Zum Hauptinhalt springen

Never Mind the Markets: InflationsgefahrWas die US-Debatte für uns bedeutet

Ökonomen befürchten, das Corona-Hilfspaket der Biden-Regierung könnte eine Inflation auslösen. Droht eine solche auch hierzulande?

Er will mit 1,9 Billionen Dollar gegen die Krise ankämpfen: US-Präsident Joe Biden.
Er will mit 1,9 Billionen Dollar gegen die Krise ankämpfen: US-Präsident Joe Biden.
Foto: Alex Wong (Getty Images)

Dass in den USA mit Larry Summers ausgerechnet ein der Biden-Regierung nahestehender Ökonom und Ex-Finanzminister Kritik am geplanten Ausgabenpaket äussert, sorgt für Aufsehen: Summers befürchtet vor allem zwei Konsequenzen: Die weiteren 1,9 Billionen Dollar könnten zur Inflation führen, und die Regierung könnte deshalb für später nötige Ausgaben vor allem im Zusammenhang mit dem Klimawandel keine Mehrheiten mehr finden.

Die Debatte über die Tragfähigkeit der durch die Krise bedingten Ausgaben wird auch in der Schweiz geführt. Das Land kann die Kosten zur Rettung der durch die Corona-Krise gefährdeten Wirtschaftsstrukturen und Jobs besser stemmen als die USA, und sie sind nötig, um grösseren Schaden abzuwenden.

Das Geld dürfte bei einer Beruhigung der Lage in den Konsum fliessen und könnte so die Preise etwas befeuern.

Dass die Ausgaben zu einer gefährlich hohen Inflation führen, ist hierzulande so gut wie ausgeschlossen. Es ist zwar möglich, dass es auch hier zu einem Nachfrageschub kommen kann, der zu einem Anstieg des Preisniveaus führt. Immerhin ist die Sparquote der Bevölkerung angesichts eingeschränkter Konsummöglichkeiten deutlich gestiegen. Das Geld dürfte bei einer Beruhigung der Lage in den Konsum fliessen und könnte so die Preise etwas befeuern.

Doch würde es sich dann um einen einmaligen Effekt handeln und eher zu einer Normalisierung als zu einer Übertreibung führen. Von einer Inflation kann erst gesprochen werden, wenn Preise und Löhne ständig weiterwachsen, weil dies Unternehmen und Arbeitnehmer auch so erwarten. Anders als von Summers für die USA berechnet, übersteigen die zusätzlichen Staatsausgaben in der Schweiz den Ausfall an Wirtschaftsleistung nicht um ein Mehrfaches. Eine höhere Inflation in einigen Jahren ist nicht ausgeschlossen, aber sie wäre nicht die Folge der aktuellen Rettungsmassnahmen.

Wie steht es um die Gefahr eines eingeengten politischen Spielraums für künftig nötige Ausgaben? Das hat vor allem wegen der Schuldenbremse für die Schweiz Bedeutung. Die Schuldenbremse sieht zwar vor, dass eine Zusatzverschuldung aus ausserordentlichen Gründen wie die Corona-Krise über längere Zeit abgeschrieben werden kann. Aber wie lange das ist, ist ein politischer Entscheid. Und selbst dann wird die vorgesehene Rückzahlung den Spielraum in Zukunft einschränken. Bleibt zu hoffen, dass die Wirtschaft bis dann wieder stark zulegt, dann fällt das weniger ins Gewicht.

10 Kommentare
    Thomas Hartl

    Natürlich erzeugen die grossen Hilfspakete Inflation, allerdings wird sie auch diesmal zum grossen Teil in steigenden Preisen für Aktien, Immobilien, Kunst und Edelmetallen hängen bleiben. Einige Konsumprodukte werden vielleicht kurzfristig teurer, wenn Lieferketten stocken oder Produktionsanlagen überlastet sind, längerfristig pendelt sich das aber wieder ein, denn die Konsumpreise müssen sich an den Löhnen orientieren, die ja seit Jahren kaum steigen.