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Medienkonferenz live«Die Bevölkerung wird von alleine immunisiert»

Experten des Bundes haben Stellung zur Situation mit dem Coronavirus genommen. Wir haben live berichtet.

Zusammenfassung der Medienkonferenz vom 26. März 2020
Experten und Expertinnen des Bundes haben zur aktuellen Lage Auskunft gegeben.
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Zusammenfassung

Das BAG arbeitet mit Hochdruck an einer Trendanalyse zur Entwicklung der Corona-Pandemie in der Schweiz. Es sei aber «sicher nicht der Moment, die Massnahmen herunterzufahren», sagte Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG, am Donnerstag. Er warnte vor der Überbewertung der täglichen Zahlen.

In den vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) täglich vermeldeten Zahlen gibt es grosse Schwankungen. Die Fälle würden von den Kantonen und Praxen nicht immer gleich schnell und in gleichem Rhythmus gemeldet, sagte Koch dazu. Auch der Sprung von plus 58 Todesopfern in der Schweiz von Mittwoch auf Donnerstag in der BAG-Liste lasse sich nicht verlässlich interpretieren. Die Todeszahlen hinkten den Infekten immer hinterher.

Das sei auch der Grund, weshalb er vor einer Überbewertung der täglichen Zahlen im Einzelnen warne, so Koch. Das BAG sei derzeit dabei, eine Trendanalyse zu erarbeiten. Daraus liessen sich dann erste verlässliche Schlüsse ziehen. Das könne man erst machen, wenn man die Entwicklung von mindestens acht Tagen kenne.

Von einer aktiven möglichst schnellen Durchseuchung der Bevölkerung hält Koch nichts. Das sei ethisch «absolut unvertretbar», weil auch Menschen ohne Vorerkrankungen und entsprechende Dispositionen schwer erkranken könnten. Im Fall der vorliegenden, schnell um sich greifenden Pandemie geschehe die Durchseuchung ohnehin von alleine.

Das BAG arbeitet laut Koch zudem mit Hochdruck am Aufbau von serologischen Tests, die die Suche nach bereits immunisierten Personen ermöglichen würden. Das sei jedoch eher ein Instrument für den mittel- bis langfristigen Einsatz.

Ende der Medienkonferenz

Die MK ist nach 80 Minuten zu Ende. Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

F: Wieviele Soldaten im Dienst?

Brigadier Droz: «Aktuell sind 3000 Soldaten wegen des Coronavirus im Dienst. Bis am Sonntag werden 800 zusätzliche eingezogen. Damit ist der Spielraum ausgeschöpft. Wir bemühen uns, ob sich noch weitere Soldaten mobilisieren lassen.»

F: Schwierig, Landerecht für Flüge zu erhalten?

Matyassy: «Das ist keine einfache Angelegenheit, in der Tat. Aber das EDA steht den Airlines zur Verfügung, wenn es schwierig wird, Landerecht zu erhalten.»

F: Bei welchem Kilometer beim Marathon sind wir?

Koch: «Es ist ein Marathon ohne Kilometerangaben. Aber es ist nicht der Moment, bei dem man die Massnahmen zurückfahren soll. Wenn es uns jetzt nicht gelingt, dann bleiben uns nicht mehr viele Möglichkeiten, die Epidemie zu stoppen.»

F: Anzeichen von Entlassungswellen?

Zürcher: «Ja, wir hatten seit Mitte März 12'000 Arbeitslose mehr sowie 17'000 zusätzliche Stellensuchende. Aber wir haben ja die Möglichkeit mit der Kurzarbeit. Die Idee basiert auf drei Punkten: Sicherung der Löhne, Sicherung der Beschäftigung, die Gewährleistung der Arbeit.» Er bedaure diese Entwicklung sehr, ergänzt Zürcher.

F: Begleitete Flüge aus dem Ausland?

Matyassy: «Nein, Sicherheitsleute oder Polizisten sind nicht an Bord.» Was die Kosten dieser Rückführungsaktion betrifft, so will sich der Mann vom EDA nicht festlegen. Zahlen zu diesem Zeitpunkt wären reine Spekulation.

Was die Anzahl Todesfälle von Schweizer im Ausland angeht, so wisse er um eine Person respektive einen Fall.

