Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Ein Szenario lautet, dass nach dem jüdischen, ein slawischer Holocaust gefolgt wäre, hätte Hitler den Krieg gewonnen.

Ein Szenario lautet, dass nach dem jüdischen, ein slawischer Holocaust gefolgt wäre, hätte Hitler den Krieg gewonnen.

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Es ist 1947: Deutschland und Japan haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen und teilen die USA unter sich auf. Die Deutschen kontrollieren nun zwei Drittel des Landes samt Ostküste. Europa, Afrika, der Nahe und Mittlere Osten sowie Teile von Mittel- und Südamerika gehören bereits zum Germanischen Weltreich.

Diese Dystopie stammt aus der TV-Serie «The Man in the High Castle». Die Amazon-Produktion dürfte zwar Hollywood-Fantasien entsprungen sein, sie ist aber gar nicht so abwegig mit Blick auf die tatsächlichen perversen Eroberungspläne des Naziregimes um Adolf Hitler.

In grotesker Selbstüberschätzung glaubte Hitler an einen raschen Sieg über die Sowjetunion und eine spätere Unterwerfung Grossbritanniens. Das Ziel war zunächst ein Grossdeutsches Reich, das Europa vom Atlantik bis zum Ural dominiert. Mit der «Operation Tannenbaum» wäre auch die Schweiz erobert und ihren Sprachgebieten entsprechend auf Deutschland, Frankreich und Italien aufgeteilt worden.

Für den Osten hatte die SS den Generalplan Ost (GPO) entwickelt, der zu einem zweiten, nicht jüdischen Holocaust geführt hätte. Zu diesem Schluss kam der Publizist Ralph Giordano in seinem Buch «Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte». Der GPO wollte die Versklavung, Vertreibung und Vernichtung von 45 Millionen Slawen. Tatsächlich kamen 27 Millionen Sowjetbürger ums Leben. In den eroberten Gebieten der UdSSR hätten 10 Millionen Deutsche aus dem Reich angesiedelt werden sollen.

Selbst die deutsche Bevölkerung sollte von den Nazis unterdrückt werden. Von der Hitler-Jugend bis zum NS-Altersheim wäre der Lebensweg eines jeden Deutschen konditioniert und kontrolliert worden. Das öffentliche Leben wäre total gleichgeschaltet gewesen. Das Naziregime plante ausserdem die Abschaffung der Kirchen. Der Blutmythos des NSDAP-ldeologen Alfred Rosenberg sollte das Christentum als neue Religion ablösen. Schliesslich war die Schaffung einer neuen Führungselite vorgesehen: blonde, blauäugige Herrenmenschen, die die SS heranzüchten sollte.

Die Unterwerfung Europas war in Hitlers Plänen der erste Schritt auf dem Weg zur Weltherrschaft. Der zweite Schritt sah vor, mit Beistand des verbündeten Italien die Herrschaft über Afrika zu erlangen. Schliesslich sollte es zum Endkampf gegen die USA kommen – selbstverständlich mit siegreichem Ausgang für die Nazis. Unter dem Statthalter Joseph Goebbels wären auch die USA germanisiert worden. Erst Europa, dann die Welt: Der Endsieg blieb zum Glück ein Hirngespinst des Führers.

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