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Geldblog: Börsen-FertigkeitenWie wichtig ist eine klare Zielsetzung?

Je genauer man weiss, was man will, desto eher kommt man zum Ziel. Das gilt auch bei Anlagestrategien.

Risiko, Rendite, Anlagehorizont: Bevor man sich an einen Vermögensverwalter wendet, muss man seine Ziele kennen.
Risiko, Rendite, Anlagehorizont: Bevor man sich an einen Vermögensverwalter wendet, muss man seine Ziele kennen.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich bin verwitwet, habe zwei erwachsene Kinder und mein Einfamilienhaus verkauft. Einen Teil des Erlöses habe ich in eine Eigentumswohnung investiert. Ich möchte nun den restlichen Erlös anlegen. Es sind ungefähr 800’000 Franken. Für mich ist das sehr viel Geld und ich möchte, dass damit sorgfältig umgegangen wird. Ich plane, einen kleineren Teil davon etwas risikoreicher, den Rest eher konventionell anlegen zu lassen. Können Sie mir einen Rat geben? Leserfrage von M.S.

In einem ersten Schritt sollten Sie sich überlegen, welche Ziele Sie mit Ihrem Geld verfolgen möchten. Konkret: Benötigen Sie auf dem Geld eine attraktive Rendite, um allenfalls Ihre Rente im Alter aufzubessern? Oder brauchen Sie dieses Geld vorderhand nicht, weil Sie genügend Rente haben? Oder planen Sie mit dem Kapital einen Vermögensverzehr? Das sind alles Grundsatzfragen, die Sie sich stellen sollten und die dann als Basis dienen, um Ihr Kapital anzulegen. Wenn Sie das Geld längere Zeit nicht brauchen, können Sie es mit einem längeren Anlagehorizont investieren und sind so in der Lage eher ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen als wenn Sie wissen, dass Sie schon in zwei oder drei Jahren auf das Geld angewiesen sind und einen Vermögensverzehr vornehmen müssen.

Grundsätzlich gilt, dass je mehr Rendite Sie von Ihrem Kapital wünschen, desto mehr Risiken müssen Sie eingehen. Wer gar nichts riskieren will und das Geld einfach auf dem Konto liegen lässt, bekommt keinen Zins – im Gegenteil: er muss im schlimmsten Fall der Bank Negativzinsen abliefern. Wenn Sie sich hingegen zumindest auf einem Teil des Geldes regelmässige Erträge wünschen, könnten Sie beispielsweise Dividendenperlen wie Nestlé, Swisscom, Roche, Novartis, Swiss Re, Zurich Insurance, Swiss Life oder Lafarge Holcim nutzen, die eine Dividendenrendite von zwei bis fünf Prozent bringen. Sie hätten damit einen ansprechenden Ertrag. Das Problem dabei: Die Dividenden sind nie garantiert und Sie müssten auf diesen Dividendenperlen starke Kursschwankungen in Kauf nehmen. Zudem brauchen Sie einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren.

Über die fachliche Expertise, die Gebühren und die verfolgten Strategieansätze hinaus ist die Wahl des Vermögensverwalters immer auch Vertrauenssache.

Obligationen sind derzeit wenig interessant, da die Zinsen von Franken-Anleihen von sicheren Schuldnern mickrig sind oder im Fall der Schweizerischen Eidgenossenschaft sich sogar im Minusbereich bewegen. Etwas mehr Rendite möglich wäre mit Fremdwährungsanleihen, aber da tragen Sie ein Währungsrisiko, das Ihnen allfällige Erträge wieder zunichtemachen kann. Regelmässige Erträge bringen auch Immobilienfonds und Immobilienaktien, allerdings haben Sie mit Ihrer Eigentumswohnung bereits einiges in Immobilien investiert.

Alternativen sind sogenannte Barrier-Reverse-Convertible-Produkte mit einem garantierten Zins wie sie mehrere Banken regelmässig herausgeben. Auch da gibt es einen Haken: Der Zins ist zwar garantiert, wenn aber die mit dem Produkt verbundenen Basiswerte wie während dem Coronacrash in den Keller tauchen, werden Ihnen ausgerechnet die Aktien ausgeliefert, die sich schlecht entwickelt hatten. Breiter diversifizieren könnten Sie mit Fonds oder Exchange Traded Funds ETFs. Doch auch da tragen Sie immer das Anlagerisiko.

Falls Sie sich nicht selbst um das Kapital kümmern möchten und auch zu wenig Fachkenntnisse mitbringen, würde ich auch eine Verwaltung des Vermögens prüfen. Hier würde ich das Gespräch mit drei verschiedenen Banken suchen und von diesen konkrete Vorschläge, inklusive Gebühren, verlangen. Dann können Sie eher vergleichen. Auch kann Ihnen die Bank anhand von Szenarien digital aufzeigen, was die eingegangenen Risiken für Ihre Vermögensentwicklung bedeuten würden. Über die fachliche Expertise, die Gebühren und die verfolgten Strategieansätze hinaus ist die Wahl des Vermögensverwalters aber immer auch Vertrauenssache. Darum ist es wichtig, dass Sie sich die Mühe machen und das Gespräch mit mehreren Banken suchen. Anhand dieser Gespräche sehen Sie selbst, wo man auf Sie eingeht und Ihnen eine Beratung liefert, die Ihren Bedürfnissen wirklich entspricht.

1 Kommentar
    Paolo Martinoni

    Warum nicht eine Wohnung zum Vermieten kaufen?