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Kommentar zur Corona-StrategieWir müssen schneller werden als das Virus

Das Test- und Meldesystem muss beschleunigt werden. Dafür braucht es eine gemeinsame Projektorganisation von Kantonen und Bund.

Wer Symptome spürt, soll sich sofort testen lassen können, auch in Drive-in-Testzentren wie hier im australischen Melbourne.
Wer Symptome spürt, soll sich sofort testen lassen können, auch in Drive-in-Testzentren wie hier im australischen Melbourne.
Foto: Daniel Pockett (Keystone) 

Es zeigt sich: Ein Lockdown lässt sich einfacher managen als die «neue Realität». Vor dem Hintergrund leicht, aber bedrohlich konstant steigender Fallzahlen birgt jede Lockerung Risiken und sorgt nicht nur für Erleichterung, sondern auch für Ängste.

Es zeigt sich aber auch: Das Problem sind weniger die Öffnungsschritte an sich, als dass wir dem flinken Virus immer noch hinterherhinken mit dem Testen, dem Melden und dem Verarbeiten aller Informationen über Ausbruch und Verbreitung.

Man braucht dafür niemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben. Auch sarkastisches Augenrollen mit Hinweis auf veraltete Formular-und-Fax-Infrastruktur führt nicht ans Ziel. Im Gegenteil: Schwarzer-Peter-Spielen lenkt davon ab, endlich etwas zu tun.

Es braucht jetzt ein gemeinsames Krisenmanagement.

Hoffentlich haben der Bundesrat und die Kantone erkannt: Es braucht jetzt ein gemeinsames Krisenmanagement. Dieses muss das Testangebot ausweiten, die Abläufe beschleunigen, überall die kürzestmöglichen Wege finden, alle notwendigen Partner an Bord holen sowie wahr, klar und konzis informieren. Alle Menschen, die Symptome spüren, auch leichte, sollen sich sofort und ohne Zeitverlust testen lassen können, in Testzentren, vielleicht an Bahnhöfen und auf Parkplätzen. Die Testergebnisse müssen schnell bei den Betroffenen und in den Datenbanken landen, und zwar vollständig und verwertbar. Die Betroffenen und die Fachleute müssen dann sofort die richtigen Schlüsse daraus ziehen können – und die nötigen Massnahmen dann auch umsetzen.

Dass nach Monaten endlich eine nationale Datenbank für Tracing-Daten geschaffen wird, ist dafür ein wichtiger Schritt. Dafür lohnt es sich zu investieren. Nicht die grosse, allumfassende Lösung anzukündigen, ist das Ziel, sondern das Notwendige pragmatisch auf die Beine zu stellen. Denn in Bayern hat sich ja gerade gezeigt, wie weit der politische Wille und die real existierende Bürokratie auseinanderklaffen können.Daraus können wir lernen. Und es besser machen. Sodass wir mit dem Virus leben lernen, mit Respekt, aber ohne Panik.

28 Kommentare
    XRichard

    Alle rufen nach der ultimativen Optimierung des Corona Tracing und der rigorosen Umsetzung der daraus resultierenden Isolationshaft und Quarantäne. Dies obwohl sowohl spitalrelevante Krankheitsfälle als auch die vom BAG publizierten Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 solche Massnahmen auch nur ansatzweise nicht rechtfertigen. Nun, der Zug für Argumente scheint abgelaufen zu sein. Wer nach Knechtschaft und Gefängnis ruft, der soll es auch erhalten, aber gründlich.