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Warum immer eine Silbe zu früh?

Die «Ask-Force» - heute mit einer genialen Pointe.

Herr H. T., der das Privileg hat, am schönen Thunersee zu hausen, ist ein Ask-Force-Habitué. Und als solcher ist ihm natürlich bewusst, dass das Gremium tagtäglich mit einer Flut von Fragen überschwemmt wird, durch die es sich erst mühevoll kämpfen muss. Um uns unsere Arbeit ein wenig zu erleichtern, macht Herr T. zuerst ein paar Angaben zur «Triage».

Diese sind in der Tat sehr hilfreich, herzlichen Dank, Herr T. Bereits der erste Punkt hat uns überzeugt. Herr T. weist darauf hin, dass seine Frage «unwichtig» sei. Genau das Richtige am Tag zwei nach den Stadtberner Wahlen. Wäre doch schade, eine wirklich wichtige Frage zu verbraten, wenn doch sowieso kaum jemand diese Kolumne liest.

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Herr T. vom Thunersee will von uns also Folgendes wissen: «Warum betonen Deutschschweizer französische Wörter mindestens eine Silbe früher als Romands und Franzosen?» Ihm falle auf, fügt er dann an, dass viele Deutschschweizer dabei auch noch der festen Überzeugung seien, ihre Betonung sei richtig. «Können sie nicht zuhören? Kommen daher die Probleme mit Bruxelles?» Eine interessante These, Herr T. Wir werden allerdings gar nicht darauf eingehen, da wir Ihre Frage auf keinen Fall wichtiger machen wollen, als sie ist.

Und wenn Sie mal einem Franzosen zuhören, der Deutsch spricht . . .

Hingegen gehen wir mit Ihnen einig, dass viele Deutschschweizer davon ausgehen, dass ihre Betonung im Französischen korrekt sei, auch wenn sie das ganz und gar nicht ist. Dies dürfen Sie den Deutschschweizern aber nicht verübeln, sie übernehmen halt einfach den Singsang ihrer eigenen Sprache und wenden ihn auch im Französischen an.

Im Deutschen und ihm verwandten Dialekten liegt der Wortakzent häufig auf der Stammsilbe, welche oftmals die erste Silbe eines Wortes ist. Die Franzosen gehen da halt ein wenig anders vor: Sie betonen stets den letzten Vokal einer Anreihung von Worten oder eines Satzes. Und wenn Sie mal einem Franzosen zuhören, der Deutsch spricht, fällt Ihnen vielleicht auf, dass er seinen Singsang auch zu einem gewissen Grad übernimmt. Und wer weiss, vielleicht ist er auch der felsenfesten Überzeugung, dass seine Betonung richtig ist.

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Und noch etwas: Es gibt durchaus auch Romands, die die erste Silbe betonen. Eine breit angelegte Studie renommierter Linguistikstudenten hat ergeben, dass dies auf unsere hügelige Topografie zurückzuführen ist. Ein stetiges Rauf und Runter sozusagen. Eine andere Theorie besagt, dass es unter den Welschen – vorwiegend unter den Waadtländern – viele gibt, die noch immer glauben (oder es sich zumindest sehnsüchtig wünschen), sie stünden unter der Herrschaft Berns und müssten sich daher zumindest aussprachlich anpassen.

Für eine unwichtige Frage haben wir schon ziemlich ausführlich geantwortet, weshalb wir hier einen Schlussstrich ziehen. Sollten Sie weitere Infos brauchen, wenden Sie sich einfach an die nächste Betonfabrik.