Zum Hauptinhalt springen

Ask-Force-Kolumne übers RudernWie rudert ein Skiverband zurück?

Eines ist klar: Wer mit der Sprache spielt, muss damit rechnen zu kentern.

Verwirrung total: Rückwärtsrudern und doch vorwärtsfahren.  Foto: Urs Jaudas
Verwirrung total: Rückwärtsrudern und doch vorwärtsfahren. Foto: Urs Jaudas

Neulich habe sie im «Bund» folgenden Titel gelesen: «Skiverband rudert zurück.» Das schreibt uns Frau V. E. aus Bern. Und sie fragt: «Kann man da erste Schrittchen zu einer grossen Wende im Skisport infolge des Klimawandels erkennen? Oder leide ich in dieser Corona-Krise an einer veränderten Wahrnehmung der Wirklichlichkeit, an verstärktem Aufblühen meiner Fantasie?»

Liebe Frau E., um es kurz zu machen: Wir glauben, es geht weder um den Klimawandel noch um eine Wende im Skisport. Und Sie leiden an gar nichts. Sie erfreuen sich vielmehr eines wachen Geists, der es Ihnen wiederum erlaubt, sich an allem möglichen zu erfreuen – und damit auch am Ergebnis eines kleinen Spiels mit der Sprache.

Und das war es wohl, obschon wir es nicht abgeklärt haben: Wir vermuten, die Person, die diesen Titel setzte, hatte selber ihre heimliche Freude an diesem Einfall. Die Redewendung mit dem Zurückrudern ist etabliert, der Satz also völlig korrekt. Im Zusammentreffen mit dem Begriff Skiverband ergibt sich aber eine leichte Reibung, so etwas wie eine Interferenz zwischen Winter und Sommer – der winzige Geistesblitz wird sichtbar. Und wird er von einer Leserin oder einem Leser wahrgenommen, erzeugt er bei ihr oder ihm ein kleines Quantum Freude. Oder Ärger.

Wir von der Ask-Force würden zunächst sagen, das vorliegende Beispiel sei gelungen. Denn das ist ja die Kunst beim Setzen von Titeln: Das Spiel mit der Sprache darf nicht überborden, sonst droht die Sache ins Lächerliche oder gar ins Geschmacklose abzugleiten. Dabei verschwimmen die Grenzen – ganz abgesehen davon, dass solche Interferenzen auch unbeabsichtigt auftreten. Und dann nicht selten zu skurrilen Ergebnissen führen.

Ein paar Beispiele gefällig? Unvergessen bleibt ein Titel aus dem «Anzeiger für das (Berner) Nordquartier»: «Fusspilz nicht auf die leichte Schulter nehmen» stand da vor Jahren über dem Ratgeberartikel einer Apotheke. Ebenso grandios war der folgende Satz aus der Zuschrift eines empörten Lesers: «Da haut es doch dem Fass den Boden mitten ins Gesicht.»

Sie gehen mit uns sicher einig, Frau E.: Gemessen an solchen Sprachperlen ist der rückwärtsrudernde Skiverband noch lange nicht der Tropfen, der den Stein zur Weissglut treibt.

Die Ask-Force weiss oft selber nicht, ob eine Antwort witzig oder lächerlich ist. Trotzdem – Fragen an: askforce@derbund.ch

.