkühlung kommt und die Zahl der Bankarbeitsplätze in nächster Zeit sinken wird.

DerBund.ch/Newsnet

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