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Es geht auch andersKeine Küsschen mehr – nie mehr

Lektionen aus der Quarantäne: 27 Corona-Gewohnheiten, die wir im Büro, zu Hause, im Leben beibehalten sollten.

Die Alltagswalze rollt auf uns zu. Wir halten dagegen.
Die Alltagswalze rollt auf uns zu. Wir halten dagegen.
Illustration: Felix Schaad (Tamedia)

Melatoninfreundliche Morgenstunden

Länger schlafen. Auch unter der Woche: Vom Bett direkt an die Videokonferenz. Doch, doch, das geht. Einfach die Kamera ausschalten. (phz)

Zu Fuss zur Arbeit

Bald werden die Trams wieder vollgestopft sein. Aber nicht mit mir: Ich bleibe Fussgängerin. Die Luft ist besser. Die Laune bei der Ankunft im Büro auch. (suk)

Endlich keine Küsschen mehr

Jetzt ist es amtlich: Nach meinem jahrelangen Kampf gegen das unhygienische Ritual der Begrüssungs- und Abschiedsküsschen hat das Kollektiv endlich ein Einsehen. Das Rudelküssen hat per sofort ein Endeund damit auch die leidige Frage, ob man sich zwei- oder dreimal abknutschen soll. Wenn die Krise je eine Chance war, dann hier. (kal)

Timing ist alles

Toll, wenn der Chef auf dem Weg zur Morgensitzung nicht mehr aufgehalten wird und jedes Mal pünktlich erscheintwenn auch nur auf dem Bildschirm. (boe)

Parallelkommunikation zur Videokonferenz

Auf dem Bildschirm läuft die Sitzung, auf allen möglichen anderen Kanälen die Parallelkommunikation. Da wird geklärt, kommentiert, persifliert ein bisschen wie früher in der Schule, wenn man sich unter den Bänken Zettelchen durchreichte. Aber hier wird man nicht erwischt. (suk)

Gamen hat sich doch gelohnt

Gamen hat sich als ideales Survivaltraining entpuppt.
Gamen hat sich als ideales Survivaltraining entpuppt.
Foto: Getty Images

Zwölf Stunden am Stück zu Hause sitzen, keine Sekunde rausgehen, null soziale Kontakte, regelmässig Pizza bestellen, und als einziges Körperteil bewegt sich der klickende Zeigefinger. Corona schenkte mir für den Rest des Lebens die Gewissheit, dass die dunkelsten Stunden meiner Jugend doch zu was nütze waren: als Training für den Pandemiefall. (lsch)

Kochprofi werden

In der ersten Woche des Lockdown gelang mir eine vorzügliche Sauce hollandaise. Ich war selbst überrascht. Ist das schon das Ende der Fahnenstange, oder geht da noch mehr? Muss ausprobiert werden. Oder um es für Andreas Caminada zu formulieren: Es wird bald eng auf dem Koch-Olymp. (atob)

Familien-Mittagessen

Nichts gegen die Mensa. Aber mit so einem Familien-Mittagessen fühlen sich selbst Arbeitstage ein bisschen wie Wochenende an. (suk)

Mittagsfernsehen

Einfach Mittagsfernsehen, ohne Hemmungen. (blu)

Erholsames Mittagsschläfchen

In früheren Zeiten, als die Familie noch gemeinsam zu Mittag ass, genehmigte sich der eine oder die andere ein kurzes Nickerchen nach dem Mahl. Heute, wo Home gleich Office ist, erlebt der Powernap eine Renaissance. Wie erholsam und wohltuend diese 10-minütige Auszeit doch ist! (kal)

Binge-Reading

Ja, ich weiss, die meisten ziehen sich Serien staffelweise rein. Ich nutze die durch Kurzarbeit gewonnene Zeit für fette Klassiker. Mal dreihundert Seiten am Stück, am Tag, tief ins 19. Jahrhundert eintauchen. Und in eine Prosa, wie sie heute keiner schreibt. (ebl)

Kopf lüften

Raus aus der Enge!
Raus aus der Enge!
Foto: Getty Images/iStockphoto

Quarantäne engt Beine und Gedanken ein. Man gönnt sich einen Spaziergang. Anstatt zurück im Büro über Mittag in der Mensa zu sitzen, lohnt es sich auch hier, eine Runde um den Block zu drehen. Das Büro engt genauso ein. (ahl)

Biorhythmus!

Wenn die innere Uhr sagt, es ist Zeit fürs Verdauungsloch, legt man sich für zwei Stunden hin und gibt am späteren Nachmittag nochmals Gas. Doch der Produktivität und des Wohlbefindens willen macht es Sinn, weiterhin nach Kräften und nicht nach starren 8-5-Schablonen zu arbeiten. Vielleicht mal im Team darüber reden? (ahl)

Rebellieren im Grossraumbüro

Geht es Ihnen gesundheitlich auch besser, seit Sie zu Hause arbeiten? Das wird sich bald wieder ändern: Die Luft wird gesundheitsgefährdend, der Lärmpegel wird drastisch steigen. Laut Studien verbessern aber etwa Zimmerpflanzen das Raumklima, farbliche Akzente und persönliche Gegenstände fördern die Produktivität. Gute Kopfhörer auf Firmenspesen beantragen, vielleicht sogar eine Telefonkabine. Wieso nicht auch noch eine Sitzlounge? (ahl)

