«Das C ist für die CVP Zürich ein Problem»

Mirjam Arnold sorgte bei den letzten Nationalratswahlen für Aufregung, als sie sich bis auf die Unterwäsche auszog. Jetzt tritt sie nochmals an – und kritisiert SP und SVP.

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Simon Schmid@schmid_simon

Die Politik wurde ihr gewissermassen in die Wiege gelegt: Mirjam Arnold ist die Tochter des ehemaligen CVP-Kantonalpräsidenten Markus Arnold. Sie engagiert sich seit ihrer Jugend politisch, in den Vorstand der Jungen CVP Zürich kam sie mit 19, in denjenigen der Schweizer JCVP mit 20 Jahren. Den Einzug in den Kantonsrat hat sie im Frühling verfehlt, trotzdem kandidiert sie nun für den Nationalrat – um ein gutes Ergebnis zu erzielen und Erfahrung im Wahlkampf zu sammeln, wie sie erklärt.

Der CVP sei sie aber «nicht nur wegen der Familie» beigetreten, sagt die Jungpolitikerin, die noch bei ihren Eltern in Oberrieden wohnt. Sondern auch nach einer gründlichen Abwägung der verschiedenen Optionen: Die grünliberale Partei interessiere sich zu wenig für Familien, die SP mache «zu wenig umsetzbare Politik». An der CVP schätzt sie vor allem die Vielfalt an Standpunkten – wobei sich Arnold gerne auch quer zur dominanten Meinung stellt. Die 23-Jährige fordert, dass kinderlose Paare mehr in die AHV einzahlen sollen als Familien. Diese Ansicht im Vorstand der jungen CVP durchzusetzen, habe einiges an Überzeugungsarbeit gebraucht, erzählt sie.

Mirjam Arnold, haben Sie ein persönliches Vorbild in der Politik? Letztes Jahr arbeitete ich als Assistentin für die Zürcher Nationalrätin Barbara Schmid-Federer. Sie ist engagiert, mutig und konsequent.

Was unterscheidet Sie von Ihren älteren Parteikollegen? Andere Interessen, zum Beispiel bei der Altersvorsorge. Wir Jungen sind konkret davon betroffen, dass der AHV das Geld ausgehen könnte.

Was stört Sie am meisten in der Schweizer Politik? SP und SVP haben die notwendige AHV-Revision zum Scheitern gebracht. Bei Themen wie diesen vermisse ich die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welches Gesetz würden Sie einführen? Ich würde das Rentenalter erhöhen.

Welches Gesetz würden Sie abschaffen? Den Nachtzuschlag bei der S-Bahn.

Mit Mirjam Arnold kommt eine «offene, kommunikative und ehrliche» junge Persönlichkeit in die Politik: Dies sagt Mentorin ihre Mentorin Barbara Schmid-Federer. Trotz ihres jungen Alters habe sich die Jungpolitikerin aber schon sehr klare Meinungen gebildet, so Schmid. Arnold scheue sich nicht, unpopuläre Standpunkte von anderen Personen zu vertreten – vor allem, wenn es um ihr Spezialthema, die Bildungspolitik, gehe. Beeindruckt sei sie gewesen, als Arnold an einer Schulveranstaltung Eltern in die Schranken gewiesen habe, um den vielbeschäftigten Lehrpersonen den Rücken zu stärken.

«Heute wollen alle einen Universitätsabschluss», sagt Arnold, die selbst eine Lehre gemacht und später die Fachhochschule in Wirtschaftsrecht abgeschlossen hat. Die Jungpolitikerin fordert eine «bodenständige Bildungspolitik» – in vollem Wissen um den Stellenwert der Bildung im rohstoffarmen Land Schweiz. Ausserdem pocht sie darauf, dass die umstrittene Harmos-Reform in der ganzen Schweiz umgesetzt wird. «Etwas ungeduldig» sei sie schon, räumt Arnold ein. Hartnäckig ist sie auf jeden Fall.

Beachtung ist ihr gewiss

Die Meisterdisziplin der Mirjam Arnold scheint jedoch die Provokation zu sein. Angesprochen auf die Kantonsratswahlen sagt sie, dass sich das christliche «C», das ihre Partei im Namen trägt, im Frühling als Stolperstein erwiesen habe. Junge Leute würden die CVP überwiegend als Religionspartei, aber nicht als umweltbewusste Partei wahrnehmen. Vom sogenannten Fukushima-Effekt hätten die Grünliberalen deshalb besser Profit schlagen können als die CVP, so Arnold.

Auch der Auftritt im Migros-Dessous, zu dem sich Mirjam Arnold vor vier Jahren hinreissen liess, passt zum Bild der selbstbewussten Jungpolitikerin. Auf die Frage, ob sie heute erneut für eine Werbekampagne in Unterhöschen und BH posieren würde, weicht die Oberriednerin aus: «Die Kampagne hat meinen Bekanntheitsgrad erhöht.» Insofern habe sich die Aktion gelohnt, und sie stehe noch immer dazu. Heute aber käme ein solcher Auftritt nicht mehr infrage. A propos: Die Nachwuchspolitikerin ist jetzt auch nicht mehr solo.

DerBund.ch/Newsnet

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