Zum Hauptinhalt springen

Neuer Corona-HotspotWengen schliesst Schule und schottet Ski-Profis ab

Ein britischer Tourist hat die neue Virus-Variante ins Dorf gebracht. Das Lauberhornrennen darf trotzdem stattfinden.

Womöglich müssen auch noch die Hotels schliessen: Wintersportler am Freitag am Bahnhof Wengen.
Womöglich müssen auch noch die Hotels schliessen: Wintersportler am Freitag am Bahnhof Wengen.
Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Der Skiweltcup-Tross darf definitiv nach Wengen kommen – doch Partystimmung wird am kommenden Wochenende nicht aufkommen. Fans sind keine zugelassen. Die Fahrer und auch alle anderen Mitarbeitenden müssen auf ihren Zimmern essen und sich täglich auf das Coronavirus testen lassen. «Sie müssen sich fast so verhalten, als wären sie in Quarantäne», sagt Gundekar Giebel, Sprecher der bernischen Gesundheitsdirektion.

In den letzten zwei Wochen ist das Dorf im Kanton Bern zu einem Corona-Hotspot geworden. Laut Giebel wurden seit Weihnachten 51 Einheimische und Touristen positiv getestet. Bei mehreren Personen wurde dabei die mutierte Virus-Variante aus Grossbritannien nachgewiesen. Ins Dorf gebracht hat diese offenbar eine Person aus Grossbritannien, die über die Festtage in einem Hotel in Wengen logiert hat.

Hat der Kanton kontrolliert, ob die britischen Besucher im Skiort die Quarantänevorschriften eingehalten haben? «Die Kantonspolizei hat Kontrollen durchgeführt», sagt Giebel. Der Umfang der Kontrollen sei ihm nicht bekannt.

Schliessen auch die Hotels?

«Wir können nicht mehr alle Fälle verfolgen», sagt Giebel. Deshalb teilte der Kanton am Sonntag mit, dass die Schliessung von Schulen, Hotels, Unterkünften und anderen Betrieben in Wengen geprüft werde. Kurz darauf hat der Gemeinderat von Lauterbrunnen (Wengen ist Teil dieser Gemeinde) beschlossen, per sofort die Schulen zu schliessen und auf Fernunterricht umzustellen.

Weil Lehrer teilweise in Wengen und Lauterbrunnen unterrichten, gilt die Massnahme auch im Tal unten, wie Gemeindepräsident Martin Stäger auf Anfrage sagt. Die Schliessung gilt vorerst für eine Woche, wird womöglich aber verlängert.

Teil des Skigebiets gesperrt

Ist es nicht absurd, das dreitägige Lauberhornrennen unter diesen Umständen stattfinden zu lassen? «Wir können die Kritik nachvollziehen», sagt Gesundheitsdirektions-Sprecher Giebel. «Doch wenn sich alle an die Separierung von Bevölkerung und Skirennen halten, wird es keine Neuansteckungen geben.» Zur Separierung gehört auch die Massnahme, dass das Skigebiet auf Seite Wengen – Kleine Scheidegg – Lauberhorn ab Dienstag für die Öffentlichkeit geschlossen wird.

Giebel betont zudem, dass der Kanton die Schulschliessung sowie die mögliche Schliessung von Hotels und anderen Betrieben nicht mit den bevorstehenden Lauberhornrennen, sondern mit den bisherigen Ansteckungen in Wengen begründet. Ob auch die Hotels schliessen müssen, wird das Kantonsarztamt entscheiden.

Gemeindepräsident Stäger sagt, es sei im Sinne des Gemeinderats, das Rennen durchzuführen. Doch, fügt er an, würden sowieso alle Entscheide vom Kanton Bern getroffen. «Wir werden teilweise gar nicht konsultiert.»

27 Kommentare
    Tom T.

    Wen soll diese Massnahme schützen? Den Skizirkus (Corona-frei) oder die Bevölkerung? Beide sollten in Isolation. Der Skizirkus hat es bisher geschafft, fast Coronafrei zu bleiben und hätte es wohl auch in Wengen geschafft