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Geldblog: StaatsgarantieWarum Banken auch Kunden ablehnen

Bei Kantonalbanken mit Staatsgarantie profitiert man von einem erhöhten Einlagenschutz – allerdings müssen die Banken nicht alle Kunden akzeptieren.

Das funktioniert: Man kann im Kanton Zug wohnen, aber dennoch bei der Zürcher Kantonalbank ein Konto eröffnen.
Das funktioniert: Man kann im Kanton Zug wohnen, aber dennoch bei der Zürcher Kantonalbank ein Konto eröffnen.
Illustration: Christina Baeriswyl

Gilt die Staatsgarantie bei Kantonalbanken auch für Einlagen von Gläubigern mit Wohnsitz in einem anderen Kanton? Und wie verhält es sich für ausländische Staatsangehörige mit Wohnsitz ausserhalb der Schweiz? Leserfrage von B.S.

In der Schweiz haben wir 24 Kantonalbanken. Identisch sind diese aber keineswegs. Von den 24 Instituten haben 21 eine unbeschränkte Staatsgarantie. Keine Staatsgarantie bieten die Genfer Kantonalbank, die Waadtländische Kantonalbank und die Berner Kantonalbank.

Obwohl sie keine Kantonalbank ist, hatte früher auch die dem Bund gehörende Postfinance eine Staatsgarantie. Doch heute hat auch Postfinance keine Staatsgarantie mehr.

Bei den Kantonalbanken gibt es nicht nur punkto Staatsgarantie Unterschiede. Auch bei den Rechtsformen und der organisatorischen Ausgestaltung gibt es je nach Institut unterschiedliche Formen, da die Verantwortung dafür bei den Kantonen liegt, welche die Kantonalbanken entweder vollständig oder teilweise besitzen. Laut einer Aufstellung des Kantonalbanken-Verbandes sind 15 Kantonalbanken öffentlich-rechtliche Körperschaften und neun als Aktiengesellschaften organisiert, wobei diese je nach spezifischen Bedürfnissen der Eigner als privatrechtliche, gemischtwirtschaftliche oder spezialgesetzliche Aktiengesellschaften ausgestaltet sind.

Die Kantone müssten gewährleisten, dass den Gläubigern kein Verlust entsteht.

Ihre Frage bezieht sich allerdings weniger auf die Organisationsformen der Kantonalbanken, sondern auf deren Garantien. Bei den 21 Instituten, die über eine unbeschränkte Staatsgarantie verfügen, haftet der jeweilige Kanton im Insolvenzfall für die Verbindlichkeiten seiner Bank. Die Kantone müssten somit gewährleisten, dass den Gläubigern kein Verlust entsteht. Unterschieden wird aber nicht, ob jemand Bürgerin oder Bürger eines bestimmten Kantons oder Landes ist.

Die Staatsgarantie bei den 21 Instituten bezieht sich auf die Kundinnen und Kunden der einzelnen Kantonalbanken. Sie können beispielsweise im Kanton Zug wohnen, aber dennoch bei der Nidwaldner Kantonalbank oder bei der Zürcher Kantonalbank ein Konto eröffnen. Dann sind Sie Kunde der jeweiligen Bankund Ihre Einlagen sind durch die Staatsgarantie der Bank, bei der Sie Kunde sind, geschützt.

Das gilt auch dann, wenn jemand nicht Schweizerin oder Schweizer ist. Nicht der Wohnsitz ist in erster Linie entscheidend, sondern der Umstand, ob jemand bei dem Institut Kundin oder Kunde ist.

Eine Staatsgarantie durch den Kanton ist für eine Bank ein grosser Pluspunkt.

Nun steht es den einzelnen Banken allerdings frei, wen sie als Kunde akzeptieren und wen nicht. Viele Banken lehnen Kunden aus dem Ausland oder zumindest Kunden aus bestimmten Ländern ab. Im Fall der Kantonalbanken ist es sinnvoll, dass sich diese auf Kundschaft aus der Schweiz und insbesondere aus Ihrem Kanton fokussieren.

Wenn jemand von einer Kantonalbank als Kunde aufgenommen ist, profitiert er bei den 21 Instituten mit Staatsgarantie auch vom Schutz der Einlagen durch die unbeschränkte Staatsgarantie. Eine solche Staatsgarantie durch den Kanton ist für eine Bank gerade in unsicheren Zeiten ein grosser Pluspunkt. So gehört etwa die Zürcher Kantonalbank zu den wenigen Banken weltweit, die ein Triple-A-Rating aufweisen: Das macht sie zu einer der sichersten Banken überhaupt.

Die unbeschränkte Staatsgarantie eines Kantons gibt es üblicherweise aber nicht kostenlos. Basierend auf den Regelungen in den einzelnen Kantonen gelten die Kantonalbanken diese Garantie mit einer finanziellen Entschädigung und/oder der Erfüllung eines Leistungsauftrags ab.

3 Kommentare
    Georges Maurer

    Für Auslandschweizer, vor allem aus überseeischen Ländern wie Brasilien, wird es immer schwieriger auf einer Schweizer Bank ein Konto aufrechtzuerhalten, geschweige denn, ein neues Konto zu eröffnen. Es sei denn, es handle sich um einen Kontostand oder Ersteinlage von mindestens 500.000,00 bis 1 Million Franken. In diesem Fall haben die Banken absolut keine Bedenken. Bei niedrigeren Beträgen werden juristische Gründe oder die Umstellung der Geschäftspolitik angegeben, um bestehende Konten zu schliessen oder die Eröffnung von neuen Konten abzulehnen.

    Die PostFinance ist - noch - einige der wenigen Ausnahmen. Die Kantonalbanken sollten meiner Meinung nach Auslandschweizern mit dem diesbezüglichen Kantonsbürgerrecht ein Bankkonto nicht verweigern dürfen. Die allermeisten Auslandschweizer sind ehrliche Menschen und keine Geldwäscher, Steuerhinterzieher oder noch schlimmeres und hätten gerne in der Schweiz ein Franken-Konto für Notfälle und/oder um die AHV-Rente zu beziehen. Von den Banken, vor allem von den Kantonalbanken könnte man etwas mehr Solidarität mit der 5. Schweiz erwarten.