Zum Hauptinhalt springen

«Der Mutterschaftsurlaub sollte sechs Monate lang sein»

Stefanie Bieri schätzt die Vorzüge, die das Leben in der Stadt Zürich für sie und ihre Familie mit sich bringt. Etwas fehlt der Mutter dreier Kinder allerdings noch.

Die dreifache Mutter Stefanie Bieri wählt lieber stille Schaffer als laute Schwätzer. Sie geht regelmässig an die Urne. Foto: Dominique Meienberg
Die dreifache Mutter Stefanie Bieri wählt lieber stille Schaffer als laute Schwätzer. Sie geht regelmässig an die Urne. Foto: Dominique Meienberg

Stefanie Bieri wohnt mit ihrem Mann und ihren drei Buben im kinderreichsten Quartier der Stadt Zürich. Der Weg zu ihrer 4½-Zimmer-Wohnung ist gesäumt von Bobbycars, Veloanhängern und Spielsachen. Die Siedlung Grünmatt im Friesenberg-Quartier ist ein klassisches Beispiel für verdichtetes Bauen. Über 480 Personen leben hier – 170 davon sind Kinder und Teenies unter 16 Jahren. Dichtestress kommt bei Bieri allerdings nicht auf. «Ich bin ein Rudeltier. Ich mag es, wenn viel los ist.» Abgesehen davon sei es ein Glück, in dieser Genossenschaftssiedlung am Stadtrand wohnen zu können. «Wir haben hier alle Vorzüge des Landlebens und sind trotzdem in wenigen Minuten mitten in Zürich.»

Wenig Zeit für globale Themen

Ihr Jüngster wacht gerade auf. Sie nimmt den sechs Monate alten Jungen hoch auf den Arm. Die beiden Älteren sind in der Schule und im Kindergarten. In wenigen Wochen wird sie ihre Tätigkeit als Sozialarbeiterin mit Teilzeitpensum wieder aufnehmen. «Ich arbeite gerne und habe Freude an meinem Beruf», sagt die 36-Jährige und knuddelt ihr Baby. Trotzdem habe sie nach jeder Geburt unbezahlten Urlaub genommen. «14 Wochen Mutterschaftsurlaub sind einfach viel zu kurz. Sechs Monate wären besser.»

Immerhin sei die Suche nach einem Krippenplatz in Zürich inzwischen kein Problem mehr. Vor acht Jahren habe sie noch grosse Mühe gehabt, für ihren ältesten Sohn eine Betreuung zu finden. «Heute ist das Angebot an Krippen- und Hortplätzen wirklich ausgezeichnet – zumindest in der Stadt.» Trotzdem ist sie eine vehemente Befürworterin von Tagesschulen. «Für die Kinder bedeutet dies weniger Wechsel bei den Bezugspersonen und Spielkameraden. Für die Eltern ist es eine organisatorische und finanzielle Entlastung.» Ansonsten gebe es nichts zu klagen, was die Qualität des Bildungssystems im Kanton Zürich anbelange. Volksschulen, Berufsschulen, Universitäten, Fachhochschulen – alles befinde sich vor der Haustür. Auch das sei einer der Vorzüge am Stadtleben, findet Bieri.

Ihr Alltag spiele sich gegenwärtig ohnehin eher in einem kleinem Radius ab, sagt sie, während sie ihrem Sohn die Brust gibt. «Globale Themen stehen nicht so im Vordergrund, wenn der Kleine gerade eine Mittelohrentzündung hat.» An die Urne gehe sie aber regelmässig. Ein Privileg, auf das sie nicht verzichten wolle. Nur liege das Abstimmungscouvert etwas länger ungeöffnet rum, seit sie Kinder habe. Der Alltag ­fordert eben seinen Tribut.

Toleranz und Offenheit wichtig

Vor allem Familien- und Sozialpolitik liegen ihr am Herzen. Deswegen gebe sie ihre Stimme seit Jahren der SP. «Weil sie sich für mehr Toleranz und Offenheit einsetzt – auch gegenüber anderen Kulturen. Das ist ganz in meinem Sinn.» Natürlich setze sie auch Kandidaten anderer Parteien auf ihre Liste, «wenn sie mich durch ihre Leistungen oder ihre Haltung überzeugen – oder wenn ich sie kenne». Stille Schaffer seien ihr auf jeden Fall lieber als «Schnurris», die zu allem ihre Meinung absondern, ohne eine Ahnung davon zu haben. «Spätestens wenn sich wieder irgendein Politiker mit Aussagen zur Sozialhilfe profilieren will, weiss ich: Es ist wieder Wahlkampf!»

Wahlen im Kanton Zürich
Wahlen im Kanton Zürich

Am 12. April werden im Kanton Zürich Parlament und Regierung gewählt. Informieren Sie sich in unserem Special-Channel über News, Trends, Kandidaten. Spielen Sie in der Wahlbörse mit und gewinnen Sie einen attraktiven Preis. Die Wahlhilfe empfiehlt Ihnen Politiker, die wie Sie denken. Geniessen Sie unsere Longforms. Und diskutieren Sie im Politblog mit.Zum Wahlspecial

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch