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Kolumne Katja FrühWarum heisst es «das Grosi»?

Wieso bin ich plötzlich sächlich? Vor kurzem war ich doch noch weiblich. Ein Beitrag zur Sprachdebatte.

Kürzlich sah ich auf einem Zürcher Bus eine riesige bunte Werbung, auf der eine alte Frau mit Ribel, Bürzi (was ist der deutsche Ausdruck dafür?) abgebildet war. Darüber stand in grossen Lettern: «Wir fahren so, wie wenn dein Grosi an Bord wäre.»

Das ist natürlich nett gemeint von den Verkehrsbetrieben, schliesslich geht es um Rücksicht und Sicherheit für alte Leute. Aber trotzdem war ich beleidigt, denn schliesslich war ja ich damit gemeint. Dein Grosi? DAS Grosi?? Also bitte! Wieso bin ich plötzlich sächlich? Vor kurzem war ich doch noch weiblich. Und ich überlegte: Ist weiblich sein besser als sächlich sein? Ist es nicht vielmehr so, dass wenn man von einer Frau zu einem Ding wird, man befreit ist von vielen Sachen, zum Beispiel vom Salatessen oder vom Bikram Yoga? Muss man sich dann vielleicht nicht mehr allem unterwerfen, was man als eine Sie so selbstverständlich tut? Muss ich mich dann nicht mehr optimieren, geistig, spirituell, aber vor allem körperlich? Kein Self-Care mehr? Kein Clean-Eating oder Detoxing? Kann man dann einfach leben, ohne einen Lifestyle zu haben? Tönt nicht übel. Vielleicht hätte ich mich schon immer sächlich bezeichnen sollen.

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