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Geldblog: Leserfrage zu GeldanlagenWas taugt die E-Vermögensverwaltung der Postfinance?

Die Postfinance wirbt bei Kunden für ihre neuen Anlageprodukte. Vor dem Unterschreiben eines Vertrags lohnt sich ein Blick auf die Gebühren.

Illustration: Christina Baeriswyl

Die Postfinance reorganisiert ihr Angebot im Anlagebereich. Meine Frau hält seit Längerem die Postfonds 2 und 3. Eine Postfinance-Beraterin hat meiner Frau vorgeschlagen, die zwei Fonds zu verkaufen und neu in die E-Vermögensverwaltung einzusteigen. Was halten Sie von diesem Vorschlag? Leserfrage von T. W.

Mit der digitalen E-Vermögensverwaltung versucht die Postfinance, stärker ins Anlagegeschäft vorzudringen und ihre Profitabilität dank höherer Gebühren zu steigern. Bei diesem Angebot würde Ihre Frau die Verwaltung ihres Geldes vollständig an die Postfinance delegieren. Basis für die verschiedenen Anlagestrategien ist die Hausmeinung, die von Postfinance-Experten erarbeitet und anschliessend gemäss dem Kundenprofil digital umgesetzt und überwacht wird. Die Mindesteinlage beträgt 5000 Franken.

Im Angebot sind mit dem Portfolio Schweiz, Global und Nachhaltig drei Basisstrategien. Anders als bei einer klassischen Vermögensverwaltung bei anderen Banken werden bei der digitalen E-Vermögensverwaltung der Postfinance keine Einzeltitel wie Aktien und Obligationen eingesetzt, sondern ausschliesslich Anlagefonds und Exchange Traded Funds (ETF). Das Kapital Ihrer Frau würde computergestützt breit diversifiziert in den verschiedenen Anlageklassen Liquidität, Obligationen, Aktien, alternative Anlagen angelegt.

Ob die Rendite steigt, ist nicht garantiert. Sicher aber ist, dass die Gebühren höher sind.

Ob damit die Rendite nach Gebühren für sie steigt, ist indes nicht garantiert. Sicher aber ist, dass die ausgewiesenen Gebühren höher sind: Die E-Vermögensverwaltung kostet 0,75 Prozent, inklusive Depotgebühren, Transaktionskosten und Steuerausweis. Bei der bisherigen reinen Fonds-Lösung fallen Depotgebühren von 0,15 Prozent an. Dazu kommen Transaktionsgebühren und Kosten für den Steuerausweis von 90 Franken.

Wenn Ihre Frau nur den Mindestbetrag von 5000 Franken investiert hat, würde sie mit der E-Vermögensverwaltung günstiger kommen, falls Sie auch den Steuerausweis benötigt. Bei beiden Varianten fallen allerdings noch unterschiedlich hohe Gebühren bei den genutzten Fonds und ETFs an, welche die Rendite ebenfalls schmälern und direkt bei den Produkten abgezogen werden.

Falls Ihre Frau tatsächlich eine digitale Vermögensverwaltung wünscht, würde ich ihr empfehlen, auch Angebote von anderen Anbietern zu prüfen. Mit einer jährlichen Pauschalgebühr von 0,75 Prozent ist die Postfinance nämlich nicht gerade günstig. Bei Anbietern wie True Wealth oder Descartes würde sie weniger bezahlen.

Als Kunde kann man sich den Konkurrenzkampf der Anbieter zunutze machen.

Descartes etwa verrechnet bei ihrer auf ETF-Basis digital umgesetzten Strategie nur 0,3 Prozent pro Jahr für die Vermögensverwaltung. Die ETFs werden in einem Depot bei der UBS oder Vontobel gehalten. Die All-in-Depotgebühr bei der UBS beträgt 0,35 Prozent pro Jahr. Die Mindestanlagesumme ist mit 25’000 Franken aber höher als bei Postfinance.

Mit 8500 Franken geringer ist die Mindestanlagesumme bei True Wealth. Hier wird eine jährliche Gebühr für die digitale Vermögensverwaltung von 0,5 Prozent in Rechnung gestellt. Die Kundenvermögen sind bei einer kontoführenden Bank, der Basellandschaftlichen Kantonalbank oder der Saxo Bank Schweiz, hinterlegt. Bei True Wealth und Descartes sind die Produktkosten gering.

Um den lukrativen Anlagekuchen wird unter den Anbietern immer härter gekämpft. Als Kunde kann man sich diesen Konkurrenzkampf zunutze machen und bei digitalen Angeboten dank Vergleichen von tieferen Gebühren profitieren.

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5 Kommentare
    alain surlemur

    Geht einfacher und günstiger. Der Roboter wird eh (100-Alter)= % Aktien vorschlagen. OK, vieleicht auch 120-Alter.

    Einfach den entsprechenden Prozentsatz eines ETF mit minimalen Gebüren kaufen, den Rest auf dem Sparkonto lassen. Obligationen bringen eh nichts ein.

    Keine überrissenen Gebühren für aktiv gemanagte Fonds, keine VV-Gebühren, aber unterm Strich das bessere Ergebnis