Von Graffenried und Wyss wollen beim Eigerplatz bauen

Ursula Wyss (SP) will im ersten Amtsjahr eine Wohn-Offensive starten und die Mitsprache im Quartier stärken. Alec von Graffenried (GFL) will raschere Entscheide und ein Massnahmenpaket für mehr Sicherheit im Bollwerk.

Das Depot von Bernmobil beim Eigerplatz könnte bald zu einem städtebaulichen Hotspot werden.

Das Depot von Bernmobil beim Eigerplatz könnte bald zu einem städtebaulichen Hotspot werden. Bild: Franziska Rothenbühler

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Zwei Kandidierende – eine Idee: Beim Bernmobil-Depot am Eigerplatz sehen sowohl Alec von Graffenried (GFL) als auch Ursula Wyss (SP) Verdichtungspotenzial. «Bern braucht ein Stadthaus», sagt von Graffenried. Die Stadt plane zwar ein Verwaltungszentrum für die baubezogenen Abteilungen bei der Feuerwehrkaserne im Forsthaus. Dieses liege aber zu wenig nah am Zentrum. Das Bernmobil-Depot am Eigerplatz hingegen sei ein idealer Standort für den Bau eines Gebäudes, das möglichst alle Ämter der Stadtverwaltung beherbergen soll. So würden für die Verwaltung d,ie Wege kürzer und in den Quartieren werde Raum frei für Wohnungen, sagt der Kandidat fürs Berner Stadtpräsidium. Das Vorbild für die Idee ist die Kalkbreite in Zürich, wo auf einem Tramdepot ein Neubau errichtet wurde. Dabei geht es allerdings um eine Wohnüberbauung.

Wachstum als Aufgabe aller

Auch Konkurrentin Ursula Wyss hat ein Auge auf das Depot von Bernmobil geworfen – allerdings im Zusammenhang mit der von ihr geplanten Wohn-Offensive, bei der sie auf die «Verdichtung innerhalb des Siedlungsgebietes» fokussieren will. Wyss lässt es offen, ob Wohnraum auf oder sogar anstelle des Tram- und Busdepots entstehen soll. Die Überbauung Kalkbreite in Zürich hat sie ebenfalls inspiriert. «Auf dem Areal von Bernmobil liegt ein Potenzial brach, das dringend genutzt werden sollte», sagt die SP-Politikerin.

Für Wyss verfolgt die Wohn-Offensive einen ähnlichen Ansatz wie die von ihr lancierte Velo-Offensive: Ein moderates Wachstum der Stadt Bern soll nicht bloss die Aufgabe der baubezogenen Abteilungen sein, sondern bei der Arbeit aller Direktionen und Amtsstellen berücksichtigt werden. Dabei stehen die Arealentwicklungen im Viererfeld und auf dem Gaswerkareal im Vordergrund. «Die Stadt Bern braucht mehr bezahlbaren Wohnraum», sagt Wyss. Es gehe nicht nur um steigende Einwohnerzahlen, sondern auch um Lebensqualität im Wohnumfeld.

Den öffentlichen Raum «aneignen»

Wyss will deshalb die Partizipation in den Quartieren noch mehr ausbauen. «Es soll nicht ‹nur› um Mitsprache gehen, sondern um eine Aneignung des öffentlichen Raums durch die Quartierbewohnerinnen und -bewohner», sagt Wyss.

Auf starre Gestaltungspläne für Quartier-Aussenräume wolle sie verzichten. Die guerillamässige Möblierung des Stauffacherplatzes im Breitenrainquartier durch die Gelateria di Berna habe diesbezüglich ein Umdenken bei der Verwaltung bewirkt. «Bei der Gestaltung des Cäcilienplatzes ist die Stadtgärtnerei proaktiv auf die dortige Filiale der Gelateria zugegangen», sagt Wyss.

Kritik an der «Nullfehlerkultur»

Den Wohnungsbau forcieren möchte auch ihr grüner Konkurrent. «Bei Planungsvorlagen muss rascher entschieden werden», sagt von Graffenried. Dazu brauche es ambitionierte Ziele und Terminvorgaben sowie eine Abkehr von der «grassierenden Nullfehlerkultur» in der Verwaltung, die eine lähmende Wirkung auf die Amtsstellen ausübe. Der grüne Kandidat denkt aber auch an eine Reform der politischen Rechte. So hält er die Abschaffung des obligatorischen Referendums bei Planungsvorlagen für prüfenswert. «Ich denke dabei eher an die kleineren, unbestrittenen Vorlagen, für die es jeweils nicht zwingend eine Volksabstimmung brauchte», sagt von Graffenried. Auch wolle er sich für eine Erhöhung der Finanzkompetenzen von Gemeinderat und Stadtrat einsetzen. Nachts unterwegs beim Bollwerk

Über die jüngsten Gewalttaten im Raum Bollwerk-Schützenmatte-Henkerbrünnli sind die Kandidierenden erschüttert. Wyss steht für eine Fortführung des Dialogs im bisherigen Rahmen ein, wie er von Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) aufgegleist wurde. So seien in den Gesprächen zwischen der Stadt und den Betreibern der Reitschule unter der Moderation von Alt-Bundesrichter Hans Wiprächtiger Fortschritte erzielt worden. «Das Dossier Reitschule wird für mich Chefsache bleiben.» Die Stadt müsse durch die Belebung der Schützenmatte zu einer Aufwertung des Raumes beitragen, sagt Wyss. Von Graffenried möchte in Sachen Sicherheit im Raum Bollwerk «sofort aktiv» werden. «Junge Männer und Frauen sollen sich im Ausgang sicher fühlen.» Daher wolle er in Zusammenarbeit mit den städtischen Stellen, der Reitschule, dem Berner Nachtleben sowie der Kantonspolizei ein «Massnahmenbündel für mehr Sicherheit» schnüren. Dazu werde er sich der Bevölkerung gegenüber verpflichten. Schliesslich werde er nachts auch persönlich im Gebiet unterwegs sein, «um mich zu vergewissern, dass sich die Lage bessert», sagt von Graffenried. (Der Bund)

Erstellt: 25.12.2016, 09:03 Uhr

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