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Sechs Fragen zum FernwehWie sicher sind meine Herbstferien?

Corona-Versicherung, Rückfluggarantie, Sorglospaket: Die Reisebranche lässt nichts unversucht, bei Schweizerinnen und Schweizern doch noch Fernweh zu wecken.

Bei Lufthansa, Swiss oder Austrian Airlines können Flugtickets mehrfach gebührenfrei umgebucht werden.
Bei Lufthansa, Swiss oder Austrian Airlines können Flugtickets mehrfach gebührenfrei umgebucht werden.
Foto: Chuttersnap/Unsplash

Welche Länder garantieren sichere Ferien?

Die Liste der Risikoländer des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) verändert und verlängert sich laufend. Und sie überschneidet sich teilweise mit Einreisebestimmungen anderer Länder. Bis vor kurzem galt, dass man neben der Schweiz auch die Länder in der näheren Umgebung immer noch bereisen kann.

Doch seit dem 14. September ist die Auswahl eingeschränkt: Das BAG setzte das Bundesland Wien sowie einige der beliebtesten Destinationen in Frankreich, etwa Paris und die Provence, auf die Risikoliste. Auch Spanien und seine Inseln, Tunesien oder Malta und andere, in normalen Zeiten beliebte Reiseziele zieren die ominöse Liste.

Schweizer Reiseveranstalter propagieren deshalb für Badeferien im Herbst vor allem die Südtürkei und Griechenland. Für das zuletzt auch empfohlene Zypern hat sich die Lage geändert: Ab Donnerstag muss, wer auf die Mittelmeerinsel fliegt, einen einen negativen Corona-Test vorweisen sowie für 14 Tage in Quarantäne.

Wie gehen Reiseveranstalter mit den aktuellen Unwägbarkeiten um?

DER Touristik Schweiz (Kuoni, Helvetic Tours) versucht etwa, nur Destinationen «mit nicht explodierenden Fallzahlen, verhältnismässig wenig Einschränkungen sowie stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen» zu vermarkten. «Wir bieten insgesamt Reisen in mehr als 100 Länder an. Auch in diesen Zeiten ist trotz Einschränkungen eine erholsame Ferienreise möglich», sagt ein Sprecher des Reiseanbieters.

Erholung am Strand – kein Ding der Unmöglichkeit, auch diesen Herbst nicht.
Erholung am Strand – kein Ding der Unmöglichkeit, auch diesen Herbst nicht.
Foto: Briana Tozour (Unsplash)

Wer übernimmt die Risiken?

Um die Sicherheit der Gäste und der Angestellten zu gewährleisten, unternehmen Reiseveranstalter und auch Hotels grösste Anstrengungen. Was aber, wenn das Land, in dem man Herbstferien gebucht hat, plötzlich auf der BAG-Liste erscheint? Oder wenn die Schweiz im Zielland plötzlich als Risikogebiet eingestuft wird, und man bei der Ankunft in Quarantäne gesteckt wird, statt sich am Strand zu sonnen?

Max E. Katz, Präsident des Schweizerischen Reise-Verbandes sagt: «Wir empfehlen, im Reisebüro zu buchen. So kann man im Notfall die Ferien verschieben oder auf ein anderes Land umbuchen.» Trotzdem sollten sich Reisende genau informieren, denn die Bedingungen sind sehr unterschiedlich.

Am weitesten geht die Twerenbold-Gruppe, die als erster Schweizer Reiseanbieter eine Corona-Versicherung in die Arrangements eingebaut hat. Diese ist kostenlos für Gäste des gesamten Portfolios, vom Flusskreuzfahrtenanbieter Mittelthurgau bis zum Rundreisenspezialisten Vögele.

Und das deckt die Corona-Versicherung ab: Wenn eine Reise wegen einer Covid-19-Erkrankung nicht angetreten werden kann oder man sie abbrechen muss, werden die Kosten für medizinisch notwendige Transporte, vorzeitige oder verspätete Rückreisen und Annullierung übernommen. Der nicht genutzte Teil der Reise wird zurückerstattet.

