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Bund im GesprächBerner Wirtschaft fordert schnelles Geld

Wie ist die Berner Wirtschaft in der Coronakrise zu unterstützen? Darüber wurde heute im «Bund» im Gespräch diskutiert.

«Bund» im Gespräch: Wie weiter mit der Berner Wirtschaft
Peter Stämpfli und Sven Gubler diskutieren über die Situation der Berner Wirtschaft in der Coronakrise

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Ende

Das Gespräch ist beendet. Das komplette Video davon, wird bald online zu sehen sein. Mehr zum Thema gibt es zudem heute Abend online oder morgen in der Zeitung. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Der Livestream

Aufs Feld?

In der Landwirtschaft fehlen Erntehelfer. Wieso Arbeitslose nun dort anstellen? «Dazu wird nun eine Plattform aufgebaut», sagt Stämpfli. Da werde noch viel passieren in der nächsten Zeit.

Steueraufkommen

Unterstützung am Steuerbeitrag festmachen? «Das ist eine fatale Überlegung», sagt Stämpfli. Viel Steuern zu zahlen, bedeute nicht, dass das Unternehmen gut läuft. Es könnten dadurch kleine Unternehmen, die aber sehr gut laufen, bedroht werden.

Notkredite

Können Berner Firmen Notkredite überhaupt zurückzahlen? «Viele Unternehmen überlegen sich das sehr genau», sagt Stämpfli. Daher sei nun zinsfreies Darlehen sehr wichtig.

Gubler: «Für Kleinstunternehmer braucht es jetzt aber auch sehr gute Beratung der Banken.» Die Schweiz könne es sich leisten, nun diesen Unternehmen zu helfen. «Das haben wir auch schon in der Vergangenheit sehr gut gemacht.» Aber nicht alle die nun Geld bekommen, werden auch überleben. «Dieses Geld wäre dann eben verloren.»

Freie Flächen

Was passiert mit Ladenflächen, die eventuell frei werden? «Bern hatte bisher sehr wenig Leerstand», sagt Gubler. Deshalb sei es schwierig zu sagen, was damit passieren würde.

Aussichten

«Jede Krise hat ihre Chance», sagt Stämpfli. Er sage das aber mit grosser Vorsicht. «Momentan sind die Sorgen bedeuten grösser.» Not fördere aber die Kreativität. «Aber wir wissen alle nicht, was die Situation mit uns noch machen wird.»

Ladenstrukturen

«Es wird eine gewisse Veränderungen der Ladenstrukturen geben», sagt Gubler. Wenn jetzt aber schnelle Hilfe komme, dann können viele so weiterfahren, wie bisher. Es sei denn, dass die Krise länger andauert als angenommen. «Das wäre schade um den einmaligen Mix, den wir in der Innenstadt haben.»

Digitalisierung

Gehen durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren? Stämpfli: «Es wird sicher Veränderungen geben.» Wie diese aussehen, sei schwierig zu sagen. «Wir wissen es einfach nicht.» Die nächsten Wochen zuhause zu bleiben löse aber psychologische Folgen aus. «Menschen werden sicher froh sein, sich wieder sozial begegnen zu können.»

Was ändert die Krise?

Wie wird die Krise die Innenstadt verändern? Gubler: «Viele Leute gewöhnen sich jetzt daran, Lebensmittel im Internet zu bestellen.» Das könne gefährliche Folgen für lokale Anbieter wie zum Beispiel dem Märit haben. «Aber auch das Home-Office wird viel normaler sein, als vorher.» Dadurch werden weniger Leute in der Innenstadt unterwegs sein. «Es wird bestimmt eine Veränderung geben.» Er hält jedoch fest, dass nun eine Solidarität gelebt wird, die hoffentlich auch noch nach der Krise existieren wird. «Das Miteinander könnte wieder mehr im Mittelpunkt stehen.

Selbsthilfe

Wie können sich Ladeninhaber selber helfen? «Da läuft sehr viel. Viele sehen nun Chancen und probieren Alternativen zu finden», sagt Gubler. Er spricht da die positiven Vorteile der Digitalisierung an. Dabei sei wichtig, dass die Erfahrung mit anderen geteilt wird. «Man muss sich nun gegenseitig helfen.» Es brauche einen Austausch, um möglichst grosse Optimierung zu erbringen.

Stämpfli zu der Lage der Unternehmen. «Es geht viel. Die Digitalisierung wird nun einen massiven Schub erleben.» Viele, die zuvor noch gezögert hätten, setzten jetzt Dinge sofort um. Darunter leide aber der Koordinationsaufwand. «Bei uns ist der bis zu viermal höher als vorher. Aber wir sind noch in der Lernphase.»

