Frauenpower links, Männerdominanz rechts

Gemessen an den Panaschierstimmen war bei den linken Parteien Christa Ammann (AL) die populärste unter den 510 Kandidierenden für den Berner Stadtrat. Bei den anderen Parteien führte Melanie Mettler (GLP).

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Rudolf Burger

Die populärsten Kandidaten der Stadtratswahlen waren bei den Parteien von Rot-Grün-Mitte (RGM) und den übrigen Linksparteien vor allem Kandidatinnen: Wie die Tabelle zeigt, kam Christa Ammann von der Alternativen Linken mit 62,4 Panaschierstimmen auf 1000 Listen auf den höchsten Wert. Es folgt mit minimem Rückstand Leena Schmitter vom Gründen Bündnis mit 62,2 Stimmen, und erst mit etwas grösserem Abstand (55,3 Stimmen) auf Platz 3 der erste Mann, der Sozialdemokrat Rithy Chheng.

Auch auf den weiteren Rängen ist die Dominanz der Frauen auffallend: Unter diesen besten 20 sind 14 Frauen und nur 6 Männer, und mit Ausnahme von Chheng hat es kein Mann unter die ersten 10 geschafft. Wie auch die Sitzverteilung im Berner Stadtrat zeigt also auch diese Statistik, dass heute im links-grünen Spektrum der Stadt Bern überaus frauenfreundlich gewählt wird, dies insbesondere natürlich beim Grünen Bündnis: Alle 7 in dieser Tabelle, die dem GB angehören, sind Frauen. Ausgeglichen ist das Geschlechterverhältnis bei der SP, die unter den besten 20 je 4 Frauen und 4 Männer stellt.

Abgesehen von GB und SP hat es bei allen andern Linksparteien lediglich eine Person unter diese besten 20 geschafft. Auffallend ist dabei, dass die Juso-Chefin Tamara Funiciello den guten Rang 8 belegt, dass die JA-Stadträtin Seraina Patzen auf den fast ebenso guten Platz 10 kam, dass der ewige Stadtrat Luzius Theiler (GPB-DA) auf Rang 18 offenbar immer noch über eine gewisse Popularität verfügt und dass mit Manuel C. Widmer auf Rang 19 nur ein einziger Kandidat der GFL in dieser Tabelle figuriert. Das ist ein Indiz dafür, dass die GFL, die einiges grösser ist als Juso, JA und GPB-DA, im Konzert der links-grünen Parteien eher eine Aussenseiterrolle spielt.

Linke Panaschiersolidarität

Der Vergleich der beiden Tabellen und der entsprechenden Werte zeigt, dass links-grüne Kandidierende deutlich mehr Panaschierstimmen geholt haben. Im links-grünen Spektrum wird also viel fleissiger panaschiert – ein Hinweis darauf, dass die ideologischen Unterschiede unter diesen Parteien mindestens aus Sicht der Wählerschaft nicht allzu gravierend sind.

GLP profitierte von RGM

Spitzenkandidatin unter den Parteien, die nicht dem RGM-Bündnis angehören und sich nicht als «links» definieren, ist die Grünliberale Melanie Mettler. Sie holte auf 1000 parteifremden Listen 47,8 Panaschierstimmen und ist damit die Einzige, die sich auch in der Tabelle der Linksparteien hätte klassieren können (auf Rang 8). Auf den nächsten Plätzen folgen mit Sandra Ryser und Claude Grosjean 2 weitere GLP-Stadträte, und nochmals 2 GLP-Vertreter finden sich auf den Plätzen 13 und 14 (Peter Ammann, Patrick Zillig). Die Herkunft ihrer Panaschierstimmen zeigt, dass die Kandidierenden der GLP – und nur sie – auch vom linken Lager recht gut panaschiert worden sind. Die GLP wird offenbar als Partei zwischen den Blöcken wahrgenommen.

In der Rangliste der «übrigen Parteien» haben sich 7 Frauen und 13 Männer platzieren können. Nebst der GLP ist vor allem die FDP mit 6 Kandidierenden gut vertreten: Bernhard Eicher belegt mit 26,1 Panaschierstimmen auf 1000 Listen Platz 3, die Schwestern Vivianne Esseiva und Claudine Esseiva folgen dicht dahinter. Die BDP schaffte es mit allen 3 in den Stadtrat gewählten Kandidierenden unter diese besten 20; dabei konnte Philip Kohli (Rang 8) zweifellos auch von der Bekanntheit seiner Mutter und Gemeinderatskandidatin Vania Kohli profitieren. Lediglich 2 Kandidaten gehören der SVP an, Rudolf Friedli auf Rang 9 und Erich Hess auf Rang 19. Wie auch bei den Gemeinderatswahlen hat Friedli punkto Panaschierstimmen besser abgeschnitten als Hess, der sich aber dank der starken SVP-internen Unterstützung in beiden Wahlen vor Friedli platzieren konnte. Analog zur SVP stellt auch die CVP zwei Kandidierende in dieser Rangliste, und zwar die Geschwister Michael (Rang 12) und Milena Daphinoff (17). Einziger Vertreter der EVP ist Matthias Stürmer (Rang 11).

Kein Sitz für Jimy Hofer

Von den Kleinparteien in dieser Kategorie der «Übrigen» (SD, EDU, JF, Mir si Bärn/MSB) hat es nur ein Kandidat unter die besten 20 geschafft, Jimy Hofer von MSB kam auf Rang 18. Er ist unter allen 40 aber der Einzige, der nicht in den Stadtrat gewählt wurde. Um ein Mandat zu holen, reichte «Mir si Bärn» die Stimmenzahl bei weitem nicht.

Korrigendum 4. Dezember: Die Korrektur an einem Abschreibefehler führt dazu, dass sich die Tabelle zu den linken Spitzenkandidierenden leicht verändert: Seraina Patzen (Junge Alternative) brachte es auf 2055 Panaschierstimmen (falsch: 1781), was dem Wert von 52.7 Stimmen auf 1000 Listen entspricht. Damit verändern sich die Ränge 6 bis 10 in dieser Tabelle: Seraina Patzen (JA) Rang 6, Regula Tschanz (SP) Rang 7, Katharina Altas (SP) Rang 8, Tamara Funiciello (Juso) Rang 9, Stéphanie Penher (GB) Rang 10.

Weil die Resultate der Stadtratswahlen seit Freitag als Excel-Tabellen abrufbar sind, ist es möglich, diese Rangliste für alle 510 Kandidierenden getrennt für die 238 Kandidierenden von RGM und der übrigen Linksparteien sowie die 271 Kandiderenden der übrigen Parteien zu präsentieren. Zu finden sind diese beiden Tabellen hier:

Der Bund

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