Zum Hauptinhalt springen

JobcoachWas wir aus der Krise lernen können

Neue Tools, Abläufe und Talente: warum es auch eine Chance sein könnte, dass wir derzeit unseren Arbeitsalltag komplett umstellen müssen.

Neue Fertigkeiten, neue Möglichkeiten: Zurzeit müssen sich viele ganz schnell neue Arbeitsabläufe erarbeiten. Foto: Getty Images

Ausnahmezustand. Das trifft das, was wir gerade erleben, wohl am besten. Vieles, was bis vor kurzem noch selbstverständlich war, ist heute nicht mehr möglich. Einfach mal rausgehen, Freunde treffen? Nicht möglich. Ins Büro gehen? Nicht möglich. Die Grosseltern umarmen? Nicht möglich. Zu Hause in Ruhe arbeiten? Zumindest für Menschen mit kleinen Kindern: nicht möglich.

Ganz zu schweigen von all denjenigen, die durch das Coronavirus erkrankt sind, sich um kranke Angehörige sorgen oder wegen des Lockdowns vor dem finanziellen Ruin stehen: Was wir im Moment erleben, kann zu Recht als eine Krise bezeichnet werden. Eine ökonomische, eine soziale, vielleicht auch eine demokratische und für den ein oder anderen auch eine persönliche Krise.

Krisen sind Wendepunkte, die einen kalt erwischen und von denen man nie erwartet hätte, dass sie kommen. Es gibt kein Rezept, wie man sie meistern kann. Es gibt noch nicht einmal eine klare Sicht, wohin die Reise gehen könnte, sondern nur die Erkenntnis, dass vieles nicht mehr funktioniert, was eben noch ging. Und es gibt kein Gegenmittel.

«Es gibt kein Rezept, wie man diese Krise meistern kann.»

Das Schlimme an solchen Krisen ist, dass wir das Gefühl haben, keine Kontrolle mehr über die Ereignisse zu haben. Und keine Kontrolle bedeutet Hilflosigkeit. Es wird derzeit nicht wenige geben, die ein tiefes Gefühl der Verunsicherung spüren, die sich womöglich sogar niedergeschlagen fühlen und Angst empfinden. Im privaten wie im professionellen Bereich. Was wird wohl aus mir? Was aus meiner Familie, meiner Arbeit, der Gesellschaft? Wie werden wir in vier Wochen leben? Wie wird es in einem Jahr aussehen?

Auf diese Fragen wird es keine befriedigenden Antworten geben. Zumindest aber lassen sich aus psychologischer Sicht einige Punkte nennen, die uns die derzeitige Lage aus einer anderen Perspektive betrachten lassen. Vielleicht sogar aus einer, die es uns ermöglicht, Kraft und Zuversicht für die Zukunft zu schöpfen. Wenn wir die Lage also als Krise annehmen, dann bedeutet das, dass das Nachher anders sein wird als das Vorher. Das kann man als Bedrohung wahrnehmen, aber auch als Chance. Was könnte das nun für den professionellen Kontext bedeuten? Welchen Nutzen könnten wir daraus für unseren Job ziehen?

Mehr Effizienz

Für viele wird es gerade sehr ungewöhnlich oder sogar stressig sein, von zu Hause aus zu arbeiten. Gewohnte Prozesse können nicht wie üblich ablaufen, alles muss jetzt digital erledigt werden. Ganz abgesehen davon, dass ungestörtes Arbeiten derzeit in vielen Haushalten kaum möglich ist. Häufig bedeutet das dann: Nutze die wenige Zeit bestmöglich. Konzentrieren wir uns aufs Wesentliche! Erstaunlich, was man alles erledigt bekommt.

Mehr Selbstwirksamkeit

Auch das wird für einige neu sein: auf sich allein gestellt sein, Entscheidungen treffen müssen. Eben mal den Kollegen oder die Kollegin am Tisch nebenan fragen? Geht nicht. In gewisser Weise bedeutet das auch ein Mehr an Verantwortung. Das mag durchaus belastend sein, auf der anderen Seite aber haben wir dadurch auch die Chance, zu erkennen, wozu wir fähig sind. Wir können den Zusammenhang zwischen unserem eigenen Tun und den Ergebnissen ungefiltert erkennen. Dieses Erleben von mehr Selbstwirksamkeit bringt ganz neuen Schwung in die Arbeit.

Mehr Offenheit

Die Umstände bringen es mit sich, dass wir im Moment vieles lernen müssen. Schnell lernen. So schnell wie schon lange nicht mehr. Vielleicht werden wir rückblickend sagen, dass wir noch nie in so kurzer Zeit so viele neue Kompetenzen in Sachen digitaler Arbeitsplatzgestaltung, Zeit- und Projektmanagement gelernt haben wie heute. Plötzlich beschäftigen wir uns mit Kollaborationstools, nutzen die Cloud noch intensiver und werden fit in onlinegestütztem Video- oder Teleconferencing. Das werden wir in Zukunft gut gebrauchen können.

Mehr Kreativität

Überall entstehen gerade neue Ideen, wie man trotz dieser Umstände das Beste aus der Lage machen kann. Autobauer entwickeln Schutzmasken, Sortimente werden umgestellt, der E-Commerce boomt, ein Restaurant bietet sein Essen im Lebensmittelgeschäft um die Ecke an, Unternehmensprozesse werden verschlankt. Wenn nichts mehr auf dem üblichen Weg geht, schlagen wir eben andere Wege ein. Es bewahrheitet sich auch hier die Weisheit, dass nicht im Überfluss die Quelle von Kreativität und Innovation zu finden ist, im Gegenteil: Überfluss macht behäbig. Erst der Mangel motiviert uns dazu, aus der Not heraus etwas Neues auszuprobieren. Davon werden wir später noch sehr profitieren.

Machen wir uns nichts vor. Diese Krise wird uns nachhaltig verändern. Gerade auch im beruflichen Kontext. Vieles davon wird uns nicht gefallen, wir werden uns umstellen müssen. Das wird nicht immer einfach sein.

Dennoch bietet gerade diese Veränderung uns die Möglichkeit, bisher ungeahnte Potenziale zu entdecken und vorhandene Ressourcen zu aktivieren. Es ist doch erstaunlich, wie schnell wir uns auf die neuen Umstände einstellen, wie effizient und kreativ wir den widrigen Umständen gerade trotzen. Ja, die Krise, sie wird uns verändern. Aber wer sagt eigentlich, dass Veränderungen schlecht sind?