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Fragen beim MittagessenWas passiert, wenn man den Löffel abgibt?

Die Ask-Force beugt sich über Tafelgeräte und erörtert existenzielle Fragestellungen.

Es gibt immer wieder Menschen, die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren werden. Sie stehen meist auf der Sonnenseite des Lebens und wechseln erst mit dem Tod auf die Schattenseite.
Es gibt immer wieder Menschen, die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren werden. Sie stehen meist auf der Sonnenseite des Lebens und wechseln erst mit dem Tod auf die Schattenseite.
Foto: Roland Schmid

Ein Leser hat kürzlich im Verbund mit Tischgenossen gespeist und dabei eine angeregte Konversation geführt. Nun gut, Herr Z. drückt sich etwas salopper aus: «Als wir kürzlich das Mittagessen in uns hineinschaufelten, kamen aufgrund der Beschaffenheit des Esswerkzeuges die ganz grossen Fragen nach Leben und Tod auf.» Was auf dem Menü stand, gibt Herr Z. nicht preis, auch nicht die Höhe der «Dolorosa», der Rechnung. Aber solche weltlichen Fragen rücken in den Hintergrund, wenn man die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens überdenkt: «Wer nimmt eigentlich den Löffel entgegen, wenn man ihn abgibt?» Das fragt sich unser Leser und auch, ob man eine Quittung bekommt oder allenfalls ein Depot zurückerhält.

Der Löffel gilt als universelles Tafelgerät, das schon seit Tausenden von Jahren in Gebrauch steht und den Menschen davon befreit hat, sich beim Essen die Finger schmutzig machen zu müssen. Seine Form ist der hohlen Hand nachempfunden. Einige sagen, der Sensenmann nehme die Löffel jeweils in Empfang, doch seine Mediensprecherin teilt auf Anfrage unmissverständlich mit, der Sensenmann habe an seinem unhandlichen Schnittwerkzeug schon schwer genug zu tragen. Wohin damit also?

Die einfachste Lösung: Der Löffel gehört zurück in die Küche und muss darum dem Koch oder der Köchin abgegeben werden. Und wenn dort niemand auffindbar ist, der ihn entgegennehmen kann? Dann bitte gut abgeleckt auf den Tisch legen. Denn aus der Küche ist der Löffel gekommen, und in die Küche muss der Löffel zurück. Eine Quittung einzufordern, ist nur dann sinnvoll, wenn man beabsichtigt, wiedergeboren zu werden.

Herr Z. spricht auch den Spezialfall an, wenn jemand mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wird. Dabei ist es meist unsicher, ob dieser Geburtslöffel noch vorhanden ist, er könnte im Laufe der Jahre auch verloren gegangen sein. Im Zweifelsfall würden wir auch diesen abgeben – aber nur als Erbstück an nahe Familienangehörige. Wissenswert ist übrigens noch, dass Hasen beim Hinschied immer zwei Löffel abgeben.

Wenn man die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hataskforce@derbund.ch