Grünes Bündnis für Ursula Wyss

Während das Grüne Bündnis auf die rote Ursula Wyss setzt, wollen die Rechten den grünen Alec von Graffenried.

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(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Marcello Odermatt@cellmob

Ganz klar die Frauenkarte für den zweiten Wahlgang: Das Grüne Bündnis (GB) empfiehlt «grossmehrheitlich» die Sozialdemokratin Ursula Wyss zur Wahl als Stadtpräsidentin von Bern. Das hat die Partei an ihrer Mitgliederversammlung vom Mittwochabend beschlossen. Wie GB-Parteipräsidentin Stéphanie Penher auf Anfrage sagte, bestehe 47 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts die Möglichkeit, eine Frau als erste Präsidentin der Bundesstadt zu wählen. Diese Chance gelte es zu packen.

Mit diesem Entscheid stellt sich das Grüne Bündnis zugleich gegen die grüne Partnerin, die Grüne Freie Liste (GFL), und deren Kandidaten Alec von Graffenried. Zur Diskussion stand auch eine Stimmfreigabe. Doch das Ergebnis zugunsten Wyss hat sich letztlich abgezeichnet. Denn das Grüne Bündnis hat bereits Anfang Jahr klar gemacht, dass es eine Frau als Stadpräsidentin will. Nach dem ersten Wahlgang im November hat sich seine eigene Kandidatin, Franziska Teuscher, zurückgezogen. Mit von Graffenried hätte das GB aber ebenso auf einen grünen Kandidaten setzen können, der auf kantonaler und nationaler Ebene mit dem Grünen Bündnis in derselben Partei politisiert. Entsprechend setzten sich denn auch kantonale und nationale Grünen-Politiker für den linken Bernburger-Mann ein. Doch das grüne Argument zog an der mit rund 60 Personen gut besuchten Parteiversammlung offenbar nicht.

Penher räumt ein, dass es ein Spagat gewesen sei. Deshalb betont sie: «Wir wollen nach den Wahlen mit allen Grünen zusammenarbeiten.» Egal, wer nun das Amt gewinnen werde: «Wir werden mit dem neuen Stadtpräsidenten oder der neuen Stadtpräsidentin zusammenarbeiten.» Gewonnen habe letztlich das Rot-Grün-Mitte-Bündnis, das zusammen mit rund 61,8 Prozent eine «grosse Verantwortung» übernommen habe.

GFL: Ein «legitimer» Entscheid

GFL-Präsidentin Brigitte Hilty Haller reagiert «nicht überrascht» auf die Wahlempfehlung: «Wir hätten es begrüsst, wenn das GB Alec von Graffenried unterstützt hätte», sagt sie. Das Anliegen des GB könne sie, Hilty, aber «ein Stück weit nachvollziehen». Den Entscheid beurteilt sie als «legitim». Gleichwohl ist für die GFL-Präsidentin klar: Eine organisatorische Annäherung zwischen GB und GFL, wie dies diverse Grüne immer wieder fordern, sei im nächsten Jahr «sicher nicht prioritär». «Nach dem 15. Januar brauchen wir eine Beruhigung, um gut zusammenarbeiten zu können.»

Von Graffenried erhält derweil Unterstützung von rechtsbürgerlicher Seite. Der Parteivorstand der SVP Stadt Bern empfiehlt seinen Mitgliedern einstimmig, den Kandidaten von der Grünen Freien Liste (GFL) zu wählen. Von Graffenried habe einen stärkeren Bezug zur Wirtschaft als die SP-Kandidatin Ursula Wyss, teilte die Partei gestern mit. Dies vor allem weil er beim Bauunternehmer Losinger Marazzi angestellt sei. Ausserdem traue der SVP-Parteivorstand von Graffenried eher zu, als Brückenbauer zwischen den rechten und linken Parteien zu wirken.

DerBund.ch/Newsnet

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