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Time-Out mit …«Wir spielten in Spanien, danach wurde ich krank»

Handballer Andy Schmid musste – wie all seine Teamkollegen – in die Quarantäne. Er erzählt.

Peter M. Birrer
Sehnt sich jetzt sogar danach, im Wald laufen zu gehen: Handballer Andy Schmid.
Sehnt sich jetzt sogar danach, im Wald laufen zu gehen: Handballer Andy Schmid.
Tamedia/Reto Oeschger

«Eines hätte ich nicht für möglich gehalten: Dass ich mich eines Tages danach sehnen würde, die Laufschuhe anzuziehen und in den Wald joggen zu gehen. Dafür habe ich mich noch nie richtig begeistern können. Die vergangenen zwei Wochen habe ich daheim in Quarantäne verbringen müssen, weil mein Teamkollege Mads Mensah positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Ich machte meine Übungen, aber das ersetzte nicht das übliche Training. Und nur schon Joggen hätte mir ein anderes Gefühl gegeben.

In diesen Tagen mache ich mir viele Gedanken darüber, was gerade passiert. Am 23. Februar spielten wir mit den Rhein-Neckar Löwen im Europacup in Spanien. Drei, vier Tage nach der Heimkehr wurde ich krank. Dann erwischte es meine Frau und unsere zwei Söhne. Wir dachten uns nicht viel dabei. Heute schliesse ich es nicht aus, dass der Virus uns befallen hat und es sich nicht um eine gewöhnliche Grippe handelte.

Wir sind nur Gast

Nach Mads Mensah meldeten laufend weitere Spieler, dass sie positiv getestet worden seien. Bei mir gab es keinen Test, weil ich wieder gesund war. Aber ich musste in den eigenen vier Wänden bleiben, täglich zweimal Fieber messen und die Werte dem Gesundheitsamt mailen.

Das Virus und die Ausbreitung der Krankheit wurden lange unterschätzt. Viele dachten doch: Das ist so etwas wie eine Grippe. Ich gehörte auch dazu. Und jetzt wissen wir alle: Es ist schlimm. Corona bringt die Welt zum Stillstand. Höher, schneller, weiter – die Menschheit glaubte, ihr seien keine Limiten gesetzt, das Tempo konnte nicht hoch genug sein. Jetzt wird uns der Spiegel vorgehalten: Wir sind verwundbar. Und klar ist: Wir sind auf der Erde nur zu Gast.

«Wenn wir mit einem Verzicht dazu beitragen können, dass Leute in der Administration des Clubs ihre Jobs nicht verlieren, dann müssen wir das tun.»

Hoffentlich wirkt sich das auf das Bewusstsein aus. Es wird in Zukunft weiterhin Leute geben, welche die Bahnhofstrasse rauf- und runterrennen. Aber angebracht wären Demut und Dankbarkeit. Denn es kann verdammt schnell gehen, und nichts ist mehr so, wie es einmal war.

Ich gehe nicht davon aus, dass bei uns in der Bundesliga die Handballsaison zu Ende geführt wird. Ich nehme es gelassen und freue mich auf die Rückkehr in die Halle. Wenn es um Existenzen von Vereinen geht, sehe ich jene in der Pflicht, die am meisten verdienen: die Sportler. Wenn wir mit einem Verzicht oder einer Reduktion des Lohnes dazu beitragen können, dass Leute in der Administration des Clubs ihre Jobs nicht verlieren, dann müssen wir das tun. Mit unserer Hilfe lässt sich die schwierige Zeit überbrücken.»

* Andy Schmid (36) ist einer der weltbesten Handballer. In der Rubrik «Time-out mit...» berichten Sportler aus ihrem derzeitigen Alltag.