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Interview über neue Scheidungs-Rechtsprechung«Wer mit der Ehe eine Lebensversicherung will, liegt falsch»

Das Bundesgericht hat die Ehe revolutioniert. Jetzt sagt mit Nicolas von Werdt erstmals einer der beteiligten Richter, wie die neue Rechtsprechung zustande gekommen ist – und was sie für Auswirkungen hat.

Bundesrichter Nicolas von Werdt am 1. April 2021 in Bern.
Bundesrichter Nicolas von Werdt am 1. April 2021 in Bern.
Foto: Nicole Philipp

Herr von Werdt, laut den neusten Bundesgerichtsentscheiden müssen geschiedene Frauen deutlich mehr zu ihrem Lebensunterhalt beitragen als bisher. Auch wenn sie Kinder haben oder bei der Scheidung schon älter sind. Für die Schweiz ist das eine Revolution.

Wir haben vollzogen, was Realität ist. Die neue Rechtsprechung wird sich punktuell auswirken. Sie sollte aber nicht zu gewaltigen Änderungen führen. Vielmehr nähert sich die Rechtsprechung damit den realen Lebensverhältnissen von Familien.

Kritiker sagen, ein männliches Richtergremium habe über die Frauen entschieden. Wie stellen Sie sich dazu?

Wir sind eine Sechserabteilung, wichtige Urteile entscheiden wir aber zu fünft. Die einzige Frau unserer Abteilung hat bei den jüngsten Leitentscheiden betreffend Scheidungsrechtsprechung formell tatsächlich nicht mitgewirkt. Doch bei der Entwicklung der Grundsätze war sie sehr wohl involviert. Wenn eine Änderung der Rechtsprechung im Raum steht, besprechen wir das losgelöst von konkreten Sachverhalten zunächst immer zu sechst. Dann kommen alle massgeblichen Kriterien auf den Tisch, und es gibt auch Meinungsverschiedenheiten. Am Schluss finden wir in der Regel einen Konsens.

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