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Kommentar zur Kirchen-FusionVor der schwierigsten Reformation

Erst wenn das Klein-Klein der Einzelinteressen wegfällt, lässt sich konstruktiv darüber reden, welche Liegenschaften es noch braucht und welche Rolle dem Münster zugewiesen werden soll.

Die Nydeggkriche (vorne) und das Münster in der Berner Altstadt.
Die Nydeggkriche (vorne) und das Münster in der Berner Altstadt.
Manu Friedrich

Es gibt kaum Organisationen, die vom gesellschaftlichen Wandel härter getroffen werden als Kirchen. Jahrhundertelang spielten sie nahezu unangefochten die Rolle des Sinnstifters. Und nun das: Allein in der Stadt Bern hat die reformierte Kirche in den letzten 30 Jahren mehr als 40 Prozent ihrer Mitglieder verloren.

Massiv weniger Menschen in den immer noch gleichen, riesigen und teuren Gebäuden: Diese Diskrepanz droht die Kirchgemeinden zu zerreissen. Die Berner Antwort darauf ist keine neue. Es ist die gleiche wie in Zürich. Fusion lautet das Zauberwort. Die zwölf einzelnen Kirchgemeinden sollen zu einer einzigen verschmelzen.

Das Projekt, an dem seit einer gefühlten Ewigkeit gewerkelt wird, hat nun einen Meilenstein passiert. Der Fusionsvertrag liegt auf dem Tisch. Bis im November läuft eine Vernehmlassung. Abgestimmt wird irgendwann.

Was vorliegt, scheint weniger konkret zu sein als Ideen, die schon vor zwei Jahren diskutiert wurden. Damals war die Rede von einer Gemeinde mit fünf Kirchenkreisen. Solche Kreise sollen nun erst nach einer allfälligen Fusion diskutiert werden.

Das zeigt, wie delikat die Sache ist. Ist das Vorgehen zu forsch, droht das Projekt zu platzen. Das Ergebnis wäre im schlimmsten Fall eine Nullnummer. Kaum besser wäre es, wenn neben einer grossen, fusionierten Gemeinde noch einzelne kleine Gemeinden bestehen blieben - ein reformierter Flickenteppich.

Angesichts der immensen Schwierigkeiten, denen die reformierten Gemeinden in Bern gegenüberstehen, ist ein behutsames Vorgehen angezeigt. Gelingt die Fusion, wird es einfacher sein, Antworten zu finden. Denn erst wenn das Klein-Klein der Einzelinteressen wegfällt, lässt sich konstruktiv darüber reden, welche Liegenschaften es noch braucht, welche Rolle dem Münster zugewiesen werden soll und wie ein vielseitiges, reichhaltiges und zeitgemässes kirchliches Angebot in einer Stadt wie Bern aussehen könnte.