Welche Sicherheiten bieten andere Reiseveranstalter?

TUI-Suisse-Chef Philipp von Czapiewski betont: «Unsere Kunden können beim kurzfristigen Erscheinen des Reiseziels auf der BAG-Liste kostenlos auf eine andere Destination umbuchen, auch noch einen Tag vor der Abreise.» Keine Annulierungs- und Umbuchungskosten fallen bei ITS-Coop Travel bis 14 Tage vor Abreise für alle Pauschalangebote an. Im Rahmen eines «Sorglospaketes» kann man im gleichen Zeitraum auch bei Asienspezialist Tourasia alle Landarrangements umbuchen. Wird eine Rückreise wegen behördlicher Anordnungen erzwungen, übernimmt Tourasia die Kosten für die Repatriierung und notwendige zusätzliche Unterbringungskosten im Quarantänefall. Auch DER Touristik gewährt ein kostenloses Rücktrittsrecht, wenn Quarantänepflichten am Ferienziel oder nach der Rückkehr bei der Buchung von Pauschalreisen nicht vorhersehbar waren oder die gebuchte Reise nicht stattfinden kann.

Welche Rolle spielen die Airlines?

Bei Lufthansa, Swiss oder Austrian Airlines können Tickets mehrfach gebührenfrei umgebucht werden. Zudem bieten die Airlines aus der Lufthansa-Familie ein Rückflugversprechen auf allen europäischen Strecken an, notfalls mit Sonderflügen. In vielen Tarifen ist ein «Rundum-Sorglos Paket» im Preis enthalten, welches Kosten für eine Quarantäne, den Reiseabbruch und auch einen medizinischen Rücktransport übernimmt.

Sind die Kreuzfahrtschiffe wieder unterwegs?

Die Reedereien haben sich intensiv mit der Sicherheit von Passagieren und Crew auseinandergesetzt. Die boomende Branche war vom Lockdown im Frühling besonders betroffen.

Hapag-Lloyd, Aida, Costa Crociere und andere geben vor der Reise Gesundheitsfragebogen aus. Das Boarding findet gestaffelt statt. Auf dem Schiff werden tägliche Temperaturkontrollen durchgeführt und in schwimmenden Labors ausgewertet. Medizinisches Personal reist mit, und im Notfall ist eine Repatriierung garantiert. Damit Abstände eingehalten werden können, sind die Schiffe nicht voll ausgelastet.

Auch Kreuzfahrtschiffe nehmen auch wieder an Fahrt auf.
Auch Kreuzfahrtschiffe nehmen auch wieder an Fahrt auf.
Foto: Alonso Reyes (Unsplash)

Für Passagiere von Hapag-Lloyd gilt eine vorgängige Covid-Testpflicht. «Ende Juli haben wir die ersten Reisen angeboten», sagt Karl J. Pojer, CEO von Hapag-Lloyd Cruises: «Seitdem haben wir mehrere Reisen in die Dänische Südsee und in die skandinavischen Schären durchgeführt.»

Costa Kreuzfahrten haben den Betrieb im September mit zwei Schiffen wieder aufgenommen. Die ersten Fahrten waren für Gäste mit Wohnsitz in Italien reserviert; die Wintersaison 2020/21 steht auch Reisenden aus anderen Ländern, etwa der Schweiz, offen. Aida geht im Oktober wieder vom Anker. Die ersten Reisen sollen im Mittelmeer rund um Italien stattfinden.

10 Kommentare
    Rolf Helbling

    Live aus Italien kann ich nur sagen: Es war wohl nie schöner. Keine Touristenmassen, entspannte Coronalage, morgens um 8 ein Sprung ins einsame Meer, und das Beste: schnell und bequem erreichbar per Bahn (in Italien nur zur Hälfte besetzt). Sogar Venedig war super angenehm. Was will man mehr? Auch beim Selberbuchen kann man die Stornierungsfristen klug auswählen.

    Aber die Ängstlichen sollen ruhig zu Hause bleiben. Man kann ja auch einen kleinen Ausflug an den Genfersee machen, wenn man Gegenden mit hohen "Zahlen" ...