Nicht pendeln müssen

Vor Corona: montags und donnerstags Stress mit der Deutschen Bahn (ganz selten auch mit SBB). Jetzt: Zugausfälle, Personen im Gleis, Oberleitungsstörungen mir alles egal. Ich bleibe zu Hause! (ebl)

Nicht alles kann man kaufen

Die Erkenntnis, dass grosse Teile der Identität vom Konsum bestimmt werden. (blu)

Plaudern tut gut

Endlich dem anderen zuhören statt der inneren Uhr.
Endlich dem anderen zuhören statt der inneren Uhr.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Früher tickte beim Plausch über den Gartenzaun hinweg oder im Quartierlädeli die innere Uhr stets laut eine Unruhe ins Hirn: «Du hast keine Zeit!» Jetzt zeigt sich: Richtig zuhören ist schöner. (ked)

Vom Abstand zum Anstand

Wochenlang und kurvenreich haben wir uns darin geübt, Abstand zu anderen einzunehmen. Einige konnten es ganz gut und locker, andere blickten dabei stets böse, so, als ob man die alleinige Schuld an der Verbreitung des Virus trage. Nach den eingespielten Abstandsregeln sollten wir uns nun wieder vermehrt um die Anstandsregeln kümmern. (kal)

Vernünftig bleiben

Ist es nicht erstaunlich, wie wenig wir in den letzten Wochen von Verstössen gegen die Corona-Massnahmen gehört habenabgesehen von ein paar Wirrköpfen, die in Bern gegen staatliche Regeln zur Eindämmung des Virus demonstrierten? Sogar das Pärchen über meiner Wohnung hat seinen lautstarken Beziehungsknatschjeweils samstags ab 10 Uhrin der Corona-Krise aufgegeben. Wie schön, Teil einer Menschheit zu sein, die sich vernünftig und achtsam gegenüber anderen verhält. Darf so bleiben. Also immer schön zwei Meter Abstand halten, dann wird alles gut. (atob)

Coiffeure-Jass

Auf einmal sind Spielrunden in der Familie gefragt.
Auf einmal sind Spielrunden in der Familie gefragt.
Foto: Daniel Desborough

Spielen mit den fast erwachsenen Kindern, das gibts sonst höchstens in den Ferien. Aber jetzt reicht die Zeit nach dem Nachtessen fast täglich für einen Jassnatürlich einen Coiffeur. (ml)

Revival der Grossfamilie

Die Zwillis sind 19, der Kleine ist 9, die Sandwich-Tochter 15: Zeit und Lust fürs familiäre Playdate fand sich da bis zum Lockdown selten. Doch nun verwandelte die allabendliche Spielrunde, mit Gemsch und Rommé, Tabu und Scrabble, die Furcht vor der Kernfamilienhölle bei uns Best-Agern, den Teens und dem Primarschüler in die Ahnung von einem regelrechten Mehrgenerationenhimmel. (ked)

Joggen deluxe

Gestern rochs auf dem Feldweg herrlich nach der Erde, die der Bauer eben gepflügt hatte; vorgestern im Wald nach taufrischem Grün. Noch besser aber ist: Täglich schmeckt es beim Laufen nach dem Stolz auf meine grosse Entdeckung: Joggen geht doch! Wenigstens so lange die Badi zu ist …(ked)

Treppensteigen

Treppe statt Lift? Als Läufer, der jede Woche 40 bis 50 Kilometer zurücklegt, habe ich solch pseudo-sportliches Getue doch gar nicht nötig. Dachte ich jedenfalls vor Corona. Nun möchte ich das Treppensteigen trotzdem beibehalten, weil meine Pulsuhr zeigt, dass es mir guttut: Statt bei 135 Schlägen pro Minute liegt mein Puls inzwischen im fünften Stock nur noch bei 120 … (boe)

Rennaissance der Blockflöte

Nach über 30 Jahren Dornröschenschlaf ist die Blockflöte wieder in Betrieb. Tatsächlich, Telemanns f-moll-Sonate funktioniert noch. Und ist so schön wie damals. (suk)

Endlich wieder eine Band!

Let’s fetz.
Let’s fetz.
Foto: Getty Images

Wäre doch schön, wenn künftig das Musizieren mit der Familie Geige, Klavier, Perkussion, Saxofon, beim Leadgesang wird abgewechselt nicht ganz vergessen ginge. (boe)

Das gute Leben beibehalten

Auf Twitter schrieb jemand, wenn man täglich zwei Stunden Sport mache, eine gesicherte Arbeitsstelle und keine Kinder habe, dann ginge es eigentlich. Stimmt. Ohne das tägliche Pendeln waren sie für mich plötzlich da, die Extrastunden für den täglichen Sport, neun Stunden Schlaf, Kochen mit saisongerechten Zutaten, gefolgt von einem gesunden Nickerchen. Siehe da, das gute Leben, es funktioniertund muss beibehalten werden. (atob)

Systemrelevant bleiben

Mit dem Lockdown zeigte sich, wie wichtig guter Journalismus ist. In einem Beschluss des Zürcher Regierungsrats, mit dem die Kinderbetreuung für Eltern sichergestellt wurde, attestierte man Medienschaffenden gar Systemrelevanz. Das soll so sein und bleibendank unabhängigem Journalismus als vierter Gewalt im Staat. (atob)