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Ask-ForceWie wirft man Wohnungen auf den Markt?

Der schräge Wurf mit Immobilien geht öfter schief, als man denkt.

Das berühmteste  Beispiel eines misslungenen Wurfs ist das Gasthaus Äscher-Wildkirchli im Appenzellischen. Es sollte auf den freien Wohnungsmarkt in Zürich geworfen werden – stattdessen klebt es nun an einer Felswand.
Das berühmteste Beispiel eines misslungenen Wurfs ist das Gasthaus Äscher-Wildkirchli im Appenzellischen. Es sollte auf den freien Wohnungsmarkt in Zürich geworfen werden – stattdessen klebt es nun an einer Felswand.
Foto: Steffen Schmidt, Keystone

Es sei noch nicht lange her, schreibt uns Frau G. aus Biel, dass im «Bund» «die alarmierende Nachricht zu lesen war», nicht mehr benötigte Airbnb-Wohnungen würden nun auf den freien Wohnungsmarkt geworfen. Frau G. spricht eine Meldung vom 14. August an.

Frau G. tut nun das, was Ask-Force-Leserinnen immer wieder tun: Sie nimmt einen Begriff (hier: werfen) allzu wörtlich und stellt ein paar launige Fragen dazu. Unter anderen diese: Wie muss ich mir den genauen Ablauf des Wohnungen-Werfens vorstellen? Und wir von der Ask-Force tun das, was wir immer tun: Wir beantworten die Fragen so seriös wie möglich.

Also denn, Frau G.: Wenn Wohnungen auf den Markt geworfen werden, handelt es sich um einen Vorgang, der, wie vieles andere auch, physikalischen Gesetzen unterliegt. Das Stichwort hierzu lautet schräger Wurf. Wesentlich sind Anfangsgeschwindigkeit und Abwurfwinkel.

Bei Wohnungen ist es grundsätzlich gleich wie bei einem Ball, den Sie einer Freundin zuspielen. Deshalb wissen Sie bestimmt nur zu gut, dass bei einem schrägen Wurf einiges schiefgehen kann. Wie auch beim senkrechten Wurf. Das Paradebeispiel dazu ist die Froschkönig-Prinzessin: Sie spielte bekanntlich mit einem güldenen Ball, produzierte unabsichtlich einen schrägen Wurf und musste schliesslich einen schleimigen Quak-Frosch an die Wand klatschen (waagrechter Wurf).

Das alles heisst: Wenn Wohnungsbesitzer falsch rechnen, landen ihre Objekte nicht auf dem freien Markt, sondern irgendwo. Der berühmteste Fall ist das Gasthaus Äscher-Wildkirchli im Appenzellischen. Das Gebäude sollte auf den freien Markt in Zürich geworfen werden. Weil der Abwurfwinkel zu flach war, klebt es nun an einer Felswand.

Auch im Kanton Bern gibt es einen spektakulären Fall: Ein Interlakner Geschäftsmann wollte eines seiner Häuser auf den äusserst lukrativen Zweitwohnungsmarkt von Grindelwald werfen. Der Winkel stimmte zwar, aber er liess das Gebäude mit zu viel Geschwindigkeit in die Luft fliegen. Es segelte über Grindelwald hinweg und landete – Glück im Unglück – nicht auf dem Gletscher, sondern auf einem einigermassen flachen Plätzli unterhalb des Schreckhorns. Und hier zeigt sich, wie findig die Bergler sind: Das Haus wurde umgehend in eine SAC-Hütte umfunktioniert.

Der spektakulärste Fall im Kanton Bern ereignete sich im Oberland. Das Haus, das heute Schreckhornhütte genannt wird, hätte eigentlich auf dem Zweitwohnungsmarkt in Grindelwald landen sollen.
Der spektakulärste Fall im Kanton Bern ereignete sich im Oberland. Das Haus, das heute Schreckhornhütte genannt wird, hätte eigentlich auf dem Zweitwohnungsmarkt in Grindelwald landen sollen.
Foto: Bruno Petroni

Die Ask-Force, die bereits viele Antworten beantwortet hat, fängt praktisch jeden Ball auf. Auch schräge E-Mails an: askforce@derbund.ch