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Impftermin nach einer Woche warten«Wie viel Impfstoff spritzen Sie?»

Kurt Tanner aus Kirchlindach hatte am Montag seinen Impftermin. Weil er allergisch auf Bienenstiche reagiert, hat kurz eine Ärztin in der Koje vorbeigeschaut.

Vor der Impfung werden die Angaben überprüft, die Kurt Tanner bei der Online-Anmeldung bereits gemacht hat.
Vor der Impfung werden die Angaben überprüft, die Kurt Tanner bei der Online-Anmeldung bereits gemacht hat.
Adrian Moser

Ein klein wenig nervös sei er schon gewesen am Vormittag, sagt er. Aber nicht so sehr wegen des Impfens, mehr wegen der Anreise. Aber es hat alles geklappt. Der Bus kam rechtzeitig an. Er fand den Weg zum Impfzentrum. Und nun sitzt Kurt Tanner da und wartet. Am vorletzten Freitag hatte er sich für einen Impftermin angemeldet.

Das Impfzentrum befindet sich an der Friedbühlstrasse in der Nähe des Berner Inselspitals, ein Teil davon in einem grossen Zelt. Auf dem Weg zu den Impfkojen kann man sich nicht verirren, auch wenn der lange Mittelgang mit den Stoffwänden an ein Labyrinth erinnert.

In der Koje sind die Platzverhältnisse eng. Eine Frau sitzt vor einem Computerbildschirm. Sie kontrolliert Identitätskarte und Krankenkassenausweis. Derweil fragt die medizinische Assistentin Margaretha Stoel, auf welchen Arm er stärker angewiesen sei. «Ich brauche beide», antwortet Kurt Tanner. Weil er Rechtshänder ist, kriegt er die Impfung in den linken Oberarm.

Ob er von Allergien wisse, ob er Blutverdünner benötige oder unter Atemnot leide, lauten nun die Fragen. Auf Bienenstiche reagiere er allergisch, antwortet Tanner. Margaretha Stoel greift daraufhin zu einem Telefon, und während es auf der anderen Seite klingelt, sagt sie: «Bei Allergien jeglicher Art halten wir Rücksprache.» Eine Minute später steht eine Ärztin in der Koje. Sie lässt sich die Sache kurz erklären und gibt Entwarnung.

«Wie viel Impfstoff spritzen Sie? Einen Kubikzentimeter?», fragt Kurt Tanner, als Margaretha Stoel die Nadel ansetzt. «Nein, nein, nur 0,3 Milliliter», sagt diese. Und schon ist die Impfung Vergangenheit.

«Nicht anders als vor der Impfung»

Nach ein paar Schritten erreicht Kurt Tanner den Ruheraum. 20 Stühle, 5 Pritschen. Vorne steht ein grosser Bildschirm. Darauf werden Informationen zur Impfung eingeblendet, etwa wie diese: «Ernste, dauerhafte Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt.»

Er fühle sich gut, sagt er, «nicht anders als vor der Impfung». Kurt Tanner, der in seinem Berufsleben als Ingenieur-Agronom die kantonale Zentralstelle für Pflanzenschutz geleitet hatte, will die Dinge genau wissen. Er nutzt die Gelegenheit und fragt Cornelia Staehelin, die diensthabende Oberärztin. Die erste Frage betrifft den Impfschutz.

Nach der Impfung hält sich Kurt Tanner rund 15 Minuten im Ruheraum auf.
Nach der Impfung hält sich Kurt Tanner rund 15 Minuten im Ruheraum auf.
Adrian Moser

Sieben Tage nach der zweiten Dosis, die er in vier Wochen erhalten wird, werde der Schutz 95 Prozent betragen, sagt die Ärztin. Aber schon einige Tage nach dieser ersten Impfung werde er besser dran sein als ohne Schutz. Denn eine Infektion würde vermutlich weniger schwer verlaufen. Tanner ist interessiert an der englischen Virusvariante. Ob weniger Viruslast ausreiche für eine Infektion? Oder ob eine Infektion über grössere Distanz erfolgen könne? «Das sind gute Fragen, auf die es noch keine abschliessenden Antworten gibt», sagt Oberärztin Stahelin. Aber sie sei froh, dass der Bundesrat die Massnahmen nun verschärft habe – «auch wenn ich mich keineswegs in die Politik einmischen will».

Ärztliche Hilfe in einer Minute

Das Impfzentrum hat eine maximale Kapazität von rund 2000 Personen pro Tag. Weil die Zahl der Impfdosen noch beschränkt ist, stehen an diesem Montag nur knapp 450 Personen auf der Liste. Das Zentrum ist letzte Woche hochgefahren worden; bis am Wochenende wurden rund 1000 Personen geimpft.

Spezielle Vorkommnisse gab es laut Cornelia Staehelin bisher keine. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach der Impfung einen anaphylaktischen Schock erleide, – das ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion –, liege bei 1 zu 100’000. Auf einen solchen Fall sei man gut vorbereitet. In einer der Kojen sei alles Notfallmaterial in einem Rucksack parat. «In weniger als einer Minute ist eine Ärztin oder ein Arzt beim Patienten.» Im Übrigen, sagt sie, liege die Wahrscheinlichkeit für eine solch heftige Reaktion ähnlich hoch wie bei den Kontrastmitteln, die bei Computertomografie-Untersuchungen Anwendung finden.

Oberärztin Cornelia Staehelin rühmt die über 75-Jährigen, die sich gegenwärtig impfen lassen dürfen: «Sie sind hart im Nehmen.»
Oberärztin Cornelia Staehelin rühmt die über 75-Jährigen, die sich gegenwärtig impfen lassen dürfen: «Sie sind hart im Nehmen.»
Adrian Moser

Staehelin, die sich unter normalen Umständen mit Impf- und Reisemedizin beschäftigt, lobt die über 75-Jährigen, die gegenwärtig geimpft werden. Die Leute, die sie bisher angetroffen habe, «sind sehr dankbar», sagt sie. «Sie kommen in bester Laune an – es herrscht fast so etwas wie eine Schulausflug-Stimmung.» Diese Generation scheine ihr sehr unkompliziert zu sein «und hart im Nehmen», ergänzt sie. Von all jenen, die sich impfen liessen, sei bisher niemand ohnmächtig geworden. Bei jungen Leuten, die sich vor einer Tropenreise impfen liessen, sei das schon etwas anders, sagt sie – «besonders bei jungen Männern», schiebt sie schmunzelnd nach.

Kurt Tanner steht jetzt draussen bei der Busstation. Seit der Impfung ist gut eine halbe Stunde vergangen. An der Einstichstelle spüre er jetzt einen leichten Druck. Aber sonst? «Nichts. Es geht mir gut», sagt er. Er fahre jetzt zum Bahnhof. «Mal schauen, ob irgendwo ein Take-away offen hat.»

«Sie kommen in bester Laune an – es herrscht fast so etwas wie eine Schulausflug-Stimmung.»

Oberärztin Cornelia Staehelin über die über 75-Jährigen, die sich gegenwärtig impfen lassen.
3 Kommentare
    Tom Stock

    Ich freu mich auf die Impfung.

    Schön gibt es auch wieder mal ein unspektakuläres Gschichtli.