Diese Gruppen verhalfen Trump unerwartet zum Sieg

Der neue US-Präsident holte nicht nur Stimmen bei weissen, wenig gebildeten Amerikanern.

Yannick Wiget@yannickw3
Kaspar Manz@xeophin

Dass Donald Trump seinen Sieg in erster Linie weissen, nicht akademischen Schichten und eher älteren Amerikanern verdankt, ist wenig erstaunlich. Das wurde erwartet, auch wenn die Mobilisierung noch stärker ausfiel als prognostiziert. Völlig überraschend ist hingegen, dass der Republikaner auch bei Bevölkerungsgruppen punkten konnte, die den Ausschlag zugunsten seiner Rivalin Hillary Clinton geben sollten.

So hatte beispielsweise niemand damit gerechnet, dass Trump trotz seiner sexistischen Äusserungen im Wahlkampf und der Aussicht auf die erste US-Präsidentin der Geschichte derart viel Unterstützung von Frauen bekommen würde – nicht nur von weissen und wenig gebildeten.

Insgesamt holte Trump 42 Prozent der Frauenstimmen, nur 12 Prozent weniger als Clinton. Das zeigen verschiedene Analysen und Wahltagsbefragungen wie diejenige der «Washington Post». Bei weissen Frauen schwang Trump mit 53 Prozent im Gegensatz zu Clintons 43 Prozent sogar obenaus. Und dass so viele weisse Akademikerinnen für ihn stimmten, ist noch erstaunlicher.

45 Prozent, also fast die Hälfte der weissen Frauen mit Hochschulabschluss wählten den Republikaner. Bei den wenig gebildeten waren es noch mehr (62 Prozent). Trumps vulgäre Sprüche und Prahlereien mit sexuellen Übergriffen hatten anscheinend nur wenig Auswirkung auf das Wahlverhalten amerikanischer Frauen, zumindest der weissen.

Bei Afroamerikanerinnen holte der neu gewählte Präsident weitaus weniger Stimmen, allerdings mehr von solchen mit höherer Bildung (6 Prozent) als von anderen (3 Prozent). Dieses schwer nachvollziehbare Resultat lässt sich auch bei den Latinas feststellen. 25 Prozent der wenig gebildeten lateinamerikanischen Frauen wählten Trump und ganze 28 Prozent der besser gebildeten.

Ohnehin war das Wahlverhalten der Latinos überraschend. Als vielleicht entscheidende Gruppe für einen Clinton-Sieg gehandelt, stimmte fast ein Drittel für ihren Gegner – und dies, obwohl sich Trump im Wahlkampf wiederholt abschätzig über die lateinamerikanische Gemeinschaft in den USA ausgelassen hatte.

Besonders unter lateinamerikanischen Männern war die Unterstützung für den Republikaner verblüffend hoch. Jeder dritte Latino gab ihm seine Stimme. Trumps Drohungen, eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu bauen und Millionen Einwanderer ohne Papiere auszuweisen, wurden entweder nicht ernst genommen oder sogar akzeptiert.

Eine Wählerbefragung von «NBC News» ergab, dass nur 68 Prozent der Latinos den Mauerbau voll und ganz ablehnten. Knapp ein Drittel von ihnen könnte demnach mehr oder weniger mit dieser Idee leben, genauso viele, wie etwa für Trump stimmten.

Wie das Forschungsinstitut Pew Research Center aufzeigt, gingen schliesslich nur rund 13 Millionen Latinos an die Urne, obwohl sich 27 Millionen für die Wahl registriert hatten – viel mehr als noch im Jahr 2008. Ihr Anteil an der gesamten Wählerschaft lag damit nur bei 11 Prozent, was für Clinton ein Nachteil war.

Die Demokratin schaffte es also nicht, in ausreichendem Masse die Unterstützung von Latinos zu gewinnen. Aber auch bei Wählern mit höheren Einkommen konnte sie weniger punkten als vorausgesagt – im Gegenteil.

Entgegen allen Erwartungen setzte sich Clinton bei der ärmsten Bevölkerungsgruppe und bei denjenigen mit Löhnen bis 50’000 US-Dollar im Jahr durch. Alle anderen, reicheren Einkommensgruppen stimmten mehrheitlich für Trump. Die These, dass der Republikaner seinen Sieg ausschliesslich der weissen Unterschicht verdankt, stimmt also nicht.

Vielmehr konnte Trump auf die Unterstützung vieler zählen, mit denen niemand gerechnet hatte. Zusammen mit seiner weissen Wählerbasis kam er so zu genügend Stimmen, um in den entscheidenden Staaten zu gewinnen.

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