Zum Hauptinhalt springen

Kunst-Notizen von Hans Ulrich ObristWeder Nationalismus noch Globalisierung

Was wäre, wenn es einen dritten Weg gäbe? Eine offene und bewegliche Identität, wie sie der karibische Philosoph Édouard Glissant beschreibt?

Der Dichter und Philosoph Édouard Glissant (1928-2011).
Der Dichter und Philosoph Édouard Glissant (1928-2011).
Foto: Lea Crespi/LUZphoto/Keystone

Vorletzte Woche habe ich an dieser Stelle Willem Sandberg vorgestellt, den legendären niederländischen Museumsdirektor. Sein Ziel war es, das Museum der Gesellschaft zugänglicher zu machen. Für mich mindestens ebenso bedeutend ist die Museumsutopie von Édouard Glissant. Zu dem 2011 verstorbenen Dichter und Philosophen aus Martinique fühle ich eine so starke Verbundenheit, dass ich seit Jahren das Ritual pflege, jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen zehn Minuten in seinem Werk zu lesen.

Seine zentrale Denkfigur ist das, was er «Kreolisierung» nennt – abgeleitet aus seiner Muttersprache, dem Kreolischen, einer Mischung aus afrikanischen und europäischen Sprachen, die auf den Inseln der Karibik gesprochen wird. «Kreolisierung» beschreibt die Idee, dass aus unterschiedlichen Einflüssen eine immer wieder neue, offene und bewegliche Identität entsteht.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.