Wer bekommt den Schwarzen Peter?

Boris Johnson will den No-Deal-Brexit. Und er will der EU die Schuld dafür zuschieben.

Boris Johnson bei seiner mit Spannung erwarteten Abschlussrede am Tory-Parteitag in Manchester. Foto: Henry Nicholls (Reuters)

Boris Johnson bei seiner mit Spannung erwarteten Abschlussrede am Tory-Parteitag in Manchester. Foto: Henry Nicholls (Reuters)

Stephan Israel@StephanIsrael

Meint er es ernst? Kann man einen Boris Johnson überhaupt beim Wort nehmen? Hat der derzeitige britische Premier die Handschlagsqualität, die es brauchen würde, um doch noch kurz vor Schluss einen Deal sicherzustellen? Dreimal Nein! Boris Johnsons «letztgültiges Angebot» ist nur ein Versuch, der EU den Schwarzen Peter für einen chaotischen und ungeordneten Brexit zuzuschieben.

Seine Alternativen zu dem in London verhassten Backstop sind keine. Johnson präsentiert vier Wochen vor dem geplanten Brexitdatum am 31. Oktober ein Sammelsurium von unausgegorenen und zum Teil widersprüchlichen Ideen, die alle schon einmal verworfen wurden.

Einiges ist technisch nicht machbar, bleibt vage oder erfüllt wichtige Kriterien nicht, um für die europäischen Partner überhaupt infrage zu kommen. So ist nicht klar, wie das Karfreitagsabkommen und der labile Frieden in Nordirland bewahrt werden können. Und der EU-Binnenmarkt hätte zwischen dem Mitglied Irland und dem britischen Nordirland ein unkontrolliertes Einfallstor.

Ein Punkt, an dem man sich treffen könnte, ist nicht in Sicht. Boris Johnson hat zu Hause ohnehin keine Mehrheit für einen Deal, und bei den europäischen Partnern hat er das wenige Vertrauen verspielt. Weshalb sollte man auch dem britischen Trump-Imitator einen Gefallen tun? Boris Johnson tritt auf wie ein Erpresser: Akzeptiert mein Angebot oder ihr bekommt Chaos. Spätestens beim EU-Gipfel Mitte Oktober dürfte es zum Showdown kommen. Der Ausgang ist offen.

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