Kulanz der Banken

Wie kulant sind die Banken mit den Ladenbesitzer? «Die Zeichen sind gesetzt worden, dass sie wirklich unterstützen wollen», sagt Gubler. Der Kanton wie auch die Gemeinde Bern gebe da positive Signale ab. «Die haben erkannt, dass man etwas machen kann und auch muss.» 2000 bis 3000 Franken, können da schon vieles bewirken. Er spricht von kleinen Läden, die mit viel Herzblut arbeiten.

Wie viel Geld braucht es?

ETH-Ökonom Hans Gersbach fordert einen Rettungsfonds von 100 Milliarden Franken. Ist das genug? Gubler: «Der Bundesrat entscheidet ja Tag für Tag. Und ich bin überzeugt, dass die Schweiz genug reich ist, um in diese Richtung gehen zu können.» Es sei aber wichtig, dass die Gelder auch richtig eingesetzt werden.

Stämpfli: «Entscheiden ist, dass die Hilfe schnell kommt. Nächste Woche müssen die ersten Gelder ausbezahlt werden.» Es brauche jetzt eine unkomplizierte und schnelle Hilfe. Einzelne Banken und Versicherungen würden das sehr gut machen, aber nicht alle. «Alle Beteiligten müssen jetzt vom Normalfall abkommen. Es braucht wesentlich schnellere Prozesse.»

Reichen die Massnahmen?

Reichen die Gelder, die der Bundesrat in Aussicht stellt? «Es ist sicher positiv, dass jetzt solche Beträge bereitgestellt werden», sagt Gubler. Die Frage sei aber, wie schnell, dass diese nun an die Leute kommen. «Es sind noch viele Fragen offen, was das genau bedeutet.» Er wisse aber nicht ob die Gelder reichen werden. «Die Situation wird wahrscheinlich noch viel länger dauern, als jetzt viele denken.» Die Geschäfte können ja nicht sofort wieder eröffnen, wenn im Mai der Peak erreicht wurde.

«Das ist eine gute Zahl», sagt Stämpfli zu den Beiträgen. Aber: «Es wird wahrscheinlich nicht reichen. Aber ich gehe davon aus, dass die da nochmals erhöht wird.» Er hofft, dass die Läden im Sommer wieder offen haben können. Aber bei internationalen Firmen kann das noch länger gehen. «Es kann ein Rattenschwanz durch viele Lieferketten entstehen. Der Einfluss kann weit über den Sommer hinausgehen.» Wie viele Geld es braucht, um für Stabilität zu sorgen, könne er jetzt nicht sagen. Stämpfli sorgt sich zudem um Firmenschliessungen. Wenn zum Beispiel eine Maschine eines Bäckers kaputt geht, kann das eine lange Kette auslösen, die viele Firmen in Mitleidenschaft ziehen kann.

Er ruft daher aus, dass die Massnahmen des Bundesamts für Gesundheit strikte eingehalten werden. Ist das denn in seinem Betrieb möglich? «In der Produktion ist es eine Herausforderung, aber es gelingt.»

Die Lage bei Stämpfli

«Auch bei uns ist Kurzarbeit ein Thema, das uns in den nächsten Wochen stark beschäftigen wird», sagt Peter Stämpfli. Als Präsident von Fokus Bern hat er eine Umfrage bei über 100 Unternehmungen gemacht. «Viele berichten von sehr tief Einschnitten.» Bei manchen seien sie so tief, das Liquidität ein Thema werden wird.

Reserven

Haben die Läden noch Reserven? «Manche vielleicht schon, aber bestimmt nicht alle.» Die liquiden Mittel werden sehr beschränkt sein, sagt Gubler.

Was passiert in der Innenstadt?

Die Innenstadt hat praktisch geschlossen. Wie geht es den Inhabern? «Schlecht», sagt Gubler. «Es ist eine sehr schwierige Situation.» Wie viele von ihnen jetzt Kurzarbeit beantragen werden, kann er nicht sagen. «Es werden aber sehr viele sein.» Zum Beispiel die Kleiderläden. «Die haben nun aktuelle Kollektionen gekauft, aber das ist nun alles auf Eis gelegt.»

Das Gespräch beginnt

«Bund»-Redaktor Bernhard Ott eröffnet das Gespräch. Es ist das erste «Bund» im Gespräch, das nur im Internet stattfindet.

Zu den Gästen

Peter Stämpfli ist Verwaltungsratspräsident der Stämpfli AG in Bern. Sein Unternehmen zählt 420 Mitarbeitende.

Sven Gubler ist Geschäftsführer der Innenstadtorganisation Bern City. Sie vertritt die Interessen der Geschäfte in der Berner Innenstadt.

Heute ohne Publikum

Die heutige Ausgabe von «Bund» im Gespräch findet selbstverständlich ohne Publikum statt. Wir senden heute live aus unseren Redaktionräumlichkeiten. Ganz Mitwirkung von Aussen soll das Gespräch aber dann doch nicht stattfinden. Leser hatten die Möglichkeit Fragen per E-Mail einzureichen. Sie werden am Ende des Gesprächs gestellt.