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Graubünden: Ein Umbruch steht an

Die Nationalratswahlen in Graubünden sind der erste echte Gradmesser für SVP und BDP. So offen die Ausgangslage hier ist, so klar sind die Ständeratswahlen bereits entschieden.

Er könnte alle Prognosen über den Haufen werfen: Josias Gasser, Kantonsrat der GLP, ist seit drei Jahren im Steigflug und will in den Nationalrat.
Er könnte alle Prognosen über den Haufen werfen: Josias Gasser, Kantonsrat der GLP, ist seit drei Jahren im Steigflug und will in den Nationalrat.
Keystone

Wahlziel der SVP ist es, einen der fünf Nationalratssitze zu holen. Die Chancen sind intakt: 2007 erreichte die SVP einen Wähleranteil von respektablen 34,7 Prozent, über zehn Prozentpunkte mehr als die zweitplatzierte SP mit 23,7 Prozent. Die Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf anstelle von Christoph Blocher im Dezember 2007 in den Bundesrat und der Rauswurf der kantonalen SVP aus der Mutterpartei durchpflügten dann die Parteienlandschaft. Nach der Neugründung unter dem Namen BDP spaltete sich ein Teil der Mitglieder ab und etablierte eine SVP, die auf der Linie der Zürcher Kantonalpartei politisiert.

Für BDP und SVP sind die Nationalratswahlen der erste echte Gradmesser der Wähleranteile, die sich bei den Grossratswahlen letztes Jahr wegen des Majorzsystems nicht ermitteln liessen. Die SVP hat eigenen Angaben zufolge 2200 Mitglieder, die BDP 2800. Sollten sich die Mitgliederzahlen in etwa in den Wähleranteilen spiegeln, kommen BDP und SVP auf rund 17 Prozent. Unter diesem Umständen hätte die SVP ihr Nationalratsmandat auf sicher, denn in Graubünden braucht es für einen Sitz 16,7 Prozent der Wählerstimmen.

Grünliberaler mit steilem Aufstieg

Als Favorit für den Nationalratssitz unter den 20 SVP-Kandidatinnen und -Kandidaten wird der frühere Chef des Amtes für Polizei und Zivilstandwesen genannt: Heinz Brand. Der Mann hat Wahlkampferfahrung, er kam bei den Regierungsratswahlen im vergangenen Jahr auf über 13'000 Stimmen. Für einen Exekutivsitz reichte es trotzdem nicht. Aufgrund der Wähleranteile vor vier Jahren hätten alle grösseren Parteien das Zeug, einen Sitz im Nationalrat zu holen. Das würde bedeuten, dass die SVP ihr Mandat auf Kosten der BDP, die zwei Sitze hält, erobern würde.

Die Prognosen über den Haufen werfen könnte allerdings ein Mann: Josias Gasser von den Grünliberalen (GLP) aus Chur. Der omnipräsente Unternehmer ist seit drei Jahren im Steigflug. 2008 zog er, kurz nach der Parteigründung, in das Churer Stadtparlament ein, zwei Jahre später in den Grossen Rat. Die Grünliberalen setzen alle Hebel in Bewegung, um ihren Top-Kandidaten in die grosse Kammer zu bringen. Die Partei ging mit der SP und den Grünen eine Listenverbindung ein, was den Bürgerlichen sauer aufstiess. Sie befürchten, Gasser könnte der politischen Linken zu einem zweiten Nationalratsmandat verhelfen.

Fünf Rücktritte

Die Nationalratswahlen in Graubünden sind nicht nur parteipolitisch spannend. Auch personell steht ein Umbruch an. Aus der grossen Kammer ziehen sich Brigitta Gadient (BDP), Sep Cathomas (CVP) sowie Andrea Hämmerle (SP) zurück. Nur Tarzisius Caviezel (FDP) und Hansjörg Hassler (BDP) treten mit dem Bisherigen-Bonus an.

Insgesamt kandidieren 69 Personen, 17 Frauen und 52 Männer, auf 15 Listen für den Nationalrat. BDP, CVP und FDP gingen keine Listenverbindung ein. Der Verbund scheiterte am Nein des Freisinns. Links der politischen Mitte verbinden SP, Grüne und Grünliberale ihre Listen.

Ständerat: Bleierne Monotonie

So spannend die Nationalratswahlen sind, im Kampf um die Nachfolge der zurücktretenden Ständeräte Christoffel Brändli (SVP) und Theo Maissen (CVP) herrscht bleierne Monotonie. Für die SVP bedeutet Brändlis Rücktritt den Verlust des Mandates. Die Partei kämpft gar nicht um diesen Sitz.

In den Startpflöcken stehen zwei politische Schwergewichte: Alt-Regierungsrat Stefan Engler von der CVP und Finanzdirektor Martin Schmid von der FDP. Die beiden können sich bereits als gewählt betrachten, keine einzige Partei hat einen Gegenkandidaten oder eine -kandidatin nominiert.

SDA

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