Die Gratis-Kultur erreicht die Börse

Der Broker Trading 212 bietet kostenlosen Aktienhandel an. 1000 Schweizer nutzen den Dienst bereits. Experten sind skeptisch.

Aktienhändler in New York. Dank moderner Techniken sind die Preise für den Wertpapierhandel weltweit stark gesunken.

Aktienhändler in New York. Dank moderner Techniken sind die Preise für den Wertpapierhandel weltweit stark gesunken. Bild: Richard Drew /AFP

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Die Bankbranche ist bisher weitgehend ungeschoren durch die digitale Revolution gekommen. Druck auf die Margen kommt primär durch steigende Regulierungskosten statt durch neue Anbieter aus der Internetwelt. Doch die Gratiskultur erreicht nun zunehmend auch die Finanzwirtschaft.

Der Broker Trading 212 will den Aktienhandel aufmischen. «Bei uns ist der Aktienhandel gratis, es gibt keine Brokergebühren und keine Depotgebühren», sagt Ivan Ashminov, der das Fintech-Unternehmen vor 15 Jahren im bulgarischen Sofia mitbegründet hat. Auch der Kauf und Verkauf von börsengehandelten Indexfonds, sogenannte ETF, bietet Trading 212 gratis an. Der Broker hat eine Lizenz in Grossbritannien und ist damit von der britischen Financial Conduct Authority (FCA) reguliert.

Rund 1000 Schweizer Kunden

Rund 50'000 Kunden nutzen den Broker bereits. Auch wenn das Unternehmen keine Zulassung der Schweizer Aufsicht Finma hat, würden bereits rund 1000 Schweizer Anleger über seine Plattform handeln. Die Finma erklärt, dass sie für ausländische Effektenhändler ohne physische Präsenz in der Schweiz nicht zuständig ist. Daraus folgt, dass Broker mit Sitz im Ausland Schweizer Kunden annehmen dürfen. Die Kunden müssen sich allerdings bewusst sein, dass Schweizer Gesetze hier nicht zur Anwendung kommen.

Trading-212-Chef Ashminov ist sich darüber im Klaren, dass er für einen Durchbruch in der Schweiz eine Zulassung der Schweizer Aufsicht Finma braucht. Die will er beantragen, doch zunächst will er das Produktangebot ausbauen.

Vorbild Amazon

«Wir verfolgen ähnlich wie Amazon ein Freemium-Modell», sagt der Fintech-Gründer. Sprich, Basisdienste wie der reine Handel sind gratis. Geld verdient der Broker vor allem als Emittent, denn der grösste Teil der Einnahmen von zuletzt umgerechnet 55 Millionen Franken stammt aus dem Geschäft mit sogenannten «Contracts for Difference» (CFD) – das sind Derivateprodukte, mit denen Anleger auf steigende oder fallende Kurse wetten können.

Diese Produkte sind oft gehebelt, sprich, die Wertentwicklung des CFD entspricht dem Mehrfachen der zugrunde liegenden Aktie. Auch den Handel von Kryptowährungen bietet Trading 212 an.

Robo-Berater in Arbeit

Das sind alles Dinge, von denen normale Anleger die Finger lassen, da die Verlustrisiken enorm sind. «Wir wollen uns jetzt vermehrt normalen Sparern zuwenden und dafür in den kommenden fünf Monaten einen eigenen Robo-Advisor starten», kündigt der Trading-212-Chef an. Bei solch einer automatisierten Anlageberatung geben Anleger ihr Risikoprofil an und die Software macht konkrete Anlagevorschläge, die Haftung liegt indes beim Nutzer. Auch für dieses Angebot will Trading 212 Gebühren verlangen.

Schweizer Anleger können über Trading 212 allerdings bisher keine Schweizer Aktien direkt via die SIX ordern. Trading 212 bietet den Handel über die Frankfurter Börse an, dort sind einige Schweizer Titel gelistet, allerdings in Euro. Sprich, wer über Trading 212 die Novartis-Aktie kaufen will, muss zunächst sein Geld in Euro umtauschen. Dafür wird dann eine Gebühr von 0,5 Prozent fällig.

Preisbrecher aus dem Ausland

Ebenfalls eine Preisbrecherstrategie verfolgt der niederländische Broker Degiro, der seit 2015 auch in der Schweiz aktiv ist. Hier können Aktien direkt an der SIX geordert werden, für 5 Franken plus einer Gebühr 0,058 Prozent des Transaktionsvolumens. Degiro hat ebenfalls keine Finma-Zulassung, sondern untersteht der niederländischen Aufsicht AFM. Auch das britische Fintech Revolut, das mit kostengünstigem, grenzüberschreitendem Zahlungsverkehr bekannt geworden ist, arbeitet laut Medienberichten an einer Gratisplattform für den Aktienhandel.

Benjamin Manz, Geschäftsführer des Vergleichsportals Moneyland, rät jedoch zur Vorsicht. «Wer kein erfahrener und häufig handelnder Trader ist, sollte auch aus Sicherheitsüberlegungen bei einem Schweizer Broker oder einer Schweizer Bank bleiben», so Manz. «Wenn man nur selten Wertpapiere handelt, ist der Gebührenunterschied zwischen einem ausländischen und einem günstigen inländischen Anbieter das höhere Verlustrisiko nicht wert.»

In den USA machen Online-Angreifer wie Robinhood mit dem Angebot des Gratis- Aktienhandels den etablierten Playern das Leben bereits schwer. Die Grossbank JP Morgan reagiert bereits auf den Trend und startete vor kurzem eine Offerte von 100 Gratistransaktionen für Aktien und ETF für Neukunden im ersten Jahr. Nun erreicht der Gratistrend die Schweiz. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 26.09.2018, 10:41 Uhr

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