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AskforceWie mit fragwürdigen Fragen umzugehen ist

Würdig oder nicht? Wo soll bei der Fragestellung die Grenze gezogen werden?

Fragen stellen zu müssen, ist die Bürde der Unwissenden. Deshalb kommt es äusserst selten vor, dass das Askforce-Gremium eine Erkundigung einholen muss. Bei Herrn G. kam es jedoch zu einer dieser raren Ausnahmen. Dem heutigen Fragesteller ist nämlich seine ursprüngliche elektronische Zusendung, noch bevor er sein Anliegen schildern konnte, entglitten, wodurch wir eine Nachricht erhalten haben, die wie folgt endete: «Nun zu meiner Frage.» Da wir nur über theoretisches Wissen über das Hellsehen verfügen, war es uns unmöglich, Herrn G.s Absichten zu erahnen, so mussten wir diese per Nachfrage klären.

Herr G. will also wissen, ob nur würdige Fragen eine würdige Antwort verdient haben und fragwürdige Fragen ignoriert werden sollen. Zudem fragt er sich, ob Fragen von würdig in unwürdig und umgekehrt wechseln können. Da uns diese Frage als würdig erscheint, nehmen wir uns dieser an und eröffnen unsere Antwort mit Kolumbus. Zu Lebzeiten des berühmten Seefahrers war im Kollektiv des gesellschaftlichen Denkens eingemeisselt, dass die Erde eine Scheibe ist. Alles andere waren fragwürdige Theorien. Erst als Kolumbus’ Berufskollege Magellan den ganzen Planeten umrundet hatte, ohne dabei ins Weltall zu plumpsen, wurde die Frage nach alternativen geometrischen Formen der Erde als würdig erachtet, wobei die Kugel nach wissenschaftlichen Abklärungen das Rennen machte.

Nun werden aber wieder vereinzelte Stimmen laut, die von einem Irrtum ausgehen und behaupten, die Welt sei doch eine Scheibe. Das Kollektiv des gesellschaftlichen Denkens ist sich jedoch einig, dass dies eine äusserst fragwürdige Feststellung ist. Dadurch zeigt sich: Gemessen am Zeitstrahl der menschlichen Entwicklung ist es durchaus möglich, dass eine Frage ihre Würde verliert oder auch wieder gewinnt. Dies ist letztlich abhängig vom Stand der Wissenschaft und von der zeitgeistlichen Befindlichkeit der jeweiligen Epoche.

Weil dies alles ein wenig kompliziert ist, wäre es wohl am besten, auf Fragen künftig gänzlich zu verzichten. Wir raten davon aber nur ab, weil das unsere Anstellung bei dieser Zeitung obsolet machen würde.

Würdige Fragen schicken Sie bitte weiterhin an: askforce@derbund.ch