Wie man Bomben bastelt, erfuhr er im Internet

Marokkos Regierung glaubt, die Planer des Anschlags in Marrakesch verhaftet zu haben. Der mutmassliche Täter verehrt Bin Laden.

Von Oliver Meiler, Marseille Für einmal ging es erstaunlich schnell. Nur eine Woche nach dem Attentat auf das Café Argana in Marrakesch haben die marokkanischen Behörden bekannt gegeben, dass sie drei Drahtzieher des Attentats – inklusive Attentäter – verhaftet hätten: «Ohne jeden Zweifel: Ja, wir haben den Attentäter», erklärte Khalid Naciri, der Sprecher der marokkanischen Regierung, gestern im französischen Radio. «Er hat Verbindungen zu den Jihadisten. Auch das ist bestätigt. Dieser Monsieur hat die Herstellung von Bomben im Internet gelernt. Sein Ziel war es, Marokko und dem Tourismus zu schaden.» Vor kurzem erst begnadigt Bei dem Anschlag auf dem Platz Jama al-Fnaa wurden 16 Menschen getötet, unter ihnen 8 Franzosen und 2 Tessiner. Eine verletzte Schweizerin starb gestern (siehe Text unten). Noch immer hat sich niemand zu der Tat bekannt. Ihre Gewissheit über die Urheberschaft leitet die Regierung von den Informationen von Augenzeugen ab, die ein Phantombild des Attentäters zu erstellen halfen, vom Mitschnitt einiger Videoüberwachungskameras und von der Kooperation mehrerer Geheimdienste. Die Identität des mutmasslichen Attentäters gaben die Behörden fürs Erste jedoch nicht bekannt. Die marokkanischen und französischen Medien gehen davon aus, dass es sich bei dem jungen Mann um Abdellatif Zahraoui handelt – einen konservativen Salafisten und feurigen Jihadisten mit einer langen, internationalen Polizeiakte. Der glühende Verehrer von Osama Bin Laden, der enge Verbindungen zur al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) haben soll, war 2007 in Spanien festgenommen worden. Erst kürzlich kam er dank eines Gnadenakts des marokkanischen Königs zusammen mit 190 anderen politischen Gefangenen frei und wurde sofort wieder aktiv: Mit einem Schwert bewaffnet griff er in einem Café in der Hafenstadt Tanger zwei Gäste an, verletzte einen von ihnen und tötete den anderen. Seither war er auf der Flucht. Dank Entführungen reich Am 28. April um die Mittagszeit, so die Rekonstruktion des Attentats, täuschte Zahraoui den Kellnern des Café Argana vor, er sei ein Tourist. Er betrat das Lokal mit zwei Tragtaschen, bestellte einen Softdrink und ging, ohne die Taschen mitzunehmen. Die Sprengsätze aktivierte er aus der Ferne mit dem Handy. Wenn hinter dem Attentat tatsächlich die al-Qaida im islamischen Maghreb steht, die in Marokko bisher kaum vertreten war und vor allem in der Sahara mit Entführungen von sich reden machte, wäre das ein dramatischer Nachweis für deren Schlagkraft. Der Chef des französischen Inlandgeheimdienstes erklärte der Zeitung «Libération» in einem Interview, dass er die Terrorgefahr für Frankreich als sehr hoch einschätzt: «AQMI hat Frankreich im Visier», sagte Bernard Squarcini, «die Gruppe hat viel Know-how, und sie konnte sich zuletzt quantitativ und qualitativ verstärken.» Gemeint sind damit die Zahl ihrer Kämpfer, die Schätzungen zufolge auf tausend angewachsen sein soll, und ihre finanziellen Mittel: Dank Lösegeldern aus dem Westen verfügt die Filiale von Bin Ladens internationalem Terrornetzwerk über mehrere Millionen Dollar. Vor acht Tagen wurde das Café Argana in Marrakesch zerstört. Foto: Keystone

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