Wie sicher wird 5G in der Schweiz?

Die neue Mobilfunktechnologie ist zentral für das Internet der Dinge und Industrie 4.0. Für die Schweizer Mobilfunkanbieter ist das kein Problem. Sie verweisen auf ihre hohen Sicherheitsstandards.

Unterhaltsarbeiten an einer Mobilfunkantenne in Oakland, Kalifornien: Die US-Regierung erwägt, das 5G-Mobilfunknetz selbst zu bauen. Foto: Justin Sullivan (Getty Images)

Unterhaltsarbeiten an einer Mobilfunkantenne in Oakland, Kalifornien: Die US-Regierung erwägt, das 5G-Mobilfunknetz selbst zu bauen. Foto: Justin Sullivan (Getty Images)

Jon Mettler@jonmettler

US-Präsident Donald Trump erwägt, in den USA das neue Mobilfunknetz der fünften Generation (5G) durch den Staat bauen zu lassen. Trumps Sicherheits­berater befürchten, dass ausländische Ausrüster künftig mitlauschen könnten. Die Amerikaner haben vor allem die Chinesen im Verdacht, Gespräche auszuspionieren.

In der Schweiz bereiten sich die Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt ebenfalls auf die Einführung von 5G vor. Das neue Netz wird nötig, weil die aktuelle 4G-Infrastruktur bei der Übertragung von Daten an ihre Grenzen stösst. Die Machbarkeit von 5G haben alle drei Betreiber in Echtzeit-Tests unter Beweis gestellt. Rein einheimische Netze wird es aber hierzulande nicht geben. Marktführer Swisscom hat als Ausrüster das schwedische Unternehmen Ericsson gewählt. Salt arbeitet bei 5G mit dem finnischen Zulieferer Nokia zusammen. Sunrise ist eine Partnerschaft mit Huawei eingegangen. 5G-fähige Smartphones kommen voraussichtlich ab 2020 auf den Markt. Ab diesem Zeitpunkt wollen Swisscom, Sunrise und Salt kommerzielle Angebote für Nutzer lancieren.

Doch können die Mobilfunkbetreiber garantieren, dass fremde Geheimdienste über das Hintertürchen von Netzwerkkomponenten keine Gespräche auf dem 5G-Netz abhören? Sunrise weist auf die hohen Sicherheitsstandards hin, die zertifiziert seien. Diese wende Sunrise als einziger Schweizer Telecomanbieter nicht nur bei der IT, bei Netzen und Produkten an, sondern firmenweit an allen Standorten, Mitarbeitern und Abteilungen. Unternehmenssprecher Roger Schaller hält weiter fest, dass Huawei weltweit über 1500 Netze aufgebaut habe. Namhafte Firmen wie British Telecom, Vodafone und Deutsche Telekom arbeiteten mit den Chinesen zusammen.

Huawei Schweiz lehnt es ab, die ­Geschäftstätigkeiten der Muttergesellschaft in den USA zu kommentieren. ­Firmensprecherin Michèle Wang-Spirig sagt, Huawei verfüge über ein detailliertes Konzept für die Cybersicherheit. ­Dieses gehöre zum Kern der Unternehmensstrategie. Die Massnahmen für ­Cybersicherheit gelten für alle Firmenstandorte und «schliessen die Produktion, Forschung und Entwicklung, Lieferanten sowie Angestellte mit ein», erklärt Wang Spirig.

Die staatsnahe Swisscom hat interne Sicherheitsstandards festgelegt, die für alle Zulieferer gleichermassen gültig sind. Demnach hat auch Ericsson beim neuen 5G-Netz die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. «Für Mobilfunk­anbieter wie die Swisscom ist es üblich, mit internationalen Partnern zusammenzuarbeiten, die uns mit Software und Hardware beliefern», sagt Konzernsprecher Armin Schädeli.

Salt teilt mit, das Unternehmen treffe «alle notwendigen und in unserer Macht stehenden Sicherheitsmassnahmen gemäss des letzten Stands der Technik».

Cyberspionage ist Brennpunkt

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) verweist auf seinen aktuellen ­Sicherheitsbericht und teilt mit Blick auf Trumps Pläne mit: «Der NDB kommentiert keine Aussagen von Politikern.» Im Report hat der Geheimdienst die Cyberspionage zum Brennpunkt erklärt. Sie ergänze längstens die klassischen Spionagemethoden. Der Bericht erwähnt die Cyberangriffsmöglichkeiten von Staaten wie den USA, Grossbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland sowie «Aktivitäten aus dem russischen Raum im ­Cyberspace». China kommt in diesem Zusammenhang nicht vor.

Die beste Abwehr gegen Cyberspionage ist laut dem NDB Vorbeugung. Der Nachrichtendienst fordert alle Akteure in der Schweiz auf, «im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung für die Sicherheit und die Sicherung der einzelnen Geräte und damit auch der gesamten Informations- und Kommunikationsinfrastruktur zu übernehmen». Schliesslich schlägt der NDB vor, internationale Kooperationen zu verstärken.

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