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Ask-ForceWieso gerade 100?

Warum übertreibt Frau S. scheinbar masslos, wenn sie eine Frage ihres Gatten mehrfach beantworten muss?

«Gehen Sie jetzt einfach Rosen kaufen, Herr S.!»
«Gehen Sie jetzt einfach Rosen kaufen, Herr S.!»
Foto: Sabine Rock

«Bitte seien Sie versichert, dass ich Ihnen diese Frage nur einmal stelle», schreibt uns Herr S. aus K. «Wieso meint meine Frau, sie habe mir eine Frage schon 100-mal beantwortet, wenn es nur 2- oder 3-mal war? Warum gerade 100-mal?»

Lieber Herr S., wir plagen Sie hier jetzt nicht mit T-Shirt-Witzchen à la «Ich bin ein Mann, ich vergesse schneller, als meine Frau spricht». Aber tatsächlich verwundert uns die Anlage der Frage schon irgendwie: Da Sie ja offensichtlich noch wissen, dass Sie die betreffende Frage bereits mehrfach (wenn wohl auch nur im ein- und nicht im dreistelligen Bereich) gestellt haben, dürften Sie ja eigentlich auch die Antwort darauf noch kennen.

Vielleicht suchen Sie gar nicht das vorgebliche Objekt (doch, doch, die x-mal wiederholte Frage beginnt sicher mit «Du, wo ist eigentlich…»), sondern vielmehr den direkten Austausch mit Ihrer Gattin. Kleiner Tipp: «Danke dir, dass du die Rechnungen bezahlt / den Rasen gemäht / das Auto geflickt hast» / «Schau, Liebste, ich habe dir Rosen mitgebracht» / «Dein Haar glänzt so schön», sind möglicherweise zielführendere Gesprächseinstiege. Dies aber nur am Rande.

Warum, und damit zurück zu Ihrer Frage, wählt Ihre Gattin also gegebenenfalls die Zahl 100? Nun, wohl schlicht, weil sie als vernünftige Person zwar keine präzise Fragen-Strichli-Liste führt, ihrer Genervtheit ob der repetitiven Fragerei aber klar Ausdruck geben möchte.

Wir verweisen hier gerne auf das allwissende Internet (Wikipedia): «Die Hundert als einerseits ‹runde›, andererseits die Lebensdauer eines Menschen überschreitende Zahl ist im gesellschaftlichen Kontext oft ein Synonym für eine besonders lange Zeit oder eine grosse Menge.» Also, lieber Herr S.: hundert = (zu) viel.

So einfach ist das. Vielleicht aber interpretiert – und schätzt! - Ihre Gemahlin Ihre Nachfragen ähnlich wie wir als versteckte Annäherungsversuche. Sie findet die zarte Kontaktaufnahme in der Sekundarlehrersprache der 1980er durchaus «tschent» (cento, hundert, Neudeutsch: superfreundlich).

Doch da sie ja nicht wegen nichts Ihre Frau ist, gibt sie, statt Sie in die Arme zu schliessen, eine Antwort mit ebenfalls verschlüsselter Botschaft. Alles klar? Sogar, wenn nicht: Gehen Sie jetzt einfach Rosen kaufen, Herr S.!

Fragen sind unsere Leidenschaft: askforce@derbund.ch