F: 58 Tote mehr - wie erklärt man sich das?

Koch: «Auch bei den Todesfällen gibt es Schwankungen, wie bei den Infizierten. Bei den Todesfällen muss man auch sehen, dass diese hinter den infizierten Fällen hinterherhinken. Man darf keine Schlüsse ziehen aus dem vergleichsweise grossen Sprung von gestern auf heute.»

«Eine Immunisierung geschieht mit der Zeit von alleine», sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung für Übertragbare Krankheiten des BAG. Bild: Screenshot Bundesrat/Youtube

F: Kontrolle des Bundes

Kuster: Das Bundesamt für Justiz klärt Verordnungen des Bundesrates auf die Verträglichkeit in Sachen Recht und Gesetz ab. Alle Geschäfte werden vorgeprüft. Erfahrungsgemäss haltet sich die Regierung an die Empfehlungen und Vorschläge des EJPD.

F: Anpassungen von Fristen bei Rechtsfällen?

Susanne Kuster, Stellvertretende Direktorin Bundesamt für Justiz EJPD: «Der Bundesrat hat verschiedene Fristen angepasst. Davon nicht betroffen sind aber juristische Verjährungen. Dies ist beim Fifa-Prozess bedeutend, da dieser ausgesetzt ist und kurz vor der Verjährung steht.»

F: Weniger Fallzahlen im Tessin: Tendenz erkennbar?

Koch: «Diese Zahlen im Tessin gehören zu den Schwankungen. Es ist gefährlich, diese von Tag zu Tag zu interpretieren. Wir müssen mindestens eine Woche anschauen, ob man einen Trend feststellen kann.»

F: Durchreisende und Quarantäne

Matyassy: «Wenn jemand via Schweiz nach Deutschland weiterreist, dann würde er per Transit nach Deutschland reisen. Dort würde er nach deutschem Recht behandelt.»

F: Wieviele Masken würden in der Schweiz benötigt?

Koch: «Das Tragen von Masken von allen Personen würde keinen wesentlichen Schutz bieten. Der Bedarf jetzt würde zwischen einer und zwei Millionen Masken pro Tag betragen.»

Gibt es noch normale WKs?

Droz: «Bisher ist erst ein WK verschoben worden.»

Frage: Schon Exit-Strategie nach dem Virus?

Koch: «Daran können wir noch nicht denken. Das ist alles viel zu früh, um schon in Details an Exit-Strategien zu denken.»

F: Kontrollen

Bei den Kontrollen gehe es nur um den öffentlichen Raum. Man werde aber auch nicht alle Daten analysieren, sondern nur dort, wo es Sinn mache, so Koch auf eine Frage bezüglich der Kontrollen. Er wiederholt, es handle sich um Daten aus der Vergangenheit.

Fragen: Lockerung der Massnahmen?

An Lockerungen der Massnahmen denke man bisher noch nicht, sagt Daniel Koch auf eine entsprechende Frage. «Wir haben den Peak bei den Virusfällen noch nicht überschritten.»

Kurzarbeit

Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit SECO, WBF
: Zürcher gibt Zahlen zur Kurzarbeit bekannt. Es sind 570'000 Anträge, dabei sind rund 42'000 Unternehmen betroffen. Insgesamt arbeiten derzeit rund elf Prozent aller Erwerbstätigen in Kurzarbeit.

Die Zahlen zeigen auch, dass weniger gearbeitet wird. Es soll aber auch weiter gearbeitet werden, aber nur mit den Massnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden.

Zusätzliche Truppen

Raynald Droz, der Stabschef des Kommando Operationen VBS, sagt, man hätte neue Truppen mobilisiert. Es sei jetzt Zeit für neue Kräfte. Dieses seien notwendig geworden. Man werde auch in Zukunft zusätzliche Truppen mobilisieren. Diese müsse man noch ausbilden und dann integrieren.

Bereit für Aufgaben

Der Zivilschutz sei bereit für die gestellten Aufgaben. Flury übernimmt die Worte von Bundesrat Berset, der gestern sagte, es gäbe einen Marathon zu bestreiten. Er dankt auch allen, die nun im Zivilschutz tätig sind.