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Mamablog: AlltagseinblickeWas tun Hausfrauen den ganzen Tag?

Oder: Warum man Hausfrauen niemals fragen sollte, ob es ihnen zu Hause nicht langweilig wird.

Ich bin auch ein Feuerwehrauto: Die Jobbeschreibung einer jungen Mutter lässt sich schwer in Worte fassen.
Ich bin auch ein Feuerwehrauto: Die Jobbeschreibung einer jungen Mutter lässt sich schwer in Worte fassen.
Foto: Getty Images

Es ist 6.00Uhr früh, ich schleiche mich aus dem Bett. Während meine Töchter dort weiterschlafen, tippe ich in Ruhe diese Zeilen. Denn dieser Text brennt mir schon lange unter den Nägeln. Neulich fragte mich ein kinderloser Studienfreund: «Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Wird dir nie langweilig?» Der kinderlose Studienfreund meinte mich als Neo-Hausfrau. Unschlagfertig wie ich bin, konnte ich ihm nicht antwo… Oh, Moment, die Jüngste ist wach.

[6.40] So. Da bin ich wieder. Wo waren wir? Genau. Hausfrauen. Was tun wir eigentlich den ganzen Tag? Wirds uns nie lang… Mist. Ich bin zu früh raus. Die Jüngste wieder. Na prima, nun ist auch die Grosse wach.

[12.45] Sodele, da bin ich wieder. Ja schon fast eins, ich weiss. Es war wieder einer dieser Morgen! Dabei fing alles so gut an: Ich musste nur drei Mal der Grossen hinterherrennen, um sie aus dem «Pyji» zu kriegen, durfte ihr sogar die Haare kämmen. Dann die Jüngste wickeln beziehungsweise versuchen, sie gefühlte 23 Mal vom Bauch auf den Rücken zu drehen. Eine Tasse ausgeleerte Milch, zwei Bodenlappen und ein frischgekleidetes Kleinkind später, landeten wir auf dem Sofa für das morgendliche Stillen. Danach Geschirrspüler ausräumen, Zmorge abräumen, Wickeln, Büechli vorlesen, Mittagessen vorbereiten, Einschlafstillen, wieder Küche aufräumen. Jetzt aber. Die Jüngste schläft, die Grosse ist satt und spielt. Und ich kann endlich weiterschreiben. Wir hatten es ja von Langwei- «Was? Ich soll dein Füdli? Ah so, alles klar.» Nur ganz schnell.

Ich geh auch rasch duschen. Denn morgen werde ich nicht dazukommen.

[14.45] Sorry, hat etwas gedauert, die Grosse hat das Töpfchen nicht erwischt. Kann passieren. Der Badezimmerboden ist dafür wieder richtig sauber, das ausgeschlafene Baby auch, sein Body quellt im Waschbecken in Gallseife und wir waren glaube ich beim Thema Langeweile. Und zwar ist es so, dass —Trrrring! Oh, der Timer. Ich muss rasch in die Waschküche, ja? Bin gleich wieder bei euch. Oder nein, ich glaube wir treffen uns lieber in zwei Stunden wieder, denn die Kinder waren ja noch gar nicht draussen heute.

[17.00] So, wieder zu Hause! Jetzt bleibt mir ein Momentchen, bevor das Abendprogramm losgeht. Die Grosse ist kurz zur Nachbarin. Die Jüngste (im Tragetuch) und ich sitzen vor dem Computer. Was Hausfrau! Working mom – so gehts doch, oder? Ooops, die Jüngste spuckt mich gerade voll und ausgerechnet jetzt ist jemand an der Tür.

[17.45] Here I am. Im neuen Oberteil. Der Mann ist zu Hause bzw. am Herd, die Kinder spielen im Wohnzimmer und ich kann endlich wieder weiterschreiben. Hmm, was ist? Meine Grosse lehnt sich an meinen Schreibtisch. Sie möchte in den Arm genommen werden und kuscheln. Sie kommt derzeit definitiv zu kurz. Ich melde mich nach dem Abendessen wieder.

«Pyji»-Zeit? Nicht mit mir! Das Leben mit kleinen Kindern steckt voller Herausforderungen – die Zeit brauchen.
«Pyji»-Zeit? Nicht mit mir! Das Leben mit kleinen Kindern steckt voller Herausforderungen – die Zeit brauchen.
Foto: Getty Images

[20.15] Die Kinder sind genährt, gebadet, der Mann räumt die Küche auf. Und wisst ihr was? Ich geh auch rasch duschen. Denn morgen werde ich nicht dazukommen. Wer weiss, wie sowas geht, ist eingeladen einen Text einzureichen: Täglich Duschen, wenn man zwei kleine Kinder hat.

[21.00] So. Feierabend! Der Mann samt Kinder schläft. Und ich bin endlich wieder bei euch. Und auf dem Sofa liegt noch Wäsche zum Falten. Und die vollen Einkaufstüten stehen immer noch im Gang. Ich machs rasch, ja? Sonst wirds ein Riesenstress morgen. Aber wisst ihr was? Morgen. Morgen steh ich ganz früh auf, um diesen Text endlich fertig zu schreiben. Wovon hatten wir es schon wieder? Ach so, genau. Davon, was wir Hausfrauen den ganzen Tag lang machen.

Dieser Text erschien zuerst in längerer Form auf chezmamapoule.com

41 Kommentare
    Sandra Studer

    Die gute Frau hat den Luxus nicht im klassischen sinn zu arbeiten. Viele Frauen können das nicht, da es finanziell nicht gehen würde. Dieser Text ist für mich ein wenig übertrieben. Ich meine Sie steht um 6:00 Uhr auf, hat man dann keine 15 min zum sich eine Dusche zu gönnen? Lieber tippt man 45 Min auf dem Compi/Handy diesen Text. Mutter und Hausfrau zu sein ist kein Zuckerschlecken, aber meine ME Time die 30 Min frühmorgens nehmen mir meine Kinder garantiert nicht weg. Frauen / Mütter müssen eifach lernen sich Zeit für sich zu nehmen und der Ehemann ist auch noch da, schliesslich gehören zum Kinder machen immer noch zwei und sich gegenseitig zu Unterstützen, auch wenn es nur eine banale warme Dusche morgens ist.