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St. Gallen: Grünliberale als lachende Dritte?

Die St. Galler BDP hat ihre Wahlchancen bei den Nationalratswahlen mit dem Fall «Gehrig» bereits verspielt. Für den Ständerat duellieren sich Toni Brunner (SVP) und Karin Keller-Sutter (FDP).

Könnte den Grünliberalen einen Sitz in Bern bescheren: Margrit Kessler, Patientenschützerin und Nationalratskandidatin.
Könnte den Grünliberalen einen Sitz in Bern bescheren: Margrit Kessler, Patientenschützerin und Nationalratskandidatin.
Keystone

Die Grünliberalen versuchen, mit Patientenschützerin Margrit Kessler den Sprung nach Bern zu schaffen. Jürg Gehrig, Ständeratskandidat und Spitzenkandidat auf der Nationalratsliste der St. Galler BDP, warf Ende September das Handtuch. Nachdem bekannt wurde, dass die St. Galler Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen ihn führt, geriet der 58-jährige Unternehmer auch von der eigenen Partei unter Beschuss. Daraufhin zog er seine Kandidaturen zurück.

Im Kanton St. Gallen treten elf von 12 Bisherigen für eine weitere Amtsperiode im Nationalrat an. Einzig SVP-Nationalrat Theophil Pfister zieht sich aus der nationalen Politik zurück.

Stadt-Land-Graben

Die beiden Bisherigen von der SP, Paul Rechsteiner und Hildegard Fässler, scheinen gesetzt. Nationalrätin Yvonne Gilli von den Grünen dient der Ständerats-Wahlkampf als zusätzliche Plattform. Linke und Grüne ziehen gemeinsam in die Wahl. Auffällig im Kanton St. Gallen ist der Stadt-Land-Graben: Im Nationalrat ist die Kantonshauptstadt heute einzig mit Gewerkschaftsbund-Präsident Paul Rechsteiner vertreten. Daran wird sich wohl auch bei den kommenden Wahlen nichts ändern. Die Grünen setzen trotzdem auf «Städter»: 75 Prozent ihrer Kandidierenden kommen aus einer Stadt mit mehr als 10'000 Einwohnern.

Bei der CVP und der SVP stammt nur gut ein Drittel der Kandidierenden aus den grösseren Städten. Jeder zweite Kandidat der SVP wohnt in einer Gemeinde mit höchstens 5000 Einwohnern.

Kampf um Überläufer-Sitz

Besonderes Augenmerk gilt dem Nationalratssitz von Thomas Müller. Der Stadtpräsident von Rorschach kandidiert auf der Liste der SVP. Müller, der früher am rechten Rand der CVP politisierte, lief Anfang Jahr zur SVP über. Damit steht die CVP bei den kommenden Wahlen mit nur noch zwei Bisherigen da. Die CVP will sich ihren dritten Sitz zurückholen - was schwierig wird. Mit einer Listenverbindung mit der EVP versucht sie, die Kräfte in der politischen Mitte zu bündeln.

Vor vier Jahren standen im Kanton St. Gallen vor allem Bauern und Junge in der Gunst der Wählerschaft. Von den zwölf Bisherigen sind vier Landwirte. Der St. Galler Bauernverband unterstützt noch vier weitere bäuerliche Kandidaten, zwei von der CVP sowie je ein Vertreter der EVP und der SVP.

Berechtigte Hoffnungen der Grünliberalen

Bauer sein allein genügt aber noch nicht für ein Mandat im Nationalrat. Bei der SVP wackelt der Sitz des Sarganserländer Landwirts Elmar Bigger. Nach dem Konkurs der Produzenten- Milchverwerter-Organisation (PMO), deren Präsident Bigger war, sind viele St. Galler Bauern über den SVP-Nationalrat verärgert.

Die FDP wird nach dem enttäuschenden Abschneiden vor vier Jahren und dem Sitzverlust auch 2011 nicht über ein Mandat hinauskommen. Nachdem die Listenverbindung mit der BDP geplatzt ist, steht die FDP ohne parteiübergreifendes Bündnis da. Die Grünliberalen (glp), neuer Partner der BDP, dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf einen Sitzgewinn machen. Mit Patientenschützerin Margrit Kessler hat sich die Partei eine schweizweit prominente Spitzenkandidatin ins Boot geholt.

Ständerat: Zweiter Wahlgang wahrscheinlich

Bei den Ständeratswahlen ist die Ausgangslage spannend. Toni Brunner dürfte sich im ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit FDP-Regierungsrätin Karin Keller-Sutter liefern. Neben Brunner und Keller-Sutter treten am 23. Oktober Eugen David (CVP, bisher), Paul Rechsteiner (SP) und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne) an.

Im ersten Wahlgang wird kaum einer der fünf Kandidaten das absolute Mehr erreichen - genau wie vor vier Jahren, als Brunner das beste Ergebnis erzielte. Im zweiten Wahlgang schnürten die Bürgerlichen ein «Päckli» und erreichten nach dem Verzicht der SP die Wiederwahl von Erika Forster (FDP) und Eugen David (CVP).

SDA

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