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Glosse über fehlende Doktortitel«Was bist du jetzt? Nid vil?»

Ein akademischer Grad ist schon etwas Erstrebenswertes, aber zum Doktortitel hat es leider nicht gereicht. Und dann trifft man auf einen Arzt namens Hirzel, der einen mit seiner legeren Haltung nachhaltig irritiert.

Grüezi, die Herren Doktoren! Vier Männer in Weiss mit dem Dr. auf dem Namensschild. Herr Hirzel ist allerdings nicht unter ihnen.
Grüezi, die Herren Doktoren! Vier Männer in Weiss mit dem Dr. auf dem Namensschild. Herr Hirzel ist allerdings nicht unter ihnen.
Foto: Kostas Maros 

Als es endlich wider Erwarten doch noch passierte und ich nach langen Jahren eines von Unterbrüchen und Sinnkrisen geprägten geisteswissenschaftlichen Studiums unter Aufbietung der letzten Kräfte einen gar nicht so üblen Abschluss machte, fragte mich meine Grossmutter eher beiläufig: «Bist du jetzt ein Doktor?» Ich verneinte betrübt. Ob ich denn überhaupt einen Titel erworben habe, wollte sie wissen. Ich räusperte mich kurz und sagte: «Doch. Lic. philSie legte die Stirn in Falten und fragte nach einer Pause zurück: «Nid vil?»

Das alles passierte noch vor der Einführung des Bologna-Systems. Heute darf ich mich Master nennen, das ist das Äquivalent zu «nid vil». Aber ein Doktor ist aus mir leider nicht geworden, eine mittlerweile ganz übel riechende «Dissertationsleiche» modert irgendwo auf dem Estrich vor sich hin. Und sich in unseren Breitengraden mit «Herr Master» ansprechen zu lassen, das würde weniger mein Prestige mehren als meine Lächerlichkeit betonen.

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