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Mamablog: Wie feiern?Weihnachten im Corona-Jahr

Halbierte Feier, doppelte Besinnlichkeit: Ob diese Rechnung aufgeht? Unsere Autorin lässt sich überraschen.

Aufgesplittete Festgesellschaft: Im Corona-Jahr 2020 erfordert die gemeinsame Weihnachtsfeier – so sie denn stattfindet - einiges an Kreativität.
Aufgesplittete Festgesellschaft: Im Corona-Jahr 2020 erfordert die gemeinsame Weihnachtsfeier – so sie denn stattfindet - einiges an Kreativität.
Foto: Getty Images

Hätte ich noch Zweifel gehegt, dass 2020 speziell war, sie hätten sich spätestens aufgelöst, als ich im November hörte: Auch der Samichlaus macht Homeoffice, er grüsst per Videobotschaft. Schade, ja. Doch die Kuriosität der Ankündigung hatte mich zum Lächeln gebracht. Immerhin lichtete sich da jenes Gefühl, als läge Nebel auf meinem Gemüt, das ich letztens hie und da spüre. Etwa, als ich die Tickets fürs Weihnachtsmärchen wegwarf, weil die Vorstellung nicht stattfand. Als ich die Räben entsorgte, die wir trotz abgesagtem Umzug geschnitzt und ins Fenster gehängt hatten, die dort aber so gar nicht die hoffnungsfrohe Wirkung entfalteten, wie im Frühling die Regenbogenzeichnungen. Oder wenn ich die verwaisten Plätze in der Stadt sehe, wo sonst um diese Zeit das Eisfeld oder der Pavillon fürs Kerzenziehen Adventsstimmung verströmen.

Dafür haben wir dieses Jahr so viele Brunsli und Zimtsterne gebacken, und dies mit Musse, wie noch nie. Die Dezemberabende, die sonst mit Apéros und Abendeinkäufen (zu) gut gebucht sind, verbrachten wir daheim bei Leiterlispiel und Honigtee. Und, ehrlich, dass der Chlaus nur «remote» arbeitete, enttäuschte keines unserer Kinder. Dagegen ergab sich ein unerwartet glitzriger Moment, als ihr Papa in rotem Umhang und weissem Bart vor der Tür stand und eine Slapstick-Einlage bot, die uns auf dem Sofa kugeln liess vor Lachen.

Nun also Weihnachten …

Alle haben wir dieses Jahr doch erfahren: Es lebt sich besser mit den Einschränkungen, wenn wir nicht zu sehr bedauern, was wegfällt. Wenn wir stattdessen versuchen zu schätzen, was geht, oder was, manchmal überraschend, neu entsteht.

Zeit, diese Einsicht ultimativ zu testen: an Weihnachten! Dreizehn Leute, fünf Haushalte – dies in normalen Jahren unsere Heiligabend-Bilanz. Zu viele. Zwar hatten wir noch jedes Jahr im Familienchat diskutiert, dass wir auch mal anders feiern könnten. Doch verliessen wir uns am Ende stets auf die Routine. Einigten uns also, dass alle zu uns kommen, wie immer. Und dann trudelten sie ein, Grosseltern, Tanten, Cousins und Cousinen. Sie brachten Geschenke, labten sich an Champagner oder Rimus und rangen sich zwei Weihnachtslieder ab, bevor sie sich (die Kinder) auf die Päckli und (die Erwachsenen) aufs Rindsfilet stürzten.

Momente werden nie glitzrig, wenn man es zu sehr von ihnen erwartet.

Besinnlich war das nie. Eher wuselig, laut, ungestüm. Meist mit zu vielen Geschenken für die Kleinen, manchmal mit zu hitzigen Diskussionen der Grossen. Dennoch sind mir diese Heiligabende lieb geworden. Ich mag den Tumult und wenn ich daran denke, dass es dieses Jahr anders wird, spüre ich wieder Nebelschwere. Aber eben: Schätzen, was geht und entsteht. Was dies für Weihnachten bedeuten könnte … dazu hatte in unserem Chat lange ratlose Ruhe geherrscht. Mindestens waren sich alle einig, dass sich besondere Lagen nicht mit Routine vertragen. Und Kurzfristigkeit ist wohl die sinnvollste Antwort auf dieses verrückte Jahr. Bräuchte es doch eh nur ein fiebriges Kind und man wäre raus.

Zurückgestutztes Fest

Inzwischen haben wir uns nun aber zum Entscheid durchgerungen, allein um unser Bäumlein zu sitzen. Es war ein Prozess und aufgesplittet wie die Festgesellschaft sind die Meinungen der Kinder dazu: Eines ergibt sich aufgeräumt ins zurückgestutzte Heiligabendprogramm, freut sich gar auf den kleinen Kreis. Bei den anderen könnten noch Tränen rollen, weil die grosse Sause ausbleibt. Und wir sagen: Es ist nur dieses Mal, geben wir ihm eine Chance. Und leihen uns, erstmalig, ein Pfännli für ein Chinoise.

Noch bezweifle ich, dass wir uns ergriffen und mit glasigen Augen vor dem Christbaum wiederfinden, Weihnachten besinnlicher erleben, wie manche prognostizieren. Eher findet vielleicht kindlicher Unmut über nicht erfüllte Wünsche oder die Wahl eines Weihnachtsfilms doppelten Raum in diesem mehr als halbierten Setting. Doch Momente werden nie glitzrig, wenn man es zu sehr von ihnen erwartet. Lassen wir uns also, so gut es geht, auf Weihnachtsüberraschungen ein und nehmen, was eben entsteht. Was bleibt uns schon anderes übrig in diesem Jahr, in dem auch der Chlaus im Homeoffice blieb?

Wie immer Sie feiern: Ich wünsche Ihnen fröhliche Weihnachten!

2 Kommentare
    Ulli Reich

    Ganz ehrlich, ich finde, wir sollten den ganzen Feiertagsrummel mit hohen Erwartungen, Geschenkbergen und noch höheren Werbenbudgets auf den Abfallhaufen der Geschichte werfen. Es wäre besser für uns und unsere Nachfahren.

    Neben Weihnachten sind Ostern, Valentinstag, Muttertag und was es sonst noch gibt, mit gemeint.

    Das hat doch alles nichts meht mit Besinnlichkeit zu tun sondern nur noch mit Kommerz und Gefühlsduselei, wie im Artikel auch anklingt.

    Ich denke, die Kinder werden es am besten verstehen.

    (Und für Mama und Papa ist es auch gesünder wenn die glasigen Augen nicht vom Apero kommen.)