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«Intelligente Funktionen»Was steckt hinter dieser Gmail-Meldung?

Bei Google Mail muss man sich zurzeit entscheiden, ob man «intelligente Funktionen» nutzen möchte. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Verwenden oder deaktivieren, das ist hier die Frage.
Verwenden oder deaktivieren, das ist hier die Frage.
Foto: Rafael Zeier

Nicht nur Whatsapp sorgt dieser Tage mit Datenschutz-Pop-ups für Verwirrung (Was steckt hinter dieser Whatsapp-Meldung?). Auch Google zeigt unter anderem im hauseigenen E-Mail-Dienst Gmail gerade eine nur halbwegs selbsterklärende Meldung an.

Man wird nämlich gefragt, ob man zulassen möchte, dass «intelligente Funktionen in Gmail, Google Chat und Meet meine Daten verwenden». Man kann das entweder weiter verwenden (denn solche Funktionen gibt es schon lange, mehr dazu weiter unten) oder deaktivieren.

Was das alles zu bedeuten hat, besprechen wir gleich. Schauen wir uns erst das Formular und die Optionen zu Ende an.

Entscheidet man sich nämlich für die «intelligenten Funktionen», folgt die zweite Frage:

Auf für andere Google-Dienste?
Auf für andere Google-Dienste?
Foto: Rafael Zeier

Google fragt in einem zweiten Schritt, ob man diese Informationen auch anderen Google-Apps wie Maps, Travel oder dem Assistant zugänglich machen möchte. Nach dieser Entscheidung ist die Sache erledigt, und das Pop-up verschwindet.

Entscheidet man sich dafür, die «intelligenten Funktionen» zu deaktivieren, kommt ebenfalls eine zweite Meldung zum Vorschein:

Was man alles verpasst.
Was man alles verpasst.
Foto: Rafael Zeier

Nun hat man aber keine Wahlmöglichkeit. Google informiert die Nutzerinnen und Nutzer in einer langen Liste, auf welche Funktionen man künftig verzichten muss, wenn man den Vorschlag nicht annimmt. Drückt man auf das blaue Feld, wird das alles deaktiviert, und die Sache hat sich ebenfalls erledigt.

Wer es sich doch noch anders überlegt, kann über den «Zurück»-Button die intelligenten Funktionen doch noch beibehalten.

Falls man seine Entscheidung nachträglich bereut, kann man sie in den Gmail-Einstellungen leicht korrigieren:

So sieht das in den Gmail-Einstellungen aus.
So sieht das in den Gmail-Einstellungen aus.
Rafael Zeier

Die Pop-up-Entscheidung ist also nicht unwiderruflich. Aber was steckt denn nun dahinter, und worum geht es tatsächlich?

Google arbeitet seit Jahren daran, E-Mails besser zu sortieren, mit anderen Google-Diensten zu verbinden und insgesamt nützlicher und intuitiver zu machen. Der inzwischen wieder eingestellte Dienst Inbox (E-Mail der Zukunft) sortierte Mails automatisch in verschiedene Postfächer und nahm Mail-Faulenzern viel Arbeit ab. E-Mails mit Flugtickets und Reiseunterlagen wurden automatisch zu einem Stapel gruppiert.

Obendrauf konnte man den Google-Assistenten oder die Google-Suche nach Verspätungen und Gates fragen, so die Informationen nicht schon automatisch per Benachrichtigung kamen. Google-Skeptiker und Mail-Pedanten, die jedes Mail einzeln abarbeiten wollen, konnten sich mit solchen Automatismen nie anfreunden.

Eingestellt und doch nicht ganz verschwunden

2019 wurde Inbox eingestellt. In der Folge tauchte ein Teil der Funktionen bei Gmail wieder auf. Ganz so bequem (oder unheimlich bequem, wie es manche Kritiker nannten) wie Inbox ist Gmail bis heute aber nicht geworden.

Dass sich die Nutzerinnen und Nutzer nun aktiv für oder gegen die Vernetzung der Google-Dienste entscheiden müssen, ist wesentlich.

Dennoch stellt Google nun die Frage, ob man all diese «intelligenten Funktionen» weiter nutzen oder eben deaktivieren möchte. Ganz uneigennützig ist die Frage freilich nicht. Wie andere Techgiganten auch ist Google in den letzten Monaten zusehends ins Visier von Behörden und Politikern geraten.

Im Hauptgebäude von Google Schweiz an der Europaallee in Zürich.
Im Hauptgebäude von Google Schweiz an der Europaallee in Zürich.
Foto: Keystone

Die Tatsache, dass sich die Nutzerinnen und Nutzer nun aktiv für oder gegen die Vernetzung der Google-Dienste entscheiden müssen, dürfte in den kommenden Debatten eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Schliesslich kann Google künftig argumentieren, Nutzerinnen und Nutzer hätten sich aktiv dafür entschieden und seien da nicht unwissend hineingetrickst worden.

Und jetzt?

Aber was bedeutet das nun für einen selbst? Wie fast immer im Leben und insbesondere im Umgang mit Techkonzernen gibt es auch hier weder Schwarz noch Weiss: Wer Google für eine Datenkrake hält, ist besser beraten, komplett auf die Dienste des Techkonzerns zu verzichten, als bloss «intelligente Funktionen» zu deaktivieren.

Ansonsten kann man sorglos im Pop-up-Fenster die vorgeschlagenen Funktionen mal deaktivieren und schauen, ob man im Alltag einen Unterschied merkt oder gar etwas vermisst. Schliesslich lässt sich alles wieder reaktivieren.

13 Kommentare
    Sascha Zürcher

    Brauche Gmail nicht. Habe seit 1 Jahren 2 Websites mit Mail-Service