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Bewegung in der politischen Mitte«Wir riskieren, unseren Bundesratssitz zu verlieren»

CVP-Präsident Gerhard Pfister zum Ende des C im Parteinamen.

Eine parteiinterne Studie der CVP hat gezeigt, dass das C im Parteinamen Wählerinnen und Wähler davon abhält, die CVP zu wählen. Jetzt zieht Parteipräsident Gerhard Pfister die Konsequenzen und schlägt der Partei vor, sich einen neuen Namen zu geben.

Foto: Christian Beutler (Keystone)

Herr Pfister, Sie haben in den vergangenen Jahren die christliche Basis der CVP stets betont. Jetzt zeigt sich, das C hat abgewirtschaftet. Schockiert?

Nein, schockiert bin ich nicht. Das C hat auch nicht abgewirtschaftet, aber wir müssen feststellen: Die Art, wie die CVP und ihr Name wahrgenommen werden, ist ein Nachteil für uns. Die Studie bestätigt meine Vermutung aus dem Wahlkampf. Damals sagten mir viele Leute, dass sie Ziele und Werte der CVP teilen würden, sie uns aber nicht wählen könnten, weil wir zu religiös, zu katholisch seien. Dass der Vorbehalt gegen das C aber so gross ist und fast 80 Prozent vom C abgeschreckt werden, hat mich doch überrascht und zeigt, dass hier etwas geschehen muss.

Was wollen Sie jetzt tun?

Wir werden in den nächsten Wochen zusammen mit unseren kantonalen Parteien und den Parteigremien eine Strategie für eine Öffnung der CVP ausarbeiten, die viele Elemente umfasst, darunter auch einen Wechsel zu einem neuen Namen. Diese Strategie werden wir den Delegierten voraussichtlich im November vorlegen.

Und Ihre Empfehlung?

Wenn wir nichts machen, riskieren wir, in den nächsten Jahren unter 10 Prozent Wähleranteil zu fallen und unseren Bundesratssitz zu verlieren. Das sagen uns die Politologen. Sie sagen uns aber auch, dass wir ein grosses Potenzial haben, über unser traditionelles Elektorat hinauszukommen, wenn wir nicht mehr als christliche oder katholische Partei wahrgenommen werden. Deshalb sollten wir ernsthaft über einen neuen Namen nachdenken und auch darüber, wie wir die Wählerinnen und Wähler erreichen, die nachweislich unsere Politik unterstützen können.

Und wird Ihre Partei mitmachen?

Das Bewusstsein bei mir und in der Partei hat sich schon verändert. Der Schock über den Verlust des zweiten Bundesratssitzes 2003 ist zwar verwunden. Aber man sieht, dass wir etwas unternehmen müssen, wenn wir eine Zukunft als Bundesratspartei haben wollen. Die Partei ist offen für Veränderungen. Die Bereitschaft, die Diskussion über eine Öffnung der Partei zu führen, ist vorhanden. Das zeigt die Umfrage deutlich.

«Wir sollten ernsthaft über einen neuen Namen nachdenken und auch darüber, wie wir die Wählerinnen und Wähler erreichen, die nachweislich unsere Politik unterstützen können.»

Inwiefern?

Die Studie zeigt: Ein Aufbruch wäre für unsere Basis unter dem Begriff Mitte denkbar. Gleichzeitig können wir feststellen, dass das C für unsere Mitglieder zwar nach wie vor kein Problem ist. Und trotzdem sieht man selbst in unseren Stammlanden darin einen Hinderungsgrund für einen erfolgreichen Aufbruch.

Welche Rolle spielt in einer solchen Aufbruchsstrategie die Fusion mit der BDP?

Eine Fusion mit der BDP könnte uns in Kantonen, in denen wir noch kaum vertreten sind, funktionierende Parteistrukturen bringen und uns so stärken. Das hilft uns für einen Aufbruch in der Mitte ungemein. Wir werden in den nächsten Wochen die Gespräche mit der BDP intensivieren. Auch dafür gibt uns die Umfrage eine gute Legitimation.

Ist eine Fusion nicht ein Nullsummenspiel, weil dann traditionelle Wähler abspringen könnten?

Wir sehen ein Potenzial für Zugewinne. Das bestätigen uns auch die Politologen.

Wenn es zu einer neuen Partei mit einem neuen Namen kommt, müssen dann alle Ihre Kantonalparteien auf das C verzichten?

Wir werden sicher eine Lösung finden, welche die Autonomie der Kantonalparteien berücksichtigt. Gleichzeitig darf diese den Aufbruch nicht gefährden.

Eine Mitte-Union?

Definitiv oder gar entschieden ist noch nichts. Wir haben jetzt mit den Resultaten der Umfrage die nötigen Grundlagen. Auf der Basis dieser Ergebnisse müssen wir jetzt intern diskutieren.

Und werden Sie als Präsident die neue Partei weiter führen?

Das werden wir sehen. Ich werde mich für die Öffnung der CVP einsetzen. Ob ich dann noch der Richtige bin, werden die Delegierten entscheiden. Ich werde den Entscheid nicht zu einem Plebiszit über meine Person machen.